Mit besten Grüßen nach Paris, Dortmund und München

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Mit besten Grüßen nach Paris, Dortmund und München

Das Jahr 2021 hatte gerade erst begonnen, als Frank Lampard unter Druck mit deutlichen Aussagen auffiel: "Wir sind nicht auf einem Level mit Manchester City und Liverpool. Und wir sind auch nicht mit den Abramowitsch-Teams auf einem Niveau, welche die Titel geholt haben." Tenor: Er habe einfach kein Team, mit dem sich Titel gewinnen lassen. 

Drei Wochen später musste die Chelsea-Legende ihren Platz auf dem Trainerstuhl der Blues räumen und Thomas Tuchel kam nach London. Knapp fünf Monate später hat der FC Chelsea nun doch einen Titel gewonnen - und das ist mit dem Henkelpott auch noch der wichtigste und am meisten mit Prestige behaftete. Der bezwungene Finalgegner: Manchester City. 

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Tuchel hat Chelsea in kurzer Zeit von einem taumelnden Klub mit vielen jungen und talentierten Spielern in einen Champions-League-Sieger und FA-Cup-Finalisten verwandelt, der sich nach fast aussichtsloser Lage auch noch unter die Top 4 der Premier League geschummelt hat. 

Tuchel hat nicht nur Lampard gezeigt, was in diesem Team steckt, sondern der ganzen Fußball-Welt. Und er hat gezeigt, in welcher beeindruckenden Art und Weise er eine Mannschaft besser machen kann. Besonders deutlich dürfte diese Message in München, Dortmund und Paris angekommen sein.

Weint sogar Leonardo Tuchel nach?

Paris Saint-Germain scheiterte in der Königsklasse im Halbfinale an Manchester City. Für die Franzosen erfüllte sich damit auch in diesem Jahr nicht der ersehnte Traum vom Henkelpott.

In der vergangenen Spielzeit war PSG so nah dran gewesen wie nie zuvor. Erst im Finale musste sich das Team aus der französischen Hauptstadt dem FC Bayern geschlagen geben. Trainer damals war Tuchel, der sich ein Jahr später also doch Europas Krone aufsetzte - ganz ohne das Starensemble um Neymar und Kylian Mbappé. 

In Paris war Tuchel rund um den Heiligabend des letzten Jahres entlassen worden. Zuvor hatte er immer wieder erwähnt, dass er nicht glaube, dass sich der erfolgreiche Weg ins CL-Finale aus dem Vorjahr mit diesem Kader - bei den besonderen Belastungen des Spielplans - wiederholen ließe. 

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Sportdirektor Leonardo gefiel diese Kritik überhaupt nicht - und letztlich war sie wohl einer von Tuchels Sargnägeln. Nach der Trennung hat PSG allerdings nicht nur den CL-Titel verpasst, sondern sogar die französische Meisterschaft.

Gut möglich, dass sogar Leonardo dem 47-Jährigen derzeit die ein oder andere Träne hinterherweint. Und das trotz eines damals sehr angespannten Verhältnisses und häufigen Streitereien. Am Ende zählen immerhin Erfolge - vor allem für die Investoren aus Katar, die schon vor vielen Jahren das große Ziel Königsklassengewinn ausgerufen haben. 

Muss Watzke sich hinterfragen?

Vor seinem Engagement in Paris war Tuchel in Dortmund beschäftigt. Auch dort war er praktisch in Ungnade gefallen. Auch bei der Borussia erfolgte die Trennung, obwohl es sportlich alles andere als schlecht lief. Er ging mit einem Titel in der Hand, dem DFB-Pokal. 

Einen "schwierigen Menschen" nannte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke Tuchel nach der Trennung im Frühsommer 2017. Er hatte den damaligen BVB-Coach auch schon während dessen Amtszeit immer mal wieder öffentlich kritisiert. "Es heißt ja immer, man soll vor seiner eigenen Tür kehren. Aber ich sehe da bis heute nicht den großen Fehler", erklärte Watzke trotzdem im Podcast mit Sandra Maischberger. Es habe "einfach nicht gepasst". 

Nach dem jüngsten CL-Finale klang er schon versöhnlicher. "Ich habe mich für ihn (Tuchel, Anm. d. Red.) und auch für Christian Pulisic sehr gefreut", erklärte er jedenfalls am Sonntag bei SPORT1: "Es ist etwas Außergewöhnliches, die Champions League zu gewinnen. Das haben sich beide durch ihre Arbeit absolut verdient."

Besonders erfreut zeigte sich der 61-Jährige, weil mit "Thomas Tuchel zum dritten Mal in Folge ein deutscher Trainer die Königsklasse gewonnen hat. Zwei dieser Trainer haben im Übrigen ihren ersten Titel mit dem BVB geholt."

Fragt sich, ob Watzke und Co. nicht doch ein wenig vor der eigenen Haustüre kehren müssen und es vielleicht doch nicht nur an Tuchel lag, dass es "nicht gepasst" hat.

So oder so: Tuchel hat in den letzten Monaten gezeigt, dass er sich anpassen kann. Er ist bei den Spielern beliebt und gibt ihnen das, was sie brauchen. Das war auch während des Endspiels zu sehen. Er zeigte sich emotional, präsent und fast schon ungeahnt feurig. Nach dem Finale bekamen die Fußball-Fans sogar den Familienmenschen Tuchel zu Gesicht. 

Tuchel hat es allen bewiesen

Grüße dürften mit dem Henkelpott in der Hand auch nach München gehen. Dort hat Tuchel zwar nicht als Trainer gearbeitet, allerdings war er vor dem Engagement von Niko Kovac im Gespräch gewesen. 

Uli Hoeneß, der heutige Ehrenpräsident des FC Bayern, fiel damals mit Aussagen in Richtung Tuchel auf, die alles andere als wertschätzend klangen.

"Ich muss ganz ehrlich sagen: Allen Unkenrufen und Schlaumeiern zum Trotz, die uns einen Thomas Tuchel oder wen auch immer als Wunschtrainer einreden wollten: Ich bin mit der Entscheidung des FC Bayern München, Niko Kovac als neuen Trainer zu haben, der glücklichste Mensch der Welt. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit ihm einen Trainer haben, mit dem wir sehr viel Spaß haben werden", sagte Hoeneß im Interview mit der Münchner Abendzeitung

Einen "Tuchel einreden", nett ist das nicht. Lob oder Wertschätzung an den gebürtigen Schwaben gab es aus der bayerischen Hauptstadt fast nie. Auch nach Tuchels größtem Triumph ist es ruhig. 

Die Genugtuung für Tuchel ist dafür noch stärker. Er hat es allen bewiesen - auch den Leonardos in Paris, den Watzkes in Dortmund und den Hoeneß' in München. 

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