Bayerns Abwehrpuzzle um Hernández und Boateng

Patrick Hauser
Sport1

20 von 31 Pflichtspielen hat Jérôme Boateng in dieser Saison absolviert, in 18 davon stand er in der Startelf des FC Bayern.

Die Zahlen lassen auf einen - wenn auch nicht unantastbaren - Stammspieler schließen, der von seinem Trainer Vertrauen genießt.

Tatsächlich ist Boateng aber beim Rekordmeister eher ein "Notnagel", der im Februar 2020 womöglich seine Schuldigkeit getan hat.

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Der 31-Jährige profitiert in dieser Saison bisher davon, dass Benjamin Pavard meist als Außenverteidiger agiert und die Abwehrreihe der Bayern mit großen Verletzungsproblemen kämpft.

Boateng-Probleme schon vor dem Spiel?

Der frühere Nationalspieler hätte schon im vergangenen Sommer gehen können, wie ihm Ex-Präsident Uli Hoeneß riet. Boateng blieb und spielte häufig, weil Javi Martínez, Niklas Süle und vor allem Rekordneuzugang Lucas Hernández regelmäßig verletzt ausfielen. Als der Verteidiger im Winter gehen wollte, blockten die Bosse den Wunsch ab, da sie ihn aufgrund der Personalprobleme in der Abwehr noch benötigten.

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Trainer Hansi Flick setzte zu Beginn der Rückrunde auf den erfahrenen Spieler, auch im Topspiel gegen RB Leipzig (0:0) stand er in der Startelf. Dabei hatte Boateng laut Süddeutscher Zeitung bereits am Morgen des Spiels signalisiert, dass er sich nicht wohl fühle. In der Halbzeit berichtete er Flick erneut von dessen Rückenbeschwerden, erst nach 65 Minuten hatte er allerdings seinen Dienst getan - SPORT1-Note: 4.


Für die restliche Spielzeit traute Flick Hernández ein Comeback zu, obwohl dieser eigentlich nach drei Monaten Pause langsam aufgebaut werden sollte. Die Möglichkeit, Boateng schon früher auszuwechseln und dafür Pavard nach innen zu ziehen, war für Flick offenbar keine Option: Ob Winterneuzugang Álvaro Odriozola vom Trainer in der Lage gesehen wurde, seine rechte Seite gegen die schnellen Leipziger Offensivspieler dicht zu halten, muss in diesem Zusammenhang bezweifelt werden.

Salihamidzic lobt Hernández

Boateng dürfte nun in die zweite Reihe gedrängt werden, im Sommer wird ihm der FCB bei einem marktgerechten Angebot keine Steine in den Weg legen. Der Vertrag des 31-Jährigen läuft 2021 aus.

Während Boatengs Schnelligkeitsdefizite gegen Leipzig einmal mehr auffielen, gab Weltmeister Hernández ein gelungenes Comeback und dämmte die Angriffsbemühungen der zu diesem Zeitpunkt immer stärker werdenden Leipziger spürbar ein (SPORT1-Note: 3).

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"Lucas war gut. Ich bin froh, dass er wieder mitmachen kann. Er muss fit werden und braucht Spielpraxis", lobte hinterher auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Der Sommer-Neuzugang habe "Stabilität rein gebracht", "seine Kompromisslosigkeit hat uns sehr gut getan."


Der Franzose kostete im vergangenen Sommer 80 Millionen Euro, diesen Ablöserekord in Deutschland hat er auf dem Feld vor allem wegen seiner Verletzungen noch nicht nachweisen können.

Dass der 23-Jährige - sofern es die Fitness nach seinem Innenbandriss im Sprunggelenk zulässt - nach seinem gelungenen Kurz-Comeback einen Stammplatz in der Innenverteidigung erhält, um für das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Chelsea (25. Februar) Spielpraxis zu sammeln, ist naheliegend.

Drei Linksfüßer in der Verteidigung

Die Bayern könnten künftig also die "Innenverteidigung der Zukunft" mit Alphonso Davies (19), Lucas Hernández, David Alaba (27) und Benjamin Pavard (23) formieren. Boateng und auch der bald wieder fitte Martínez (31) müssten sich dauerhaft mit einem Platz auf der Bank begnügen, Süle (24) fällt nach seinem Kreuzbandriss noch monatelang aus.

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Dass sich mit dieser Formation aber nicht alle hundertprozentig anfreunden können, beweist die Aussage von Alaba, der nach Boatengs Auswechslung als rechter Innenverteidiger agieren musste.


"Auf der rechten Seite war es in der zweiten Halbzeit ungewohnt für mich. Das ist mit Sicherheit nicht meine Idealposition. Auf der linken Seite fühle ich mich wohler, aber ich spiele da, wo ich der Mannschaft am besten helfen kann", erklärte der Österreicher.

Nach Davies und Hernández wäre Alaba der dritte Linksfuß in der Viererkette, für die Innenverteidigung wäre das gar ein Novum in München.

Rotation als Chance für Boateng?

Um dieser nicht ganz idealen Konstellation aus dem Weg zu gehen, könnte Flick rotieren und Alaba wieder als Außenverteidiger anbieten, um dem jungen Davies Verschnaufspausen zu gönnen. Die Rotation wäre dann auch wieder eine Chance für Boateng, bis zur Genesung von Süle auf regelmäßige Einsätze zu kommen.

"Wir brauchen viele Top-Jungs und das sind auch alles Top-Jungs, deswegen sollen die das unter sich ausspielen. Der Trainer wird dann schon die Richtigen aufstellen", sagte Salihamidzic.

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