Grünes Licht für die Bundesliga - doch ein Punkt sorgt für Zoff

Martin van de Flierdt, Robin Wigger
Sport1

Die Bundesliga-Saison 2019/20 darf in der zweiten Maihälfte weitergehen.

Einen entsprechenden Beschluss fassten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer im Rahmen ihrer Videokonferenz am Mittwoch.

"Wir haben über die Fußball-Bundesliga gesprochen, die ab der zweiten Maihälfte wieder den Spielbetrieb unter den genehmigten und ja auch getesteten Regeln führen darf", erklärte Merkel auf der anschließenden Pressekonferenz.

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DFL-Boss Seifert begrüßt Entscheidung

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert reagierte mit großer Erleichterung auf das Go für einen Saison-Neustart aus Berlin.

"Die heutige Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Bundesliga und die 2. Bundesliga", sagte Seifert: "Sie ist verbunden mit einer großen Verantwortung für die Klubs und ihre Angestellten, die medizinischen und organisatorischen Vorgaben diszipliniert umzusetzen."

Wann genau wieder gespielt wird, darf nun die Deutsche Fußball Liga (DFL) entscheiden. Würde die Liga am 15. Mai wieder losgehen, wäre die Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und dem SC Paderborn die erste nach dem Neustart. Besonders Rheinland-Pfalz und Bremen sprachen sich für einen Starttermin am 22. Mai aus.

Jene Debatte scheint sich allerdings zum großen Streitpunkt zu entwickeln.

Start-Datum als Streitthema

"Ich habe aus meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber Geisterspielen in der Konferenz keinen Hehl gemacht", sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte - und betonte: "Ordentlich in die Wolle bekommen hatten wir uns beim Starttermin. Ich hatte mich für die Woche nach dem 15. Mai eingesetzt."

Bovenschulte weiter: "Aus gesundheitlichen- und Arbeitsschutzgründen ist es nicht sinnvoll, am 15. Mai wieder anzufangen. Ich hoffe, dass die DFL sich für den 21. Mai ausspricht und sich da gegen wirtschaftliche Aspekte entscheidet."


Die Liga tendiert aber zu einem Start am 15. Mai, um bis zum angepeilten Saisonende Ende Juni zumindest einen kleinen Zeitpuffer zu haben. Am morgigen Donnerstag steht eine Vollversammlung aller 36 Profiklubs der Deutschen Fußball Liga auf der Agenda. Dass die Liga zuvor schon einen Beschluss über den Starttermin verkündet, ist nach SPORT1-Informationen unwahrscheinlich.

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Doch ein möglichst schneller Re-Start scheint im Sinne der meisten Klub-Bosse zu sein.

"Wir alle sollten anstreben, so zügig wie möglich in den Spielbetrieb zurückzukommen", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bei Sky: "Die Voraussetzungen sind geschaffen, wir haben die Genehmigung. Auch die Spieler werden durch den Fakt, dass sie im Trainingsbetrieb sind, nahe bei 100 Prozent sein, wenn sie nächste Woche ein normales Mannschaftstraining aufnehmen dürfen."

Auch Oliver Mintzlaff von RB Leipzig forderte vehement einen Re-Start am 15. Mai.

Bremen befürchtet Wettbewerbsnachteil

Widerstand kommt allerdings aus Bremen. Werder sprach sich für den 23. Mai aus. Ein früherer Beginn wäre ein Wettbewerbsnachteil, sagte Geschäftsführer Frank Baumann. Zuvor hatten Bund und Länder grünes Licht für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den beiden Bundesligen gegeben.

Baumann betonte, dass man bei Werder wegen der behördlichen Vorgaben bislang nur in Vierergruppen trainieren konnte. Ein früherer Start würde für die Bremer einen Wettbewerbsnachteil darstellen, da an anderen Standorten bereits seit Wochen in größeren Gruppen trainiert werde.

"Zur Gewöhnung an den Wettkampf nach rund zwei Monaten Wettkampfpause und zur Einschränkung eines Verletzungsrisikos bei den Spielern (...) werden wir uns dafür einsetzen, dass die Bundesliga am 23. Mai fortgesetzt wird", sagte Baumann vor der virtuellen Zusammenkunft der Bundesliga-Klubs am Donnerstag, wenn der Zeitplan für die Rest-Saison erstellt werden soll.

Thomas Röttgermann, Vorstandsvorsitzender bei Fortuna Düsseldorf, erklärte: "Bezüglich der morgen stattfindenden DFL-Versammlung erwarte ich nun auch die genaue Datierung des Neustarts und den genauen Spielplan. Es wird Zeit für klare Entschlüsse."

Alle Teams müssen in Quarantäne

Seifert dankte den politisch Verantwortlichen ausdrücklich für ihr Entgegenkommen.

"Spiele ohne Stadion-Zuschauer sind für niemanden eine ideale Lösung. Es ist in einer für einige Klubs existenzbedrohenden Krise allerdings die einzige Möglichkeit, den Fortbestand der Ligen in ihrer jetzigen Form zu bewahren", meinte der Liga-Boss: "Mein Dank gilt an diesem Tag den politischen Entscheidungsträgern aus Bund und Ländern für ihr Vertrauen."

Wegen der Corona-Krise war die aktuelle Spielzeit vor dem 26. Spieltag unterbrochen worden. Nun erteilte die Politik die Genehmigung, die restlichen neun Spielrunden der Bundesliga und 2. Bundesliga als Geisterspiele durchzuführen. Sie begründete dies mit der "Sonderstellung von Berufssportlerinnen und Berufssportlern".


Vor dem ersten Anpfiff müssen alle Teams mindestens sieben Tage in Quarantäne gewesen sein.

"Wir wissen auch, dass das Thema Bundesliga sehr kontrovers ist. Ich halte diesen Kompromiss für mehr als vertretbar", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. "Ich kann aber nur an eines appellieren: Ich weiß, dass die Verantwortlichen in den Bundesligavereinen alles tun werden, um Sicherheit zu erreichen. Aber es sollten auch die Spieler, die sich unvernünftig verhalten, auch mit Konsequenzen rechnen müssen."

Söder spricht Negativbeispiel Kalou an

Söder sprach explizit den Fall Salomon Kalou an. Der Angreifer von Hertha BSC hatte mit einem Video aus dem Kabinentrakt unfreiwillig aufgedeckt, dass es mit der Umsetzung des Hygienekonzepts der DFL zumindest in diesem einen Fall nicht zum Besten bestellt war.

"Das war in dieser Woche schon ein schweres Eigentor für das Bemühen um Hygienemaßnahmen, die alle treffen wollen. "Es haben sich nicht nur normale Menschen an alle Hygienemaßnahmen zu halten, sondern auch diejenigen, die sehr, sehr viel verdienen und ein Privileg haben."


Auch Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer, der das DFL-Konzept für den Neustart als Leiter der Taskforce entwickelt hat, sieht den weiteren Saisonablauf vornehmlich durch mögliches Fehlverhalten der Beteiligten gefährdet. "Es ist umso wichtiger, dass alle extreme Disziplin wahren", sagte Meyer bei SPORT1: "Wenn diese Disziplin nicht eingehalten wird, dann kann das beste Konzept ins Wanken geraten."

Bundesliga im Blickpunkt

Den Kampf um ihre Existenz, bei dem es um etwa 770 Millionen Euro, die Zukunft zahlreicher Vereine und 56.000 Arbeitsplätze geht, hat die Milliardenbranche Profifußball erst einmal gewonnen. 

Durch den Start im Mai wird die Bundesliga mit einem Schlag zum Weltmarktführer, da die anderen Topligen noch wesentlich weiter von einem Wiederbeginn (falls es den überhaupt geben wird) entfernt sind. Allerdings wird es ein Loslegen auf Bewährung sein.

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