Macht Lippenpflege süchtig und gewöhnt man die Lippen daran?

Carolin KlarFreie Autorin für Yahoo Style
Der Lippenpflegestift ist im Winter besonders beliebt. (Bild: Getty Images / BSIP)
Der Lippenpflegestift ist im Winter besonders beliebt. (Bild: Getty Images / BSIP)

Wer hat die Behauptung noch nicht gehört: „Lippenpflege macht süchtig und man gewöhnt die Lippen daran.“ Aber stimmt das wirklich? Wir gehen dem Mythos auf den Grund und geben Tipps für die Wahl des Lipbalm und die richtige Lippenpflege im Winter!

Kalte Temperaturen, warme Heizungsluft und Sonnenstrahlen sorgen dafür, dass sich unsere Lippen im Winter trocken und spröde anfühlen können. Da die Lippen nur sehr wenige Talgdrüsen haben, fehlt ihnen von Natur aus Fett, mit dem sie sich gegen die äußeren Einflüsse schützen können. Lipbalms mit pflegenden Ölen und Wachsen bewahren die Lippen davor, rau und rissig zu werden. Deshalb werden sie gerne verwendet, vor allem von Frauen. Laut Statista gab es 2018 in Deutschland rund 9 Millionen Frauen, die täglich Lippenpflegeprodukte verwendeten.

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Macht Lippenpflege süchtig?

Grundsätzlich kann man nach allem süchtig werden, das einen glücklich macht oder beruhigt. Man möchte die positive Erfahrung wiederholen – im Fall von Lipbalm wäre das zum Beispiel, das Gefühl geschmeidig weicher Lippen zu spüren oder den Duft seines Lieblingsbalms zu riechen. Vielleicht erinnert einen der Lippenpflegestift auch an etwas Schönes wie etwa den Urlaub, wo man ihn erstmals erstanden und benutzt hat. Oder man ist nervös und möchte sich mit dem Auftragen ablenken und beschäftigen. Die Inhaltsstoffe in Lippenbalsam machen nicht süchtig. Aber der „Akt das Auftragens“ könne psychisch abhängig machen, so die Dermatologin Anjali Mahto gegenüber dem Magazin Vice.

Eine regelmäßige Verwendung von Lippenbalsam ist jedoch noch längst keine Sucht. Kann man nicht mehr ohne ihn und stellt es ein psychisches Problem dar, wenn kein Lipbalm zur Hand ist? Dann heißt es: lieber gegensteuern – zum Beispiel bewusst eine Lippenpflege-Pause einlegen oder die Anwendung reduzieren, unterwegs keinen Lipbalm mehr dabei haben oder alternativ einen Kaugummi kauen, wenn das Bedürfnis aufkommt, den Lipbalm zu zücken.

Eine Sucht ist nie etwas Gutes. Bei Lippenbalsam muss man aber bedenken, dass er kein medizinisch anerkanntes Suchtmittel ist und dass er etwas sehr Nützliches sein kann. Eine Sucht danach ist nicht mit einer Sucht nach ungesunden Genussmitteln wie Zigaretten vergleichbar.

Gewöhnt man die Lippen an Lipbalm?

Können die Lippen nicht mehr ohne Lipbalm, wenn man einmal damit anfängt, ihn zu benutzen? Nein. Lippenbalsam pflegt die Haut an den Lippen – diese brauchen die Pflege aber nicht regelmäßig, weil sich die Lippen selbst heilen können. Es reicht, spröde Lippen bei Bedarf im Winter mit natürlichen Fett- und Feuchtigkeitsspendern wie Jojobaöl, Sheabutter oder Kokosöl zu unterstützen. Wer Lippenpflegestifte oft angewendet hat und irgendwann wieder damit aufhört, muss erst wieder das Gefühl für die natürliche Trockenheit der Lippen entwickeln. Die Haut kann sich aber wieder umstellen und erreicht nach ein paar Wochen wieder ihren Normalzustand.

Tipps zur Lippenpflege und Wahl des Lipbalm

Damit die natürliche Feuchtigkeitsregulierung der Lippen nicht gestört wird, sollte der Lippenpflegestift nicht zu dick aufgetragen werden.

Vor dem Kauf ist es zudem empfehlenswert zu prüfen, was in dem Lippenpflegestift steckt. Manche Inhaltsstoffe in Lipbalms können ein karzinogenes Risiko bergen, also krebserregend sein. Dazu zählen Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis. Man erkennt sie an Begriffen wie Mineral Oil, Paraffin oder Petrolatum. Die Codecheck-App hilft bei der Feststellung und Bewertung kritischer Inhaltsstoffe in Kosmetik.

Es ist auch besser einen Lipbalm zu verwenden, der keine Paraffinöle oder -wachse enthält, da diese einen wasserundurchlässigen Film auf der Haut bilden und die Feuchtigkeit einschließen. Die Lippen trocknen dadurch noch mehr aus.

Darüber hinaus können Duft- und Aromastoffe in Lippenpflegestiften Allergien auslösen, selbst wenn auf dem Produkt steht, dass es dermatologisch getestet ist. Die Lippen sind durch ihre dünne Haut empfindlich. Je weniger Inhaltsstoffe Kosmetik enthält, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man auf irgendeinen davon allergisch reagiert. Zertifizierte Naturkosmetik verzichtet auf synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe ebenso wie auf kritische Inhaltsstoffe wie Mineralöle.

Für den Wintersport oder Spaziergänge in der Sonne empfiehlt sich ein Lippenpflegestift mit UV-Schutz, denn auch die Lippen können einen Sonnenbrand bekommen.

Die Lippen lieber nicht mit der Zunge ablecken

Wer trockene Lippen hat, meint vielleicht mit der Zunge das Problem lösen zu können. Das Befeuchten der Lippen mit der Zunge macht sie aber zusätzlich trockener. Beim Verdunsten des Speichels wird der Haut nämlich weitere Feuchtigkeit entzogen. Lieber die Lippen einfetten – nicht zu viel, am besten mit Naturkosmetik und nur bei Bedarf.

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