Makellose Ligabilanz: Darum wirft Bayern seinen Coach raus

Robin Wigger, Sportinformationsdienst
Sport1

14 Spiele, 14 Siege, eine unangefochtene Tabellenführung.

Der FC Bayern steht in der Basketball-Bundesliga mehr als gut da, der Gedanke an eine Trainerentlassung wirkt im ersten Moment abstrus.

Und dennoch hat der Deutsche Meister am Dienstag die Trennung von Dejan Radonjic offiziell verkündet, von der bereits am Montag berichtet worden war.

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"Im Profisport sind manchmal harte Entscheidungen notwendig und dies ist definitiv eine solche", sagte Bayerns Sportdirektor Daniele Baiesi: "Dejan verdient höchsten Respekt für seine Arbeit, die er bei uns geleistet hat, aber für uns war es nun an der Zeit, einen Wechsel vorzunehmen."

Doch warum war der montenegrinische Erfolgstrainer, der die Bayern nach seinem Amtsantritt im April 2018 zweimal zum deutschen Meistertitel geführt hat, nicht mehr zu halten, die Trennung fast schon überfällig?


Hoeneß forderte Playoff-Einzug in der EuroLeague

Zum einen ließen die spielerischen Leistungen in der Liga in den vergangenen Wochen zu Wünschen übrig. Besorgniserregender waren aber die bisweilen desolaten Vorstellungen in der EuroLeague.

Mit großen Zielen waren die Münchner in die internationale Saison gegangen. Transfer-Coups wie Greg Monroe und eine neu gewonnene Tiefe sollten dafür sorgen, dass der Klub erstmals in seiner Geschichte in der Playoffs der europäischen Königsklasse einzieht.

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"Ich hoffe, dass wir in der EuroLeague die Playoffs erreichen, dann haben wir unser internationales Ziel erreicht", hatte Uli Hoeneß vor der Saison gesagt.

Auch Team glaubte an Playoffs

Und nicht nur der Förderer und Ex-Präsident war angriffslustig.

"Ich persönlich will die Playoffs erreichen. Auch im Team reden wir natürlich darüber. Unser Kader, unser ganzes Drumherum erlaubt es auch, dass wir das erreichen können", erklärte Paul Zipser im November im SPORT1-Interview.

Auch Ex-Trainer Svetislav Pesic, inzwischen beim FC Barcelona unter Vertrag, sah bei SPORT1 "die Qualität und Erfahrung, um sich für die Playoffs zu qualifizieren".

Desolate Auswärtsbilanz

Die Realität sieht allerdings anders aus. Die magere Halbzeitbilanz: nur sechs Siege bei elf Niederlagen, Rang 15. Von den letzten zwölf Partien konnte der deutsche Spitzenklub nur drei gewinnen.

Zuletzt setzte es eine 30-Punkte-Klatsche bei Roter Stern Belgrad, davor ging Bayern auch zu Hause beim 73:98 gegen Zalgiris Kaunas unter. Gerade einmal ein Auswärtssieg gelang der Mannschaft um Kapitän Danilo Barthel - bezeichnenderweise im deutschen Duell bei ALBA Berlin.


Alle andere Partien auf fremdem Parkett gingen verloren, und das mit im Schnitt fast 23 Punkten! Gegen Topteams wie Maccabi, Anadolu Efes, aber auch gegen Kontrahenten wie Baskonia oder Belgrad.

Co-Trainer Kostic übernimmt für Radonjic

So dürfte der erste Einzug einer deutschen Mannschaft unter die besten Acht der Liga unmöglich sein, wenngleich der Rückstand auf das achtplatzierte Belgrad "nur" zwei Siege beträgt.

Die nationale Dominanz ist den Verantwortlichen zu wenig, zumal es im Pokal eine "peinliche" (Maodo Lo) Erstrundenpleite gab. Um langfristig in der Spitze Europas mitzumischen, muss der nächste Schritt gemacht werden. Auch, um weiterhin Stars nach München locken bzw. diese in der bayerischen Landeshauptstadt halten zu können.

Der bisherige Co-Trainer Oliver Kostic wird die Mannschaft vorerst betreuen und soll sie auf die Mammutaufgabe am kommenden Freitag (20.30 Uhr im LIVETICKER) vorbereiten, wenn es ausgerechnet gegen EuroLeague-Sieger ZSKA Moskau geht.

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"Wir haben die Lage rund um die Mannschaft immer wieder analysiert, auch in den vergangenen Wochen", sagte Geschäftsführer Marko Pesic: "Wir sind jetzt zu dem Entschluss gekommen, einen neuen Impuls und Ansatz zu benötigen." 

Ob die nächste Patrone tatsächlich ihr Ziel findet, wird sich zeigen. Die Entscheidung gegen Radonjic ist aber keinesfalls so seltsam, wie es der Blick auf die Liga-Tabelle vermuten lässt. Die Erwartungen an der Isar bleiben hoch.

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