Boxen: Klitschko vs. Joshua: 5 Fragen zum Kampf des Jahres

Am 29. April kommt es im Wembley Stadium zum Showdown der Generationen zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua (Sa., 22.45 Uhr im LIVETICKER ). Vor einer Rekordkulisse von 90.000 Zuschauern prallen im Ring zwei Welten aufeinander. Auf dem Spiel steht weit mehr als die Gürtel der WBO, IBF und IBO im Schwergewicht - vor allem für Dr. Steelhammer. SPOX beantwortet im Vorfeld fünf zentrale Fragen zum Kampf des Jahres.

Am 29. April kommt es im Wembley Stadium zum Showdown der Generationen zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua (Sa., 22.45 Uhr im LIVETICKER). Vor einer Rekordkulisse von 90.000 Zuschauern prallen im Ring zwei Welten aufeinander. Auf dem Spiel steht weit mehr als die Gürtel der WBO, IBF und IBO im Schwergewicht - vor allem für Dr. Steelhammer. SPOX beantwortet im Vorfeld fünf zentrale Fragen zum Kampf des Jahres.

Frage 1: Was steht überhaupt an?

Was steht überhaupt an?

Der größte Kampf des Jahres! Im Wembley Stadium findet am 29. April zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua ein mit Spannung erwartetes Duell der Generationen statt, das in allen Belangen ein Event der Superlative wird.

Die zunächst 80.000 Tickets für den Kampf im Schwergewicht waren nach weniger als einer Stunde vergriffen, eine Erhöhung der Zuschauerzahl auf 90.000 die Folge.

Das Aufeinandertreffen in London wird somit den britischen Rekord der Nachkriegszeit des Kampfes zwischen Carl Froch und George Groves, bei dem vor drei Jahren 80.000 Besucher anwesend waren, knacken und zugleich mit dem Duell aus dem Jahr 1939 zwischen Len Harvey und Jock McAvoy gleichziehen. Dieses fand jedoch im White City Stadium statt. Einen Weltrekord verpassen beide aber, da 1993 rund 132.000 Fans zum Schlagabtausch zwischen dem Mexikaner Julio Cesar Chavez und dem US-Amerikaner Greg Haugen nach Mexiko-City gepilgerten waren.

Neben den Zuschauern vor Ort werden weltweit Millionen Fans den Kampf in der Arena im Londoner Bezirk Brent, deren Faszination weit über die Welt des Boxsports hinausreicht, gebannt vor Fernsehbildschirmen verfolgen. Nach Schätzungen soll der Fight rund 50 Millionen Euro erlösen.

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Das Duell zwischen Klitschko und Joshua bleibt also klar hinter dem als "Kampf des Jahrhunderts" titulierten Fight zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao zurück. Die beiden Weltergewichtler hatten bei ihrem Duell im Mai 2015 für einen Rekord-Umsatz von rund 465 Millionen Euro gesorgt.

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"Das ist der größte Schwergewichtskampf seit Mike Tyson gegen Lennox Lewis 2002", erklärte Joshua-Promoter Eddy Hearn angesichts der beeindruckenden Rahmenbedingungen, aber auch im Bezug auf die sportliche Relevanz. Klitschko schlug im Vorfeld in diese Kerbe: "Ihr wolltet einen Mega-Fight, ihr bekommt ihn", sagte der Ukrainer nach der Verkündung im Dezember 2015.

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Frage 2: Wie ist die Ausgangslage für beide Boxer?

Wie ist die Ausgangslage für beide Boxer?

Beide Kontrahenten gehen mit denkbar unterschiedlichen Voraussetzungen in das Duell. Während Klitschko noch immer die bittere Niederlage gegen den Briten Tyson Fury nachhängt, die der Ukrainer im November des Jahres 2015 hinnehmen musste und bei der er seine Titel der WBA, WBO, IBF sowie IBO verlor, steigt Joshua mit einer perfekten Statistik von 18 Siegen in 18 Kämpfen in den Ring. Neben der makellosen Bilanz kann der 27-Jährige 18 Knockouts vorweisen.

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Entsprechend ungewohnte Worte wählte Klitschko im Vorfeld. "Ich bin der Underdog in diesem Kampf und das ist tatsächlich spannend für mich. "Wenngleich sich der mittlerweile 41-Jährige bei der Aussage ein leichtes Lächeln nicht verkneifen konnte. "Ich bin lange nicht mehr in dieser Situation gewesen. Ich fühle mich jung und herausgefordert. Ich liebe es."

Inwiefern der Ex-Champion, für den es der 69. Kampf (64. Siege, 53 Knockouts) als Profi sein wird, an seine Aussage glaubt, sei dahingestellt, der Außenseiter ist er gegen den unerfahrenen Joshua trotz schlechterer Quoten bei den Buchmachern allerdings auf keinen Fall. Zudem weiß er, was ihn erwartet. Vor seinem Kampf gegen Kubrat Pulev hatte er Joshua bereits als Sparringspartner in seinem Camp.

Auf physischer Ebene begegnen sich die Kontrahenten jedenfalls komplett auf Augenhöhe. Beide Boxer kommen bei einer Körpergröße von 198 Zentimetern auf eine Reichweite von 206 Zentimeter, sind bis in die letzte Faser austrainiert und boxen in der für Rechtshänder typischen Linksauslage.

"Wir sehen sehr ähnlich aus, was die Größe angeht. Die Armlänge ist exakt gleich. Über die Schlaghärte brauchen wir nicht erst reden. Es gibt jede Menge Ähnlichkeiten vom Trainingscamp bis zur Ernährung", erklärte Klitschko, der sich bei Joshua an eine "junge Version" und somit auf gewisse Weise an eine Kopie von sich selbst erinnert fühlt. Auch die Tatsache, dass beide als Amateur Gold bei Olympischen Spielen gewinnen konnten, unterstreicht die Parallelen.

Große Unterschiede existieren hingegen in den Bereichen Erfahrung und Alter. Während Klitschko in seiner langen Karriere 68 Kämpfe als Profi hinter sich hat, dabei 358 Runden im Ring stand und auch mit Rückschlägen umgehen musste, sind es bei Joshua gerade einmal 44 Runden.

Im Gegenzug ist der Brite 14 Jahre jünger und hat deshalb bei der Athletik Vorteile. Bei den boxerischen Fähigkeiten kann er Klitschko zwar noch nicht das Wasser reichen, allerdings müssen diese nicht zwangsläufig über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Frage 3: Was steht für beide Kontrahenten auf dem Spiel?

Was steht für beide Kontrahenten auf dem Spiel?

Joshua bringt alles mit, um im Schwergewicht die Zukunft des Boxsports zu sein. Viele sehen im jungen Briten gar den nächsten Mike Tyson.

Die große Frage lautet jedoch: Ist er auch bereits die Gegenwart? Wäre dies der Fall, dann wäre Klitschko nach dem 29. April zwangsläufig die Vergangenheit.

Um nichts anderes geht es letztlich. Zwar stehen auch die vakanten Gürtel der WBA und IBO sowie das Gold der IBF, dessen Weltmeister Joshua aktuell ist, auf dem Spiel, die Titel verkommen vor dem Hintergrund aber zur Nebensache.

Beide Boxer befinden sich ferner an gänzlich unterschiedlichen Punkten ihrer Karrieren und stehen vor einem richtungsweisenden Kampf. Sollte Klitschko verlieren, könnte es der letzte Ritt des 41-Jährigen gewesen sein. Dies unterstrich auch Bruder Vitali gegenüber Sky: "Wladimir hat keine zweite Chance." Promoter-Legende Don King betonte zwar zuletzt, dass Klitschko auch im Fall einer Niederlage besser als die Mehrheit der Boxer im Schwergewicht sei, eine Fortsetzung der Karriere wäre dennoch unrealistisch.

Für Klitschko, der nahezu alles erreicht hat, zählt nur noch das Maximum.

"Dieser Kampf ist alles für mich. Es wird definitiv eine spezielle Nacht", unterstrich der Veteran. "Ich bin besessen vom Ziel, den Ring als Sieger zu verlassen. Natürlich geht es um viele Titel, aber am Ende des Tages ist es für mich vor allem wichtig, zu beweisen, dass ich der Beste im Schwergewicht bin." Deshalb denke er an "nichts anderes als an den 29. April und mein Ziel, nicht einmal an meine Familie und meine Tochter, die ich sehr liebe".

Falls Dr. Steelhammer sein Ziel erreichen sollte, wäre er nach Muhammad Ali (3), Lennox Lewis (3), Evander Holyfield (4) und Bruder Vitali (3) zudem erst der fünfte Boxer, der zum dritten Mal Schwergewichts-Weltmeister werden würde. Es wäre die Rückkehr des Königs und ein weiteres Kapitel eines großen Vermächtnisses.

Joshua hingegen wird noch einiges erreichen - ungeachtet vom Ergebnis.

Der kommende Superstar kann eine Ära prägen. Eine Niederlage wäre nicht das Ende, sondern eine Lektion. Dennoch wird er alles tun, sich diese zu ersparen.

Ein Sieg wäre zudem der nächste Schub auf dem Weg nach oben. "Hier stehen zwei Männer am Scheideweg", erklärte Joshua der Sport Bild. "Ich kann mit einem Sieg eine neue Ära beginnen. Ich kann ihn zur Seite stoßen und meinen Weg zum Thron ebnen." Der Fight kommt deshalb für beide Seiten zur richtigen Zeit.

Frage 4: Wer hat den Vorteil auf seiner Seite?

Wer hat den Vorteil auf seiner Seite?

Wirklich abschätzen lässt sich der Ausgang eines Boxkampfes nur selten. Zu viel kann passieren, ein einzelner Treffer vor allem im Schwergewicht alles verändern.

Dennoch gibt es auch immer wieder Duelle, bei denen ein Boxer zumindest im Vorfeld ganz klar als Favorit in den Ring steigt. Klitschko dürfte dieses Gefühl dank seiner Dominanz kennen, auch Joshua musste noch nie in der Underdog-Rolle ran.

Wenn es in London zur Sache geht, wird es allerdings schwierig. Ein Sieg von Joshua wäre keine Sensation, wie es der Erfolg von Landsmann Fury war. Ebenso würde ein Triumph Klitschkos niemanden überraschen.

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Entscheidend für den Ausgang werden nämlich vorwiegend Faktoren sein, die im Vorfeld zwar benannt, aber kaum abschließend bewertet werden können.

Ist das Heimspiel für Joshua wirklich ein Vorteil? Oder sorgt ein Blick beim Einmarsch in das weite Rund auf 90.000 frenetische Fans, die den Lokalmatadoren lautstark anfeuern werden, für einen so großen Druck, dass die Konzentration auf das Wesentliche leidet? Wie geht der Brite, der als Knockout-Maschine nie lange im Ring stehen musste, damit um, wenn Klitschko seinen Ansturm schadlos übersteht und der Kampf über die volle Distanz geht? Wird die enorme Muskelmasse, die Joshua nochmals aufgebaut hat, zum Boomerang? Alles Fragen, die zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu beantworten sind.

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Beim ehemaligen Champion aus der Ukraine sieht es nicht anders aus. Kann Klitschko seine Vorzüge und seine boxerischen Fähigkeiten auch ausspielen, Joshua durch seine Erfahrung besser ausgucken und entsprechend Lösungen finden, um sich einen Vorteil zu erarbeiten? Oder wird er von der Power und Geschwindigkeit seines Gegenübers trotz akribischer Vorbereitung überrascht und aus dem Konzept gebracht? Kommt Coach Johnathon Banks diesmal an ihn heran? War der Kampf gegen Fury doch ein Indikator für abnehmende Leistungsfähigkeit, wie es ab einem gewissen Alter kaum zu vermeiden ist?

Antworten müssen beide Kämpfer im Hexenkessel Wembley liefern.

Frage 5: Welche Bedeutung hat der Kampf für den Boxsport?

Welche Bedeutung hat der Kampf für den Boxsport?

Nicht nur für die Boxer ist der Fight in Wembley eine große Sache. Nahezu die gesamte Sportwelt richtet ihre Augen auf den Showdown der Generationen.

Hinzu kommt, dass das letzte Jahr für den Boxsport und speziell das Schwergewicht kein leichtes war. Dennoch ist selbiges bei der breiten Masse noch immer das Aushängeschild der gesamten Sportart. Egal, wie technisch hochwertig, spannend und mitreißend Kämpfe in teilweise niedrigeren Gewichtsklassen sein mögen, viele Sportfans sind vor allem am Schwergewicht interessiert.

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Bei Klitschko-Fights gab es immer wieder Kritik am Stil des Ukrainers, wenngleich der Erfolg ihm Recht gab. Nach verheerenden Knockout-Niederlagen hatte es Klitschko vor allem der inzwischen verstorbenen Trainer-Legende Emanuel Steward zu verdanken, dass er nach einer Umstellung hin zu mehr Sicherheit sowie meist massiven physischen Vorteilen eine beeindruckende Dominanz an den Tag legen konnte.

Die Paarung mit einem aggressiven und körperlich ebenbürtigen Joshua lässt deshalb viele Fans, gerade die, die der taktischen Art nicht sonderlich viel abgewinnen können und nur zu den großen Schwergewichtskämpfen einen Blick riskieren, hoffen. Joshua steht für eine andere Art, Kämpfe zu gestalten, elektrisiert durch Knockouts. Der Kampf ist eine große Chance für den Sport.

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