Boxen: McGregor vs. Mayweather: Suche Geld, biete Fresse

Floyd Mayweather und Conor McGregor steigen offenbar tatsächlich in den Ring. SPOX gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen rund um den außergewöhnlichen Fight.

Floyd Mayweather und Conor McGregor steigen offenbar tatsächlich in den Ring. SPOX gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen rund um den außergewöhnlichen Fight.

Seite 1: Worum geht es, kommt es zum Kampf und wie ist der Wert?

Worum geht es überhaupt? Mit Floyd Mayweather und Conor McGregor könnten zwei der bekanntesten Kampfsportler in den Ring steigen. Das Problem: Der eine ist ein 40-jähriger Boxer, der seine Karriere eigentlich beim Stand von 49-0 beendet hat und der andere ein 28-jähriger UFC-Kämpfer.

Ohne Zweifel hat sich McGregor seinen Stand in der UFC erarbeitet, nicht zuletzt mit dem Titelgewinn gegen Eddie Alvarez bei UFC 205, der ihm als erstem Kämpfer in der Organisation den Moment einbrachte, mit zwei Gürteln in zwei Gewichtsklassen feiern zu dürfen.

Doch kann er in einem Boxkampf bestehen? "Warum sollte man nur eine Welt erobern, wenn man auch zwei Welten erobern kann?", meint McGregor und so werfen sich die beiden Lager seit Monaten Herausforderungen an den Kopf. Zwei Typen, in ihren jeweiligen Disziplinen in der Elite zu finden, mit großem Renommee und beeindruckendem Marketingpotenzial.

Zuletzt ließen immer mehr News und Gerüchte darauf schließen, dass der Kampf tatsächlich stattfindet. Doch noch ist mehr offen als geklärt und somit muss man sich als potentiell interessierter Fan bisher durch ein Dickicht an Dementi, Herausforderungen und Gerüchten kämpfen.

Kommt es wirklich zum Kampf? Das ist die große Frage. Ein stetes Auf und Ab kann man in den letzten Wochen und Monaten beobachten. Es passiert, es passiert nicht. Letzte Meldungen sagen: Es passiert. Und das glaubwürdiger als in allen Berichten und Aussagen zuvor.

Erst kündigte Mayweather an, für McGregor aus dem Karriereende zurückzukehren, dann berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass der Kampf vereinbart wurde. Der 10. Juni soll es sein, die T-Mobile Arena in Las Vegas sei bereits gebucht. 20.000 Zuschauer fasst das Stadion bei Kampfsportevents.

Doch so einfach wie bei einem schlichten Boxkampf ist es nicht getan. Mayweather vs. McGregor erfordert deutlich mehr als Ort und Zeit. Da ist die Frage nach dem Gewicht, nach den Regeln, nach dem finanziellen Rahmen. Sollte der Kampf wirklich stattfinden, müssen sich die Strippenzieher auf jede Menge Papierarbeit vorbereiten.

McGregor kämpfte zuletzt bei 70 Kilogramm, hatte aber auch schon Kämpfe mit 65 oder 77 Kilogramm. Mayweather war zuletzt bei 68 Kilogramm aktiv. Eine Einigung muss also definitiv erzielt werden, besonders wenn es, so wie es derzeit aussieht, auf einen reinen Boxkampf hinausläuft.

Dann ist es McGregor nur möglich, etwa ein Viertel seiner Fähigkeiten aus dem Octagon mitzubringen. Der Clinch fällt ebenso weg wie sein Ground Game und jegliche Attacken mit den Beinen. Mayweather dagegen wäre voll in seinem Element, wenngleich sein Gegenüber auch im Octagon vor allem auf seine Fäuste setzt.

Wie ist die sportliche Sicht der Dinge? Genau an diesem Punkt entsteht die größte Kritik am möglichen Aufeinandertreffen zwischen Mayweather und McGregor. Beide sind für sich gesehen sehr gut in ihren Disziplinen, doch wo ist der Sinn darin, einen Boxer gegen einen UFC-Kämpfer antreten zu lassen?

Würde McGregor Mayweather ins Octagon einladen, wäre für den US-Amerikaner wohl schnell Schluss. Gleiches sehen viele im Boxring für den Iren kommen. Auch wenn McGregor in seiner Karriere für manche Überraschung sorgen konnte, scheint diese Hürde doch selbst für The Notorious eine Nummer zu groß.

Würde er einen durchschnittlichen Boxer besiegen? Könnte er irischer Meister im Boxen werden? Wahrscheinlich nicht mit den aktuellen boxerischen Fähigkeiten, die er im Octagon nutzte. Die Schere geht zum Profiniveau hin schnell auseinander. Gleichwohl würde der Ire nicht zum ersten Mal nachweisen, dass er sich in etwas hineinbeißen kann.

Gerade hier liegt dann doch wieder die Anziehungskraft des Kampfes. Wie groß ist die Lücke zwischen UFC-Boxen und echtem Boxen? Und wie viel kann McGregor durch seine persönlichen Charakteristika wettmachen? Und letztlich wohl auch: Wie lange kann McGregor gegen Mayweather mit 49-0-Rekord durchhalten?

Mayweather wird nur schwerlich verlieren. Und selbst wenn, und hier findet sich das nächste Aber, stellt sich die Frage: Was hat McGregor davon, einen 40-Jährigen, der sich eigentlich schon im Karriereende befindet, geschlagen zu haben? Aus sportlicher, nicht aus marketingtechnischer Sicht gesehen.

Die gleiche Frage stellt sich auch aus Sicht Mayweathers. Was verspricht sicher dieser davon, einen Gegner zu schlagen, der von Anfang an nicht als gut genug gesehen wird? Aus sportlicher Sicht erneut wenig bis gar nichts. Er kann wenig gewinnen, dafür aber sehr, sehr viel verlieren.

Seite 2: Die finanzielle Sicht der Dinge und was bringt der Kampf der UFC?

Wie ist die finanzielle Sicht der Dinge? Die Betrachtung aus sportlicher Sicht muss also früher oder später zur Betrachtung aus finanzieller Sicht führen. Denn: Ob der Kampf nun fair gestaltet oder sonderlich spannend ist - er bringt eine Erfolgsgarantie mit sich.

Nicht nur, dass es ein vergleichbares Duell bisher nicht gab, es kommen zahlreiche Faktoren zusammen, die ein enorm breites Publikum ermöglichen, welches weit über die 20.000 in der T-Mobile Arena hinausgehen wird. McGregor hat sich als Marke etabliert, Mayweather steht dem in nichts nach.

Hinzukommen Zuschauer aus der UFC ebenso wie aus dem Boxen selbst. Der ungewöhnliche Vergleich zweier Spitzensportler wird wohl auch völlig branchenfremde Menschen für das Event interessieren. Es ist ein bisschen so wie wenn Usain Bolt wirklich Fußball spielen würde: Man kann eigentlich nicht wegsehen.

Somit lohnt sich das Event im wirtschaftlichen Rahmen für beide Sportler. Mayweather kann trotz verkündetem Karriereende nochmals mit - so verschiedene Berichte - Einnahmen weit über 100 Millionen US-Dollar rechnen, eine etwas kleinere Summe wird McGregor zugeschrieben.

Wer würde sich nicht für eine derartige Summe von Mayweather auf die Matte schicken lassen? Eben. Im wahrscheinlichsten aller Fälle wird den Zuschauern kein sportlicher Wettkampf geboten sondern ein Event, das der reinen Unterhaltung dient. "Alle wollen das sehen, und wir wollen es den Fans geben."", so Mayweather.

Wie ist die Sicht der UFC? Wenig begeistert zeigte sich Dana White von der Idee seines Aushängeschilds. Der Präsident der UFC dementierte in den letzten Wochen jedes Gerücht um den Kampf fleißig, musste aber kürzlich bei TMZ doch einlenken: "Es macht nicht viel Sinn für mein Unternehmen, aber ich werde ihn nicht davon abhalten."

Damit hat White auch schon eingeordnet, wie das Meinungsbild der UFC ist. McGregor, das Gesicht der UFC, wird auf einer der größtmöglichen Bühnen auftreten. Das hat der Organisation bisher immer gut gefallen - siehe Ronda Rousey bei WrestleMania gemeinsam mit The Rock.

Doch auf dieser Bühne wird der große Star mit hoher Wahrscheinlichkeit deklassiert. Das sieht nicht gut aus und ist eben nicht gut für das Geschäft. McGregor, der von White regelrecht aufgebaut wurde, schwang sich mit seinem Sieg über Alvarez in neue Sphären und entpuppte sich auch abseits des Octagons als Geldmaschine.

Das alles drohte schon nach der ersten Niederlage gegen Nate Diaz ins Wanken zu geraten, im Rückkampf drehte der Ire jedoch alles wieder in die richtige Richtung. Eine krachende Niederlage gegen Mayweather käme noch weniger gelegen für den langfristigen Plan mit dem 28-Jährigen.

Die Hoffnung, dass McGregor gegen Mayweather tatsächlich gewinnen kann, hat White also nicht. Vielleicht kann der Ire aber, auch dank des recht abwartenden, auf Konter basierten Stils von Mayweather, ein paar Runden durchhalten. Das könnte der UFC entgegen kommen.

So oder so wird White dem Kampf aber zustimmen, wie er erklärte. Im gleichen Atemzug eröffnete er aber das nächste Kapitel in der nicht enden wollenden Vorgeschichte: "Der Termin am 10. Juni in Las Vegas? Es hat nichts mit uns zu tun. Nichts mit dem Kampf zwischen Floyd und Conor."

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