Belarus: Lukaschenko von seinem Sohn als NOK-Präsident abgelöst

SID
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Belarus: Lukaschenko von seinem Sohn als NOK-Präsident abgelöst
Belarus: Lukaschenko von seinem Sohn als NOK-Präsident abgelöst

Wiktor Lukaschenko hat seinen Vater, den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, an der Spitze des Nationalen Olympischen Komitees abgelöst. Dies gab die Organisation am Freitag bekannt. Alexander Lukaschenko stand dem NOK seit 1997 vor. Der 66-Jährige und sein Sohn (45), zuvor NOK-Vize, wurden im vergangenen Dezember vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) ausgeschlossen.

"Ich hatte nicht vor, für eine weitere Amtszeit als Chef des Nationalen Olympischen Komitees nominiert zu werden", wurde Alexander Lukaschenko auf der NOK-Webseite zitiert: "Ich bitte Sie, wenn das für Sie in Ordnung ist, für meinen ältesten Sohn zu stimmen. Ich verbürge mich für ihn. Unter seiner Führung wird es keinen Diebstahl, keine Korruption und keinen Geldmissbrauch geben. Athleten und Trainer werden freundlich und fair behandelt werden. Was mich betrifft, so werde ich weiterhin mit dem Geschehen im Sport in Kontakt bleiben."

Die Weitergabe des Amtes an seinen Sohn - formal als Wahl deklariert - könnte für den belarussischen Sport weitere Sanktionen seitens des IOC nach sich ziehen. Dieses hatte im Dezember zusätzlich zum persönlichen Bann jegliche Zahlungen eingestellt. Die IOC-Exekutive war zu dem Schluss gekommen, dass "die derzeitige NOK-Führung die belarussischen Athleten nicht angemessen vor politischer Diskriminierung" schütze.

Medienberichten zufolge sind mehr als 100 AthletInnen vom Leistungssport in Belarus ausgeschlossen wurden, seit sie einen offenen Brief unterschrieben, der ein Ende der Polizeigewalt gegen regierungskritische Demonstranten fordert.

IOC-Präsident Thomas Bach sagte Anfang der Woche, der Ringeorden beobachte die Situation vor den NOK-Wahlen in Belarus "genau". Bach sagte, das IOC werde das Ergebnis abwarten, bevor es entscheide, ob weitere Sanktionen folgen könnten. Ein mögliches Szenario ist, die weißrussische Flagge und Hymne bei den Spielen in Tokio zu verbieten.

Das Land steht (sport)politisch schwer in der Kritik. Zuletzt wurde Belarus die Gastgeberrolle der Weltmeisterschaften im Eishockey und im Modernen Fünfkampf entzogen.