Wie Besitzer und Star-Berater Valencia ins Chaos stürzen

Markus Bosch
Sport1

Dreieinhalb Monate nach der erfolgreichsten Saison seit 15 Jahren versinkt der FC Valencia im Chaos.

Am Mittwoch wurde Erfolgstrainer Marcelino entlassen, obwohl er das Team in den vergangenen beiden Jahren jeweils in die Champions League führte, obendrein noch den Pokal im vergangenen Jahr holte und mit vier Punkten aus drei Spielen einen ordentlichen Start hinlegte.


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Das Team reagierte geschockt auf die Entlassung des Trainers. "Wer auch immer diese Entscheidung gefällt hat, der hat nicht nur dich übergangen, er hat auch eine ganze Mannschaft und die Fans mit runtergezogen. Etwas, was ich laut und klar sagen will: Es ist nicht fair", reagierte Ezequiel Garay in den sozialen Medien wütend.

Team frustriert: "Alles schwer zu verstehen"

Mannschaftskollege Gabriel Paulista schrieb: "Wir sind Profis und müssen das Trikot weiter verteidigen, obwohl das alles schwer zu verstehen ist."

Doch das Aus von Marcelino, so seltsam es auch aussieht, war unumstößlich.

Einer der Gründe war seine Kritik an der Transferpolitik des Klubs im Sommer. Sportdirektor Mateo Alemany und Marcelino hatten die Barca-Profis Denis Suarez und Rafinha als potenzielle Neuzugänge ausgemacht.

Spielerberater Mendes mischt im Klub mit

Doch Besitzer Peter Lim, ein Milliardär aus Singapur, durchkreuzte die Pläne des sportlichen Führungsduos. Unter dem Einfluss des mächtigen Spielerberaters Jorge Mendes, der in Valencia zusätzlich als Berater des Besitzers agiert, wurden die Spieler nicht verpflichtet und gingen stattdessen zu Celta Vigo.

Mendes hatte zuvor bereits einige Spieler seiner Firma bei den "Blanquinegros" untergebracht – ohne damit großen Erfolg zu haben. Daher wollte Marcelino nicht mehr auf die Spieler des Beraters setzen, sondern äußerte eigene Wünsche.


Aber auch auf der Abgangsseite brachte der Klub seinen Erfolgstrainer auf die Palme. Lange Zeit schien der Abgang von Schlüsselspieler Rodrigo Moreno zu Atlético Madrid besiegelt – letztendlich blieb er aber doch noch.

Dennoch äußerte Marcelino, der sein Herz auf der Zunge trägt, deutliche Kritik am Vorgehen des Vereins. Als er auf Rodrigo angesprochen wurde, tobte er: "Ich weiß nichts, man redet nicht über alles mit mir.“ Man müsse „die Ziele ändern, wenn er geht. Man sieht ja, wie Sevilla oder Betis investieren. Die nächste Saison wird schwer."

Fans mit Shitstorm nach Marcelino-Aus

Besitzer Lim, sicherlich genervt von den Aussagen seines Trainers, missfiel dagegen Marcelinos mangelnde Bereitschaft auf die Talente des Klubs zu setzen. So soll er die Transfers von Rafinha und Suarez abgelehnt haben, weil das Duo zwei Nachwuchsspieler ausgebremst hätte. Das berichten mehrere spanische Medien.

All diese Faktoren führten schlussendlich zur Entlassung von Marcelino, die auch von den Valencia-Fans mit einem Shitstorm auf den Vereinsseiten in den sozialen Medien quittiert wurde. Ein Nachfolger hat das Duo Lim / Mendes bereits gefunden. Denn am Wochenende steht das Duell mit dem FC Barcelona an, die ebenfalls mit vier Punkten in die Saison gestartet sind.


Dort hat erstmals Albert Celades das Ruder in der Hand. Der achte Trainer unter Lim, der Valencia 2014 vor dem Bankrott rettete, ist ein unbeschriebenes Blatt. Seine größte Trainer-Erfahrung auf Spitzenniveau sammelte er als Co-Trainer unter Julen Lopetegui beim Kurz-Engagement bei Real Madrid und als Trainer der spanischen U21.

Celades mit enger Verbindung zu Mendes

Seine Verbindungen zu Strippenzieher Mendes sind relativ leicht nachzuweisen. So ist Celades‘ Berater ein Mitarbeiter des portugiesischen Star-Beraters und sein enger Freund Lopetegui wird direkt von Mendes beraten.

Kurzum: Er wird Lim und insbesondere Mendes wohl kaum widersprechen, wenn diese neue Spieler für das Team vorschlagen. Daher kam seine Inthronisierung auch nicht überall gut an.


Valencia-Legende Santiago Canizares wetterte bei Radio Marca in Richtung Celades: "Sobald einer die Chance bekommt, bei einem Erstligisten zu unterschreiben, verliert er jedes Konzept von Ethik und Moral."

So scheint es, wie wenn Marcelino seinen Rauswurf auch ein Stück weit provoziert hatte, um nicht weiter als Marionette des Investors und seines Schattenmannes Mendes agieren zu müssen.

Der Erfolg wird sich mit Marcelinos Abgang wohl gleich mit verabschieden.

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