Bayern und Dortmund vor dem DFB-Pokal-Halbfinale: Auf der Suche nach der Bedeutung

Bayern und Dortmund: Auf der Suche nach der Bedeutung.

Bayern gegen Dortmund, DFB-Pokal-Halbfinale. Was nach einem der Spiele des Jahres klingt, verkommt nach den letzten Wochen zu einer Suche nach Bedeutung. Nach den vergangenen Wochen gehen beide Teams vorbelastet und mit unterschiedlichen Vorzeichen in die Partie. Gerade deswegen ist das größte innerdeutsche Duell jedoch so spannend wie lange nicht.

Es ist ein kurzer Zeitraum, der ewig weit weg scheint: Anfang April zeigten sich die Bayern in außergewöhnlicher Form, schossen die Teams reihenweise aus dem Stadion und gingen als Topfavorit auf den Champions League-Titel in das Viertelfinale gegen Real Madrid. Borussia Dortmund hatte sich aus einem kleinen Tief befreit, kam überzeugend in der Königsklasse weiter und hatte mit der AS Monaco ein sehr machbares Los gezogen.

Alles hinfällig.  Kaum vier Wochen später stehen beide Teams schon fast am Ende einer Saison, die für beide eigentlich so viel mehr hätte bieten sollen. Verletzungen und ein massiver Leistungsabfall kostete den Münchnern nach dramatischen Spielen das Weiterkommen. Eine Spielzeit, die als Krönung außergewöhnlicher Karrieren und als Rückkehr auf den europäischen Thron konzipiert war, lag plötzlich in Scherben – und das größte Bayern-Team seit dem Champions-League-Sieg 2001 ist wohl endgültig Geschichte. Das Aus gegen Real war eine Zäsur.


Die Borussen hingegen können und sollten nach den schrecklichen Ereignissen vor dem Hinspiel gegen Monaco ohnehin nicht mehr an ihren sportlichen Leistungen gemessen werden, sondern lediglich daran, mit welcher menschlichen Größe Spieler und der gesamte Verein mit einer Siuation umgehen, die für lange Zeit eine Ausnahmestellung innehaben wird – und zwar im negativsten Sinne des Wortes. Alles, was seit dem Anschlag auf den BVB-Bus auf dem Fußballfeld geschah, ist bis auf Weiteres zweitrangig. Was zählt, ist die eigene Gesundheit und die Verarbeitung dessen, was geschehen ist.

Auf ihre Weise stellen beide Teams vor dem Pokalkracher die Sinnfrage – auch, wenn nach außen Gegenteiliges behauptet wird. Carlo Ancelotti betonte auf der Pressekonferenz: “Wir haben Real vergessen, wir fokussieren uns auf Dortmund.” Es hat etwas von Durchhalteparole, der nichtsdestotrotz der unbedingte Eigenanspruch der Münchner, in Deutschland die unangefochtene Nummer 1 zu sein, gegenübersteht. Und dazu gehört nun mal vor allem, den Konkurrenten aus Dortmund bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Schranken zu weisen.


Thomas Tuchel war da schon ehrlicher in der Art und Weise, wie er die Verarbeitung der letzten Wochen einschätzt: “Wie weit das abgeschlossen ist, weiß ich nicht.” Ein wichtiger Schritt ist jedoch getan, denn: „Wir können uns wieder über Fußball freuen und ärgern.“ Und das Match gegen den Rekordmeister nimmt in der Wahrnehmung des BVB ohnehin eine Ausnahmestellung ein: „Das hat einen riesigen Stellenwert und auch Einfluss darauf, wie wir die Saison bewerten werden. Es ist ein großer Traum von uns, nach Berlin zu kommen.“

Es ist die wohl außergewöhnlichste Konstellation, in der die beiden größten Clubs des Landes in den vergangenen Jahren aufeinandergetroffen sind. Für die einen gilt es, eine Saison zu retten, für die andere ist es der nächste Schritt im Heilungsprozess, zurück zur Normalität – und damit auch zu sportlichem Erfolg und der Freude am Fußball. Große Spiele haben große Vorgeschichten. Das könnte sich auch am Mittwochabend wieder bewahrheiten.

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