Bayerns Trainersuche: Öffnet Wenger Nagelsmann die Tür?

Florian Plettenberg
Sport1

Die derzeit größte Frage im Bayern-Kosmos dreht sich um den Nach-Nachfolger von Niko Kovac.


Hansi Flick, der mit dem vorzeitigen Achtelfinal-Einzug dank des 2:0 gegen Piräus seine erste von mindestens zwei Bewährungsproben überstand, bleibt bis auf unbestimmte Zeit im Amt. Möglich, dass irgendwann in der kommenden Woche Arsène Wenger dazustößt und mit Flick die Bayern bis Sommer begleitet. Damit wäre die Nach-Nachfolge gesichert.

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Aber Flick, Wenger - und dann?

Bayern sucht nach dem perfekten Trainer

Die Krux für die Trainerfindungs-Kommission um Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic liegt zum einen darin, die laufende Saison ruhig und bestenfalls erfolgreich abzuschließen, ab Sommer 2020 aber einen Trainer zu finden, der für all das steht, von dem in München geträumt wird, und der eine neue Ära einleiten kann.

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Ein Trainer, der bestmöglich zum Kader-Umbruch der Münchner passt. Der eine gewisse Autorität ausstrahlt. Der für eine frische, begeisterungsfähige Idee von Fußball steht. Den taktische Variabilität auszeichnet. Der für eine Ballbesitz-Mannschaft Lösungsansätze findet. Kurzum: Gesucht wird eine Mischung aus Pep Guardiola, Jupp Heynckes und Louis van Gaal.

Es ist ein Anforderungsprofil, das den Kandidatenkreis einengt. Nach dem Aussiebe-Prozess bleiben vor allem Erik ten Hag (Ajax Amsterdam), Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain) und Julian Nagelsmann (RB Leipzig) über, denn bestenfalls spricht der neue Mann an der Seitenlinie auch noch Deutsch.


Rummenigge hält große Stücke auf ten Hag

Ten Hag (Vertrag bis 2022) hält sich hartnäckig als Münchner Premium-Lösung. Der Niederländer träumt von einer Cheftrainer-Rückkehr zu den Bayern, stellte aber klar, dass er die laufende Saison in Amsterdam bleibt. Für den Sommer dürfte die Sachlage eine andere sein. Ajax-Manager Marc Overmars erklärte bereits öffentlich, dass er ihm die Freigabe erteilen würde.

Warum ten Hag? Vor allem Rummenigge ist nicht entgangen, welche Entwicklung der frühere Trainer der FCB-Reserve nahm. Im vergangenen Jahr schaffte er es mit Underdog Ajax ins Halbfinale der Champions League. Mindestens das Achtelfinale ist jetzt auch wieder drin. Zuletzt spielte seine Elf trotz zwei Mann weniger beim 4:4 beim FC Chelsea beeindruckend mutig auf Sieg.

Dass ten Hag eine Spielidee vermitteln kann, hat er bereits bewiesen. Ob er jedoch mit einer charakterlich äußerst herausfordernden Mannschaft umgehen kann? In Amsterdam führt er junge Wilde an, Hochtalentierte, die sich in Ruhe entwickeln können, die noch nicht als Stars gelten, sondern welche werden wollen. Die Ansprüche und Egos in München sind andere. Zuletzt erfuhren Kovac und Carlo Ancelotti, dass der Wind in der Bayern-Kabine ein anderer ist.


Tuchel ist auch im Rennen

Die Tuchel-Seite wurde laut Sky von Rummenigge in den vergangenen Tagen kontaktiert. Der Umworbene scheint aber fast genervt ob des ständigen Werbens der Münchner. Vielleicht auch, weil er nicht vergessen haben wird, wie er bereits im Sommer 2018 als Königslösung galt, eine Verpflichtung mangels interner Bayern-Überzeugung aber nicht zustande kam. Tuchel (Vertrag bis 2021) ist ein stolzer Trainer. Ein Visionär.

Was imponiert: Er scheint eine Truppe mit eitlen Superstars wie Neymar weitestgehend im Griff zu haben. Sportlich allerdings ist es schwer, sein Wirken zu bewerten.

Die Liga ist aufgrund der Pariser Qualität fast ein Selbstläufer für seine Elf. Wie die Bayern schied er mit PSG im Vorjahr aber bereits im Achtelfinale der Königsklasse aus. Tuchel ist ein Top-Trainer, aber ob er von seiner dominanten Art her wirklich zu den Bayern passt?

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Wagt Bayern das Experiment Nagelsmann?

Nicht zu vergessen ist Nagelsmann. Der gebürtige Bayer (Landsberg am Lech) hat bei RB einen Vertrag bis 2023. Einen Hehl daraus, eines Tages gern Bayern-Trainer zu sein, machte er nie. In seiner Jugend war er FCB-Fan. In einem Interview sagte er einmal, dass ihn der Trainer-Job bei Bayern "vielleicht noch ein Stück glücklicher machen" würde.


Der 32-Jährige will Titel gewinnen, schaffte es nun in Windeseile, seine Spielidee erfolgreich in Leipzig umzusetzen und steht in der Champions League kurz vor dem Einzug in die K.o.-Runde. Leipzig ist ein ernstzunehmender Meisterschafts-Kandidat.

Nagelsmann und die Bayern, es wäre ein Experiment. Im vergangenen Sommer, vor Kovac, sollen die Bosse aber auch von einem Transfer abgerückt sein, weil sie Zweifel hatten, ob er dem Kader der Münchner Herr werden kann. Nagelsmann aber entwickelt sich schnell. Er gilt als Trainer der Zukunft. Auch bei den Bayern?

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