Bayerns "brutale Qualität" im Titelrennen

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.
Bayerns "brutale Qualität" im Titelrennen
Bayerns "brutale Qualität" im Titelrennen

Das Spiel war eigentlich schon längst zugunsten des FC Bayern entschieden, da machte Manuel Neuer seinen Vorderleuten noch mal eine klare Ansage.

"Höhe halten!", forderte der Bayern-Keeper von seiner Abwehr um David Alaba und Co. bei einem der letzten Angriffe des VfB Stuttgart. Und auch dieser Vorstoß der Schwaben verpuffte. "Gut, Männer, klasse", rief Neuer anerkennend durch die leere Allianz Arena.

Ein bis zur letzten Sekunde voll fokussierter FC Bayern hat mit dem 4:0 (4:0)-Sieg gegen den VfB Stuttgart ein dickes Ausrufezeichen im Titelrennen gesetzt. Und das trotz 78-minütiger Unterzahl. (LIVETICKER zum Nachlesen)

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Bayern-Gala in Unterzahl versetzt Flick ins Schwärmen

Vor allem weil Robert Lewandowski mal wieder einen Gala-Nachmittag erwischte und mit einem Hattrick seine Saisontore 33, 34 und 35 erzielte. Aber auch, weil die Münchner die Rote Karte gegen Alphonso Davies (12.) gut kompensierten und dem bis dahin forschen Stuttgartern den Zahn zogen.

"Ich muss meiner Mannschaft einfach ein Riesen-Kompliment machen. Sie hat nach dem Platzverweis, der berechtigt war, defensiv sehr gut gearbeitet, als Team die Räume sehr eng gemacht und es in Ballbesitz gerade in der ersten Halbzeit sehr gut gemacht", schwärmte Flick. "Wie die Tore herausgespielt wurden, war einfach herausragend."

Neben Lewandowskis Dreierpack (18., 23., 39.)war vor allem das schnelle Umschaltspiel und die Ballstafette über Thomas Müller und Leroy Sané vor dem Treffer von Serge Gnabry (22.) zum zwischenzeitlichen 2:0 sehenswert.

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Flick muss seinen Antreiber Müller bremsen

Apropos Müller, der trieb in Abwesenheit des erkältet fehlenden Joshua Kimmich und nach Davies' Hinausstellung auch bedingt durch eine taktische Umstellung die Mannschaft als zentraler Antreiber immer wieder nach vorne. Und das gewohnt lautstark.

"Manchmal hat er mir sie zu oft nach vorne gepusht, gerade wenn wir eine gute Ordnung hatten", merkte Flick an. "Aber es zeichnet ihn aus."

Eigentlich wollte Flick Kimmichs Fehlen mit David Alaba kompensieren, der vom Abwehrzentrum auf die Sechs rückte. Doch nach Davies' Platzverweis wurde Alaba als Linksverteidiger gebraucht. Müller rückte dafür vom zentralen Mittelfeld etwas weiter zurück an die Seite von Leon Goretzka. Mit zwei Torvorlagen brachte Müller aber auch in etwas defensiverer Rolle seine Offensivqualitäten ein.

"Thomas hat dann als Sechser gespielt und hat es gut gemacht. Ab und zu ist er mir zu früh aus der Kompaktheit herausgegangen, aber das zeichnet ihn aus. Er hat auch immer wieder den Gegner unter Druck gesetzt und zu Fehlern gezwungen", erklärte Flick.

Lewandowski und Müller glänzen - "brutale Qualität und Präzision"

Sogar die Stuttgarter Seite zollte hinterher Respekt. "Sie hatten Thomas Müller und Robert Lewandowski, die mit einer brutalen Qualität und Präzision gespielt haben", sagte VfB-Sportdirektor Sven Mislintat bei Sky. "Thomas hat das Defizit, dass sie ein Mann weniger waren, fast alleine aufgehoben."

Zudem machte der überragende Leon Goretzka mit den meisten gewonnen Zweikämpfen aller Feldspieler (21), einer starken Quote von 64 Prozent und 11,4 Kilometern Laufleistung das Fehlen des elften Spielers wett.

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"Ich muss heute allen, die gespielt haben, ein großes Kompliment machen", lobte Flick. "Wir haben gegen die Überzahl sehr kompakt hinten gestanden und haben die Null hinten gehalten. Das war heute unser Ziel. Und natürlich auch die drei Punkte. Von daher war das wirklich ein gelungener Spieltag für uns."

Sperren zwingen Flick in Leipzig zum Umbau der Abwehr

Mit vier Punkten Vorsprung vor RB Leipzig gehen die Bayern in die Länderspielpause, ehe dann am Ostersamstag beim Verfolger das Spitzenspiel ansteht. Da nicht nur Davies wegen seiner Roten Karte, sondern auch Jérôme Boateng wegen seiner fünften Gelben Karte fehlen wird, muss Flick dann allerdings seine Abwehr umbauen.

"Bei Jérôme ist es natürlich ärgerlich, aber wir haben heute auch die Abwehr umstellen müssen und es hat gut funktioniert", sagte Flick. Erstmals seit dem 1:0 bei Hertha BSC Anfang Februar bleiben die Bayern in der Bundesliga mal wieder ohne Gegentor, zum insgesamt erst sechsten Mal in dieser Saison. (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

In Leipzig wartet allerdings die nächste schwere Prüfung auf die Bayern, im Hinspiel gab es ein spektakuläres 3:3. Mit einem Sieg würden die Bayern auf sieben Punkte davonziehen, der neunte Meistertitel in Serie wäre ihnen dann wohl kaum noch zu nehmen. (Die Tabelle der Bundesliga)

So weit wollte Flick unmittelbar nach dem Spiel aber noch nicht nach vorne blicken. "Das muss man mir wirklich mal zugestehen: Heute ist die Freude, dass wir die elf Wochen mit 18 Spielen mit so einem Ergebnis und so einem Sieg beendet haben", sagte der 56-Jährige, der zunächst seinen Spielern und seinem Staff auch ein paar freie Tage zum Durchschnaufen gönnen will. "Dann wird im Verlauf der Woche natürlich Leipzig eher in den Blickpunkt rücken. Und dass wir gut vorbereitet sind für das Spiel in Leipzig."