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Der Handball-Macher hinterlässt Erfolg und Scherben

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Der Handball-Macher hinterlässt Erfolg und Scherben
Der Handball-Macher hinterlässt Erfolg und Scherben

Der deutsche Handball verliert eines seiner bekanntesten Gesichter: Am heutigen Sonntag tritt DHB-Vizepräsident Bob Hanning ab.

Acht Jahre hat der streitbare Macher im Deutschen Handballbund für viel Reibung gesorgt und nicht nur mit seinen extravaganten Pullovern die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Auch seinen Abgang vollzieht der 53-Jährige nicht im Stillen, sondern mit einigem Theaterdonner begleitet.

Quasi parallel zum heutigen DHB-Bundestag erschien am Freitag ein Buch Hannings. Schon dessen doppeldeutiger Titel „Hanning. Macht. Handball.“ dürfte seine Kritiker genauso provozieren wie das Coverbild, das ihn auf einem Thron zeigt.

Hanning ist‘s egal. Er ist mit sich im Reinen, sagt er.

Hanning geht „mit einem Lächeln“

Er gehe, betonte der 53-Jährige unter der Woche im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SID, „mit einem Lächeln im Gesicht. Ich bin mit dem, was sich in all den Jahren getan hat, sehr zufrieden. Aber ich bin ehrlich gesagt auch froh, dass diese Episode nun zu Ende geht. Es waren acht intensive Jahre, die viel Kraft gekostet haben.“

Zu der Intensität trug Hannings Hang bei, Konflikte zu suchen und auch öffentlich auszutragen.

Sei es der Streit mit dem damaligen DHB-Präsidenten Bernhard Bauer 2015 („Die Schlammschlacht hätte ich ihm und dem Verband gerne erspart“) oder das unrühmliche Ende mit Christian Prokop, dem von ihm durchgesetzten Bundestrainer, im Frühjahr 2020 („Nehme das auf meine Kappe“).

Und dann wäre da noch der Zwist mit Ikone Heiner Brand, den Hanning in seinem Buch auch noch einmal offenherzig ausleuchtet.

Ärger zwischen Brand und Hanning

1997 holte der frühere Bundestrainer Hanning aus Solingen zum DHB, wo er bis zu den Olympischen Spielen 2000 Brands Assistent war.

2013 kehrte Hanning schließlich als Vizepräsident zurück und zog sich mit seiner Arbeitsweise Brands Unmut zu. Der Weltmeister-Trainer von 2007 warf Hanning eine „narzisstische Persönlichkeitsausprägung“ und einiges mehr vor. „Unter mir könne er nicht arbeiten“, sagte Hanning der Bild über Brand. Das tat er fortan auch nicht mehr. Brand war raus.

Nun rechnet Hanning noch einmal ab. „Und so gab ich mir am Totenbett meiner Mutter Layla das Versprechen: Ich werde nicht auf seine Beerdigung gehen. Auf persönlicher Ebene ist Heiner Brand im August 2015 für mich zusammen mit meiner Mutter gestorben“, schreibt Hanning.

DHB-Team fährt unter Hanning schnell Erfolge ein

„Ich bin Konflikten nie aus dem Weg gegangen, wenn ich sie für angemessen gehalten habe“ hatte Hanning schon nach Olympia im Sommer im SPORT1-Interview resümiert.

An dieser Sicht hat sich nichts geändert: „Wenn man Verantwortung übernimmt, kann man es nicht immer jedem recht machen“, sagt er. Für ihn habe nie „das Erlebnis, sondern stets das Ergebnis“ gezählt.

Sportlich kann Hanning auf sehr gute Ergebnisse zurückblicken: Mit dem sensationellen EM-Triumph von Polen 2016 und Olympia-Bronze im selben Jahr in Rio katapultierte Hanning die Nationalmannschaft zusammen mit Coach Dagur Sigurdsson in lange nicht gekannte Sphären.

In den letzten Turnieren scheiterte der DHB allerdings an den angepeilten Zielen - teils krachend, wie bei der WM in Ägypten mit einem schwachen 12. Platz.

„Ich glaube, dass noch mehr möglich gewesen wäre“, sagte Hanning dazu SPORT1: „Vielleicht hatten wir alle zu schnell zu viel Erfolg. Dies verklärt manchmal den Blick.“

Sportlich steht das DHB-Team mit Trainer Alfred Gislason nun nach der jüngsten Rücktrittswelle innerhalb der Mannschaft vor einer unklaren Zukunft. Für Hanning zählt jedoch vor allem das Gesamtwerk, „dass wir eine neue professionelle Struktur und eine ganz neue Kultur in diesen Verband implementiert haben“.

Der Verband sei „ausvermarktet“ und stehe mit vielen Heim-Turnieren (Junioren-WM 2023, Männer-EM 2024, Frauen-WM 2025 und Männer-WM 2027) vor einer glänzenden Zukunft.

Hanning wird dem DHB fehlen

Ganz ohne Hanning wird diese Zukunft nicht stattfinden.

Als Geschäftsführer der Füchse Berlin (die Doppelrolle bei Verein und Verband war auch ein ewiger Kritikpunkt) und glühender Nationalmannschaftsfan werde er sich weiterhin einmischen, verspricht er: „Man wird mich punktuell hören. Da, wo es wichtig ist. Und vielleicht auch mal da, wo es wehtut.“

Als sein Nachfolger beim DHB steht Jörg Föste vom Bergischen HC bereit. Dass er genauso schillern wird, ist nicht anzunehmen.

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