Bloombergs bizarre Twitter-Strategie: Fleischklops, Lady Gaga und wilde Tiere

Moritz PiehlerFreier Autor
US-Präsidentschaftskandidat Mike Bloomberg muss noch kräftig die Werbetrommel rühren, wenn er echte Chancen auf ein Duell mit Donald Trump haben will. Aktuell versucht er das mit einer seltsamen Social-Media-Strategie. (Bild: Reuters/Chris Aluka Berry)
US-Präsidentschaftskandidat Mike Bloomberg muss noch kräftig die Werbetrommel rühren, wenn er echte Chancen auf ein Duell mit Donald Trump haben will. Aktuell versucht er das mit einer seltsamen Social-Media-Strategie. (Bild: Reuters/Chris Aluka Berry)

Am Geheimnis einer viralen Kampagne sind schon viele gescheitert. Das Team des US-Präsidentschaftskandidaten Mike Bloomberg versuchte es jetzt auf besonders absurde Art während der TV-Debatte der Demokraten mit einer ganzen Reiher alberner Tweets.

Der Multimilliardär Mike Bloomberg ist als Späteinsteiger in das ohnehin ziemlich unübersichtliche Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber eingestiegen. Da muss der ehemalige Bürgermeister von New York sich schon einiges einfallen lassen, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Spitzenreiter Joe Biden und Bernie Sanders noch ernsthaft in die Bredouille zu bringen. Bloomberg selbst war von der TV-Debatte ausgeschlossen, weil er seinen Wahlkampf ausschließlich aus seinen eigenen Mitteln finanziert. Momentan liegt er in den meisten Umfragen mit etwa 6 Prozent der Stimmen weit abgeschlagen auf dem fünften Rang.

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Sein Social-Media-Team hatte es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, Aufmerksamkeit um jeden Preis herzustellen und legte während der TV-Debatte los wie die Feuerwehr, um eine jüngere Zielgruppe für ihren Kandidaten zu begeistern. Wie meistens in solchen Fällen war das Resultat, nun ja, eher bizarr zu nennen. Der absurdeste Tweet von Dutzenden war eine Fotomontage von Bloombergs Gesicht auf einem Fleischbällchen. Dazu die Aufforderung an die User: “Sucht den Fleischklops, der wie Mike aussucht.”

Zwar erreichte der Post fast 3000 Kommentare, die meisten davon allerdings waren entweder schlicht entgeistert oder negativ. Doch damit nicht genug. Das Social-Media-Team Bloombergs versuchte sich im Verlauf der TV-Debatte noch an zahlreichen weiteren albernen Posts. “Umfragezeit! Welches wilde Tier wäre am witzigsten, wenn es ohne Warnung auf die Bühne der Debatte losgelassen würde?” fragte das “Team Bloomberg” zum Beispiel. Dazu wollten die viralen Experten noch wissen, welcher Körperteil sich am besten für ein “Bloomberg 2020” Tattoo eignen würde. (Spoiler: Es ist die Stirn mit deutlichem Vorsprung vor dem klassischen “Arschgeweih”.)

Omelett-Bar im Situation Room und Duett mit Lady Gaga

Es folgten weitere Umfragen sowie diverse Witze über Bloombergs Reichtum und erfundene Fakten im Stil der Chuck-Norris-Witze. Bloomberg könne telepathisch mit Delfinen kommunizieren, hieß es da beispielsweise. Außerdem habe er nach seiner Karriere als Bürgermeister in der angeblichen deutschen TV-Serie “Arzt Einrichtung Stadt” als “Doktor Jürgen Shenk” mitgespielt. Und auch noch den Umlaut aus “Jürgen” behalten dürfen.

Auch lustige Versprechen im Falle seiner Wahl hatte das Team in petto. Bloomberg werde als Präsident niemals twittern. Dafür sei eine “aggressive Anzahl” an Tiktoks zu erwarten. Außerdem würde er bei der Amtseinführung statt einer Antrittsrede den Song “Shallow” mit Lady Gaga im Duett singen. Absurde Vorschläge für die Umgestaltung des Weißen Hauses gab es auch in Form einer weiteren Umfrage.

Wenig überraschend fragten sich die User, ob der Kandidat womöglich gehackt worden sei. Beispielsweise von der Satire-Seite “The Onion”. Doch der Witzereigen scheint Strategie gewesen zu sein. Ein Sprecher der Bloomberg-Kampagne bestätigte: “Wir wurden nicht gehackt. Das Bloomberg-2020-Team hat einfach nur ein bisschen Spaß heute Abend.” Das war offensichtlich der Fall, denn am Ende hatten die Social-Media-Experten über 50 Tweets innerhalb von nicht einmal drei Stunden abgesetzt. Zahlen, auf die sonst nur ein aufgebrachter Donald Trump kommt.

Immerhin endete die Twitter-Bombardierung gegen Ende der TV-Debatte mit einem Hinweis auf die echte Motivation Bloombergs für seine Kandidatur. “Jetzt da mein Team Ihre Aufmerksamkeit hat, denke ich, dass es wichtig ist, dass Sie sehen, was Donald Trump heute zu seinen Wählern in Wisconsin gesagt hat”, schrieb Bloomberg auf seinem eigenen Account. Darunter postete er ein Video, in dem Trump an seinen Wahlsieg an gleicher Stelle in dem “Swing-State” erinnerte.

Umkämpfte Bundesstaaten wie Wisconsin würden auch bei der Wahl im Jahr 2020 entscheidend sein, so Bloomberg. Um zu versichern, dass er es diesmal ernst meinte, fügte der Ex-Bürgermeister hinzu.”Das ist kein Witz.”

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