Wie Bernie Ecclestone den ersten Schwarzen in die Formel 1 gebracht hat

Stefan Ehlen
motorsport.com

Die Formel 1 hat sich nach einem kontroversen Interview von Bernie Ecclestone distanziert und Kritik geübt an dessen Aussagen zur Rassismus-Debatte. Nun aber erhält Ecclestone Rückendeckung von einem Mann, der einst unter Ecclestone eine große Chance bekommen hatte: William "Willy" Theodore Ribbs. Das Besondere daran: Ribbs ist dunkelhäutig.

Ecclestone hatte den US-Amerikaner 1986 zu Formel-1-Testfahrten nach Estoril in Portugal eingeladen und ließ Ribbs dort für sein Brabham-Team fahren. So wurde Ribbs zum ersten dunkelhäutigen Fahrer in der Formel 1, allerdings ohne Renneinsatz.

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Bei 'CNN' erklärt Ribbs: "[Ecclestone] wollte mich im Auto haben, er wollte mich in die Formel 1 bringen. Damals aber hatte er Sponsoren aus Italien, die italienische Fahrer sehen wollten."

Ribbs hat "nur Respekt" übrig für Ecclestone

Tatsächlich steuerten mit Andrea de Cesaris, Stefano Modena und Riccardo Patrese in der Formel-1-Saison 1987 ausschließlich Italiener die Brabham-Boliden, die Ecclestone unter der Marke Motor Racing Developments einsetzte.

Estoril 1986: Willy Ribbs steuert als erster dunkelhäutiger Fahrer ein Formel-1-Auto

Estoril 1986: Willy Ribbs steuert als erster dunkelhäutiger Fahrer ein Formel-1-Auto <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Estoril 1986: Willy Ribbs steuert als erster dunkelhäutiger Fahrer ein Formel-1-Auto Motorsport Images

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Ribbs ist Ecclestone dennoch dankbar und sagt heute: "Mein Ziel war die Formel 1 und Bernie Ecclestone setzte ein Zeichen, weil Bernie Ecclestone den ersten Farbigen, einen Schwarzen, in ein Formel-1-Auto setzte."

Überhaupt habe er "nur Respekt" für Ecclestone übrig und halte ihn für einen sehr fähigen Geschäftsmann, so Ribbs weiter. "Ich weiß gar nicht, ob es ohne Bernie Ecclestone die Formel 1 noch gäbe."

Für Ribbs blieb der Formel-1-Test bei Brabham eine einmalige Angelegenheit. Geschichte schrieb er schließlich 1991 in seiner Heimat als erster afro-amerikanischer Teilnehmer im berühmten Indianapolis 500 der IndyCar-Serie. Er belegte Platz 32.

Wie sich Ecclestone rechtfertigt

Und Ecclestone? Er war noch bis Januar 2017 als Geschäftsführer der Formel 1 tätig und trug zuletzt den Titel "Ehrenvorsitzender". Mit seinen jüngsten Aussagen zum Thema Rassismus aber fiel Ecclestone bei der Rennserie in Ungnade.

In der 'Daily Mail' verteidigt sich der 89-Jährige und meint: "Ich habe nichts gegen Schwarze, ganz im Gegenteil. Ich habe über die Jahre viele Weiße getroffen, die ich nicht mochte, aber nie einen Schwarzen, den ich nicht mochte."

Er sei in seinem Leben "ein paar Mal" überfallen worden, "einmal von drei Schwarzen. Ich kam ins Krankenhaus, aber selbst danach hatte ich nie etwas gegen Schwarze. In meinen Augen ist Lewis [Hamilton] nicht schwarz oder sonstwas, sondern einfach nur Lewis."

Lewis Hamilton, Mercedes AMG, mit Bernie Ecclestone

Lewis Hamilton, Mercedes AMG, mit Bernie Ecclestone <span class="copyright">Alastair Staley / Motorsport Images</span>
Lewis Hamilton, Mercedes AMG, mit Bernie Ecclestone Alastair Staley / Motorsport Images

Alastair Staley / Motorsport Images

Ecclestone weiter: "Wenn ein Schwarzer oder ein Weißer bei einer Bewerbung abgelehnt werden, dann muss man nach dem Warum fragen. Lag es an der Hautfarbe oder daran, dass sie nicht geeignet waren für den Job?" Genau das habe er mit seinen ursprünglichen Kommentaren sagen wollen, so Ecclestone.

"Als ich meinen Führerschein verlor, hatte ich einen schwarzen Fahrer, aber nicht, weil er schwarz war, sondern weil es mir egal war, ob er schwarz war oder weiß. Jetzt aber ist es auf einmal in Mode, über Diversität zu sprechen."

"Es ist nicht meine Schuld, dass ich weiß bin – oder ein bisschen kleiner als viele andere."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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