Blamiert hat sich Schalke doch ohnehin schon

Patrick Berger
·Lesedauer: 2 Min.

Konsequent inkonsequent – das ist für viele Schalke-Fans und Kritiker die Begnadigung von Nabil Bentaleb. Im Netz wird die sportliche Führung des Schlusslichts einmal mehr wüst beschimpft.

Nicht die erneute Begnadigung ist ein Fehler, ihn vor elf Wochen überhaupt erst suspendiert zu haben war einer. Seinerzeit hatte sich der Mittelfeldspieler, dem ein schwieriger Charakter nachgesagt wird, nichts zu Schulden kommen lassen.

Als er an seinem 26. Geburtstag ins Büro von Ex-Trainer Manuel Baum zitiert wurde, ging er sogar davon aus, Glückwünsche entgegen zu nehmen. (Die Tabelle der Bundesliga)

Bentaleb wurde schon fünfmal suspendiert

"Schalke und Bentaleb passen offensichtlich nicht zusammen", hatte Sportvorstand Jochen Schneider im November gesagt, als Bentaleb zum fünften (!) Mal suspendiert wurde.

Bis vor wenigen Tagen arbeiteten beide Seiten noch an einem Wechsel – doch ohne Erfolg.

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Nun die abermalige Rolle rückwärts. Der Pott-Klub hat festgestellt, dass man auch ohne Bentaleb und Vedad Ibisevic, der ebenfalls auf bis heute unerklärliche Weise suspendiert wurde, dem Klassenerhalt keinen Stück nähergekommen ist – im Gegenteil! Der Abstand auf das rettende Ufer beträgt neun Punkte.

Klare Linie ist auf Schalke längst nicht mehr zu erkennen

Was ist an der Bentaleb-Begnadigung also so schlimm? Blamiert haben sich die Klub-Bosse in dieser vielerlei Hinsicht peinlichen Katastrophen-Saison, die wohl im Abstieg enden wird, doch ohnehin schon.

Eine klare Linie ist auf Schalke sowieso längst nicht mehr zu erkennen und die Glaubwürdigkeit der sportlichen Führung, die allein in dieser Saison dreimal den Trainer getauscht hat, ohnehin nur noch verschwindend gering.

Statt den teuren Profi, der zwei Millionen Euro für die letzten fünf Monate verdient, auf der Tribüne schmoren zu lassen, holt man ihn nun lieber zurück. Bentaleb hatte genug Zeit, über sich und seine schwierige Situation nachzudenken.

Er hat sich zuhause fitgehalten. Die Werte beim Leistungstest - so ist zu hören - sollen gut sein. Schon am Samstag könnte er daher für das Auswärtsspiel bei Union Berlin eine Option sein.

Bentaleb kann eine Verstärkung sein

Bentaleb kann die hilf- und haltlose Mannschaft durchaus unterstützen. Der kreative Mittelfeldspieler, für dessen Rückkehr sich nach SPORT1-Informationen vor allem Führungsspieler wie Sead Kolasinac und Benjamin Stambouli eingesetzt haben, zählt zweifelsohne zu den besten Kickern im Kader.

Nun liegt es in erster Linie am Spieler selbst, seine Qualitäten auch endlich mal abzurufen. Der Problem-Profi, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, kämpft um seine Reputation und seine Zukunft. (Bundesliga: Spielplan und Ergebnisse)

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Und ausgerechnet Christian Gross, der lange im arabischen Raum gearbeitet hat und Französisch spricht, könnte Bentaleb wieder in die Spur bringen und den "Maghreb-Zauber" (Gross) in ihm erwecken.

Die Bentaleb-Begnadigung zeigt, wie verzweifelt Schalke wirklich ist. Sie ist der allerletzte Griff nach dem Strohhalm.

Am Ende könnte sich die Rolle rückwärts aber als richtig erweisen.