Bayerns Transferpolitik: ein Haufen Granätchen

Für den Angriff auf den europäischen Thron bräuchten die Bayern auch “Granaten” wie Verratti.

Die Bayern spuckten vor Beginn der Transferperiode große Töne, “Granaten” sollten den Club verstärken. Nun scheint der Rekordmeister jedoch an einem Top-Transfer nach dem anderen zu scheitern, stattdessen kommen Gnabry, Rudy und Süle. Für höchste europäische Ansprüche wird das nicht reichen. Nun muss die Richtungsfrage gestellt werden.

Ein Kommentar von Johannes Kallenbach

Es war im Angesicht des für den FC Bayern München minimalen Erfolgs, als Uli Hoeneß sich zu den Worten hinreißen ließ, die die Transferpolitik des Rekordmeister für die Sommerpause skizzieren sollten. Am Rande der “Meister-aber-sonst-nix”-Feier der Münchner sprach der Bayern-Präsident davon, dass man “Granaten” kaufen müsse, um den illustren Kader zu verstärken.

Es war eine Aussage, resultierend aus der Erkenntnis, dass man nicht mehr europäische Spitze ist. Das soll, es muss gar, korrigiert werden.

Alle Top-Transfers drohen zu platzen

Was als Startschuss für einen in München nie dagewesenen Transfer-Aufgalopp verstanden wurde, erwies sich bisher als Luftnummer. Alle Top-Verpflichtungen des Rekordmeisters drohen zu scheitern: Alexis Sanchez will zu viel, Marco Verratti kostet zu viel, Antoine Griezmann will wahrscheinlich nicht. Außerdem: Auch zu teuer.

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Stattdessen kamen bisher: Serge Gnabry, der bei Werder Bremen nur in der Hinrunde glänzen konnte. Außerdem die beiden soliden, aber eben nicht überragenden Hoffenheimer Sebastian Rudy und Niklas Süle. Auch Lyon-6er Corentin Tolisso ist im Gespräch. Ein guter Fußballer, keine Frage – aber mit Sicherheit kein Verratti.

Wer ganz oben stehen will, kann sich dem Markt nicht verschließen

Noch nie hat sich beim Rekordmeister so die Richtungsfrage gestellt wie in dieser Sommerpause: Wo wollen wir hin? Es wirkt, als wüsste der Club selber noch nicht, wie er diese Frage beantworten möchte. Die Zielsetzung ist die Grundproblematik: Wer kurzfristig wieder den Champions League-Titel holen möchte, braucht fertige Topspieler – und die sind nun mal teuer. Absurd teuer.

Den Marktmechanismen kann man sich nicht verschließen. Und die besagen: Ablöse jenseits der 100 Millionen, Gehalt jenseits der 20 Millionen. Friss oder stirb.

Es geht auch ohne – aber nur auf Kosten des Erfolgs

Es wäre legitim, diesen Gehalts- und Ablösewahnsinn der anderen Großclubs nicht mitzumachen. Da geht es auch um Bodenhaftung, um eine gewisse Verweigerung gegen eine Entwicklung, die den Profi-Fußball immer weiter von seiner Basis entfernt. Das ginge jedoch auf Kosten des kurzfristigen Erfolgs – und längerfristig sogar auf Kosten der Konkurrenzfähigkeit in Europa.

Denn, so hart das klingt: Gnabry, Süle, Rudy und Tolisso werden für höchste Ansprüche nicht reichen. Für die braucht es nun mal “Granaten” und keine Granätchen.

Und sollte der Rekordmeister damit zufrieden sein, den Kader mit potentieller statt unmittelbarer Weltklasse aufzufüllen und das Risiko des Misserfolgs einkalkulieren, dann müssen sie das auch so kommunizieren. Keinem Verein tut es nämlich gut, wenn Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinanderdriften – schon gar nicht den Bayern.


 

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