Boxen: Klitschko vs. Joshua: Einen neuen König braucht das Land

Am Samstag (22.45 Uhr im LIVETICKER ) trifft Wladimir Klitschko (64-4) im Showdown der Generationen in London auf den ungeschlagenen Anthony Joshua (18-0). Auf dem Spiel stehen vor 90.000 Fans im ausverkauften Wembley Stadium die Schwergewichtsgürtel der WBA, IBF sowie IBO - und mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Karriere von Dr. Steelhammer. SPOX hat beide Duellanten vor dem Kampf des Jahres auf Herz und Nieren geprüft. Das Head-to-Head.

Am Samstag (22.45 Uhr im LIVETICKER) trifft Wladimir Klitschko (64-4) im Showdown der Generationen in London auf den ungeschlagenen Anthony Joshua (18-0). Auf dem Spiel stehen vor 90.000 Fans im ausverkauften Wembley Stadium die Schwergewichtsgürtel der WBA, IBF sowie IBO- und mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Karriere von Dr. Steelhammer. SPOX hat beide Duellanten vor dem Kampf des Jahres auf Herz und Nieren geprüft. Das Head-to-Head.

Seite 1: Vorbereitung bis Kinn

Vorbereitung

Am 28. November 2015 bestritt Wladimir Klitschko seinen letzten Kampf. Wenn sich der ehemalige Weltmeister im Schwergewicht am 29. April im Londoner Wembley Stadium seinen Weg zum Ring bahnen wird, dann liegen 519 Tage ohne Wettbewerb hinter dem inzwischen 41-Jährigen. Eine Zeit, die an keinem Boxer spurlos vorbei geht. Umso wichtiger war für den Ukrainer deshalb die übliche Vorbereitung. Diese verlief äußerst ruhig.

Während Anthony Joshua via Social Media täglich die unterschiedlichsten Wasserstandsmeldungen und Videos an die Öffentlichkeit beförderte und zudem in der britischen Presse omnipräsent war, ließ es Klitschko weniger dramatisch angehen und setzte auf Altbewährtes. Nach einem langen Aufenthalt in Kiew ging es in der Folge wie gewohnt in das Bio- und Wellnesshotel Stanglwirt in Österreich. Dass Klitschko dort erneut beste Bedingungen vorfand, ist hinlänglich bekannt.

Zusammen mit seinem Trainer Johnathon Banks bereitete sich der Ukrainer auf den vielleicht letzten Kampf seiner großen Karriere vor - und das mit nur einem Ziel vor Augen: "Ich bin besessen davon, wieder Champion zu werden", erklärte Klitschko, dem sich gegen Joshua aber vor allem die Chance bietet, die Schmach der desaströsen Niederlage gegen Tyson Fury zumindest etwas verblassen zu lassen. Er sei offiziell der Underdog, schilderte Klitschko, schob allerdings direkt nach: "Ich bin lange nicht mehr in dieser Situation gewesen. Ich fühle mich jung und herausgefordert. Ich liebe es."

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Auf der Gegenseite schickte Trainer Robert McCracken, der Joshua bereits im Jahr 2012 zu Gold bei den Olympischen Spielen in London geführt hatte, seinen Schützling im 98 Tage andauernden Trainingscamp unter anderem mit Frazer Clarke und Joe Joyce zum Sparring in den Ring. Beide sind Teil des Kaders von Großbritannien. Insgesamt absolvierte der Youngster 660 Runden. Hinzu kamen Ausdauereinheiten unter Aufsicht von Fitness-Coach Jamie Reynolds sowie ein Fokus auf die Beinarbeit mit Sunny Edwards im English Institute of Sport in Sheffield. Dem größten Multisport-Komplex der Insel, der von der Ausstattung einem Sportler alles bietet. Viereinhalb Stunden schuftete Joshua pro Tag.

Beide Boxer wurden somit in den vergangenen Wochen und Monaten von ihrem jeweiligen Team nahezu perfekt eingestellt. Jede Einheit, jede Mahlzeit und auch der Schlafrhythmus wurden in einen exakt ausgearbeiteten Plan eingebettet, der auf den Leistungshöhepunkt am 29. April ausgelegt ist.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Erfahrung

Stolze 68 Kämpfe und insgesamt 358 Runden hat Klitschko als Profi auf dem Buckel. Der Ukrainer steht seit seinem Debüt am 16. November 1996 gegen Fabian Meza als Profi im Ring. Hinzu kommen 28 Titelkämpfe im Rahmen der vier großen Verbände WBA, WBO, WBC und IBF sowie 23 erfolgreiche Titelverteidigungen während zweier Regentschaften.

Während Klitschko mit Meza kurzen Prozess machte, träumte sein Gegenüber noch nicht einmal von einer Karriere als Boxer. Joshua war im November 1996 gerade einmal sieben Jahre alt. Inzwischen bringt es der Youngster immerhin auf 18 Kämpfe und 44 Runden. Zwei Mal stand Joshua über sieben Runden im Ring, ansonsten benötigte der 27-Jährige nie länger als drei Runden, um seine Gegner in die Knie zu zwingen. Er hat zwei Titelverteidigungen seines IBF-Gürtels in seinem Kampfrekord. Der Nachteil könnte kaum größer sein.

Durch die Kulisse kommt der Erfahrung sogar ein noch größerer Faktor zu. Ob die Zuschauer im Wembley Stadium beim Heimspiel Joshuas im Endeffekt überhaupt ein Vorteil sein werden, muss sich trotz der zu erwartenden Atmosphäre zu Gunsten des Lokalmatadors zeigen. Für Klitschko, der bereits auf den größtmöglichen Bühnen der Box-Welt um die bedeutendsten Gürtel des Business gekämpft hat, wird die Location zwar ebenfalls etwas Besonderes sein, ablenken lassen wird er sich allerdings nicht. "Ich werde versuchen, all meine Erfahrung auszuspielen, um zu gewinnen", erklärte Klitschko nicht umsonst.

Zwar versicherte Joshua, dass er "gelernt hat, die Energie der Fans zu nutzen", dennoch dürfte der Druck beim Betreten der Arena Ausmaße annehmen, die der Brite nicht abschätzen kann. Trotzdem herrscht beim IBF-Weltmeister Optimismus: "Ich habe noch nie vor 90.000 geboxt, habe aber gelernt, die Energie des Publikums für mich zu nutzen und sie ins Positive umzuwandeln. Ich werde die Welle reiten."

SPOX-Urteil: Vorteil Klitschko

Schlagkraft

Klitschko hat sich über die Jahre den Spitznamen "Dr. Steelhammer" erarbeitet. Und dieser kommt nicht von ungefähr. Eine Knockout-Quote von 78 Prozent (54 Knockouts) unterstreicht die Power des Ukrainers eindrucksvoll, wenngleich imposante Niederschläge in den letzten Duellen eine Seltenheit waren. Vor allem das Duell mit Tyson Fury dürfte bei vielen große Zweifel geweckt haben. Dennoch: Die Schlagkraft Klitschkos, die etwas niedriger ist als in seiner Prime, gehört zu den größten im Schwergewicht und kann jedem Gegner zum Verhängnis werden.

Neben den Power-Punches profitiert Klitschko zudem am meisten von seinem Jab, der von so manchem Boxer bereits unterschätzt wurde. Der Vorzeigeschlag dient bei ihm nicht nur dazu, die richtige Distanz zum Gegner zu finden und auf den Scorecards der Punktrichter wertvolle Zähler zu sammeln, sondern verfügt auch über eine Härte und Präzision, die es im Schwergewicht selten gibt. Klitschko bringt ihn laut CompuBox-Statistiken im Schnitt 8,7 Mal pro Runde ins Ziel und trifft zu 30,1 Prozent. Ergänzt mit dem linken Haken, ergibt sich ein potentes Arsenal, das einige Opfer gefordert hat.

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Dass es Joshua nicht an der nötigen Power mangelt, zeigt ein kurzer Blick auf seine bisherigen Kämpfe. Der Brite hat eine perfekte Bilanz, die Knockout-Quote beträgt 100 Prozent. Schaut man sich die bisherigen Gegner genauer an, wird schnell deutlich, dass sich die Aussagekraft in Grenzen hält. Wirklich starke Kontrahenten hat der Brite bisher nicht vor die Fäuste bekommen. Mit einem Altersvorteil von 14 Jahren und einer Rechten, die das Schwergewicht in den kommenden Jahren verändern kann, hat der Brite mit der beeindruckenden Muskelmasse gegenüber Klitschko trotz allem einen leichten Vorteil, obwohl dieser nicht ganz so enorm ausfällt, wie es im Vorfeld einige zu prognostizieren versuchten.

SPOX-Urteil: Vorteil Joshua

Kinn

Wenn man bei Klitschko abgesehen von der indiskutablen Leistung gegen Fury in den vergangenen Jahren eine Schwachstelle gesucht hat, dann dürfte man maximal beim Kinn hängengeblieben sein.

Dass Klitschkos Kinn nie das härteste und so für viele Gegner der einzige Hoffnungsschimmer am Horizont war, ist keine Neuigkeit. Wirklich ausnutzen konnte dies seit Lamon Brewster aber niemand mehr - selbst nicht Fury.

Das Duell zwischen Klitschko und Fury im RE-LIVE

Der Grund hierfür ist simpel. Klitschko hat zusammen mit seinem inzwischen verstorbenen Trainer Emanuel Steward aus dem Brewster-Debakel die nötigen Lehren gezogen und seine Defensivarbeit deutlich verbessert. Besonders der Jab als Kontrollinstrument sowie teils eklatante Vorteile in Sachen Größe, Technik und Schlagkraft ließen ihn unverwundbar werden. Wurde es doch eng, ging es in den Clinch, um die körperlichen Vorteile noch weiter auszureizen. Das Problem daran? Der Plan wird gegen Joshua nicht funktionieren.

Aber wie sieht es überhaupt beim Briten aus? Über das Kinn seines Gegenübers kann eigentlich nur gerätselt werden. Kein Gegner hatte auch nur ansatzweise das Niveau, um Joshua ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Sollte Klitschko klare Treffer landen, könnte es für den Youngster schneller vorbei sein als gedacht. Schafft er es, seine Rechte ins Ziel zu bringen, dann winkt im Gegenzug der vorzeitige Sieg. Im Vorfeld einen Vorteil auszusprechen, macht keinen Sinn.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Seite 2: Ausdauer bis Fazit

Ausdauer

Ein 41-Jähriger trifft auf einen 27-Jährigen. Das Bild, welches sich aus den reinen Zahlen ergibt, ist trügerisch. Klitschko ist körperlich wie immer perfekt austrainiert und für sein Alter extrem fit. Zudem hat der Ukrainer mit zunehmendem Alter und Kampfanzahl über die vollen zwölf Runden einige wertvolle Lektionen gelernt.

Während sich Klitschko früher im Ring verausgabte und so in konditionelle Probleme geriet, hat er mit den Jahren verstanden, sich seine Kräfte einzuteilen. Die Tatsache, dass er zumeist das Geschehen diktierte und seinen Kontrahenten durch körperliche Überlegenheit im Klammergriff Kraft kosten konnte, kam hinzu.

Mit Joshua steht ihm diesmal allerdings ein Boxer gegenüber, der beim Wiegen nicht im Schatten des Ex-Champions stand, sondern sogar vier Kilo mehr auf die Waage brachte. Der Brite ist ebenfalls perfekt austrainiert und hat in der Vorbereitung großen Wert auf Power und Ausdauer gelegt. Was ihm jedoch komplett fehlt, ist die Erfahrung. Wenn es darum geht, sich die Luft einzuteilen, kann dies zum fatalen Problem werden.

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Zudem wirkt der Brite noch muskulöser als sonst - und Muskeln brauchen Sauerstoff, den der Körper liefern muss. Je größer die Masse, desto größer der Verbrauch. Zwölf Runden können verdammt lang werden. Vor allem, wenn man bisher nicht mal ansatzweise so lange im Seilgeviert stehen musste.

SPOX-Urteil: Unentschieden

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Körperliche Ausgangslage

Warum das 50:50-Duell in London von so vielen heiß ersehnt wird, lässt auch ein Blick auf die körperlichen Voraussetzungen erahnen. Beide Boxer bringen es auf eine Körpergröße von 198 Zentimetern. Bei der Reichweite hat der Brite sogar mit 208 Zentimetern zu 206 die Nase knapp vorne.

"Er ist in gewisser Weise eine Kopie meiner Fähigkeiten und meines Auftretens nur in einem anderen Look. Er erinnert mich definitiv an mich selbst", erklärte Klitschko, der anführte, dass die Pause kein Nachteil sei: "Es war das erste Mal in meiner 27-jährigen Karriere, dass ich ein Jahr Pause hatte und nicht gekämpft habe. Das heißt nicht, dass ich nicht trainiert habe. Wenn ich zurückblicke, war das richtig gut. Ich hatte Zeit mich, meinen Körper, meinen Geist und meine Motivation zu regenerieren. Ich war die letzten Jahre in einem wahren Hamsterrad gefangen."

Dass Klitschko in der Vorbereitung andere Prioritäten gesetzt hat als in den letzten Jahren, offenbarte sich beim Wiegen. Während Joshua 250 Pfund auf die Waage brachte, waren es bei Klitschko knapp über 240 Pfund. So leicht war der entthronte Champion zuletzt bei seinem Knockout-Sieg über Ruslan Chagaev im Jahr 2009.

SPOX-Urteil: Unentschieden

Technische Fähigkeiten

Im Hinblick auf die technischen Fähigkeiten ist Klitschko vom Potential her noch immer auf einem eigenen Level. Sein Jab hat über die Jahre stets an Dominanz gewonnen und lässt sich variabel in einen eng geschlagenen Haken umwandeln. Seine Power ist zwar nicht mehr ganz so enorm, reicht aber aus, um jeden Gegner auszuknocken. Seine koordinativen Fähigkeiten sind trotz des inzwischen fortgeschrittenen Alters beachtlich. Er kann sich im Ring unheimlich intelligent bewegen.

Die größte technische Entwicklung hat der ehemalige Weltmeister in seiner Karriere jedoch in der Defensive durchlebt. Die Niederlagen der Vergangenheit sind heute schwer vorstellbar. Klitschko verfügt trotz der schwachen Vorstellung gegen Fury noch immer über das wohl beste und kompletteste Paket aller Schwergewichtsboxer. Im Gegensatz zur Pleite gegen den Briten muss er es aber auch abrufen.

Joshua bringt zweifelsohne ebenfalls ein starkes Gesamtpaket mit in den Ring. Er hat die körperlichen Voraussetzungen und kann in seiner Karriere auf eine stetige Entwicklung zurückblicken, egal ob man seine Zeit als Amateur oder Profi heranzieht. Vor allem vor dem Hintergrund, dass er erst mit 18 das erste Mal seine Handschuhe schnürte, ist dies beeindruckend. Am Ende seines Weges ist er aber noch nicht.

Seine Geschwindigkeit in den Händen ist ebenso wie seine Power Furcht einflößend. Speziell bei den Kopf- und Oberkörperbewegungen sowie der Beinarbeit ist Joshua aber noch ein Stück von der Elite der Schwergewichtler in der Geschichte des Sports entfernt und wirkte in seinen Kämpfen zuweilen so noch etwas steif. Sein Jab ist solide und hat ordentlich Zug, kann aber noch nicht mit dem von Klitschko auf eine Stufe gesetzt werden. Kurzum: Er bringt alles mit, benötigt aber eigentlich noch ein paar Kämpfe.

SPOX-Urteil: Vorteil Klitschko

Mentale Stärke

"Ohne diese Niederlage wäre ich nicht hier. Ich will noch mal beweisen, dass ich nicht umsonst so lange so erfolgreich war", hatte Klitschko nach der Verkündung des Kampfes erklärt. Es waren nicht irgendwelche Worte, der 41-Jährige meinte sie auch so. Der Ex-Champion findet sich in einer Rolle wieder, in der er ewig nicht war: er ist in der Außendarstellung und bei den Buchmachern der Außenseiter - und kommt ohne einen Titel zum Ring.

Die Niederlage gegen Fury dürfte noch immer an ihm nagen. Darüber hinaus ist dem Ukrainer klar, dass eine erneute Pleite wohl automatisch das Ende der Karriere bedeuten dürfte. Eine Laufbahn, in der er allerdings sowieso nahezu alles erreicht hat. Zur mentalen Komponente zählt zudem der Hunger. Wie groß dieser bei Klitschko nach all den Jahren noch ist, muss er beweisen.

Anreize sind vorhanden. Unter anderem kann Klitschko erst der zweite Boxer nach George Foreman werden, der mit über 40 Jahren einen Schwergewichtstitel gewinnen kann. Außerdem wäre er nach Muhammad Ali (3), Lennox Lewis (3), Evander Holyfield (4) und Bruder Vitali (3) immerhin erst der fünfte Boxer, der zum dritten Mal Schwergewichts-Champion werden würde und könnte mit 26 Siegen in Titelkämpfen mit Joe Louis und Floyd Mayweather Jr. gleichziehen.

Für Joshua ist das Duell mit dem Mann, bei dem er sich im Trainingscamp vor dem Kampf Klitschkos gegen Kubrat Pulev einiges abgeschaut hat, ebenfalls richtungsweisend. Zwar hat der Brite aufgrund seines Alters noch alle Zeit der Welt und wird ungeachtet vom Ausgang viel erreichen. Dennoch wird er am Auftritt gegen den Altmeister zwangsläufig eine ganze Zeit lang gemessen werden. Es ist ein Druck, dem keine wirkliche Erfahrung gegenübersteht und der somit seinem Gegner in die Karten spielt. Der Kampf wird seine ultimative Feuertaufe, egal wie betont locker er sich vorher gibt. Joshua weiß es.

SPOX-Urteil: Unentschieden

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Fazit

Klitschko ist trotz inzwischen 41 Jahren auf dem Buckel und einer Kampfpause von 17 Monaten, die längste in seiner gesamten Karriere als Profi, voll im Saft. Ob der Ukrainer aber den nötigen Hunger aufbringen kann, um Joshua auf dessen Weg an die Spitze eine Lektion zu erteilen, muss er beweisen.

An selbigem wird es dem Briten nämlich auf keinen Fall mangeln. Joshua ist heiß, will es sich und der Welt beweisen. Er hat die Power und die Athletik, um Klitschko in Box-Rente zu schicken. Klar ist, dass Joshua eigentlich versuchen muss, den Kampf früh zu beenden. Er darf kein leichtes Ziel sein, muss den nächsten Schritt bei der Bein- und Oberkörperbewegung machen. Und er muss auf Konter aufpassen, die schon vielen Klitschko-Gegnern beim Verkürzen der Distanz zum Verhängnis geworden sind.

Ferner darf er sich von den verrückten britischen Fans nicht verleiten lassen. Lässt er sich treiben und verausgabt sich, spielt er Klitschko in die Karten. Joshua muss die Ruhe bewahren. Er ist jünger, schneller und schwerer als sein Gegner. Sein Ziel kann nur ein Knockout sein, sonst wird es schwierig.

Für Klitschko gilt es hingegen besonders, die Stärken seines Kontrahenten zu bestmöglich zu negieren. Sein defensiver Plan muss perfekt aufgehen und er muss mit der Erfahrung und dem Jab seine größten Trümpfe permanent ausspielen. Vor allem, wenn Joshua mit der linken Geraden arbeitet, was der Brite bislang immer getan hat, kann sich Klitschko die Chance bieten, mit einer Rechten zu antworten. Das Kinn von Joshua wurde nie wirklich getestet. Trifft Klitschko muss dieser erstmal zeigen, dass er auch etwas einstecken kann.

Kommt der 27-Jährige aber gut in den Kampf und lässt sich von Fans und Gegner nicht beeindrucken, dann hat er alle Chancen, am Ende des Abends den Ring als Sieger zu verlassen - und zwar vorzeitig.

SPOX-Urteil: Joshua durch Knockout

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