Box-Weltverband IBA greift IOC an

Box-Weltverband IBA greift IOC an
Box-Weltverband IBA greift IOC an

Im Kampf um die olympische Zukunft des Boxens wehrt sich der Weltverband IBA gegen die Kritik des IOC und schiebt einen Teil der Verantwortung für die verbandsinternen Probleme an die Ringe-Organisation in Lausanne weiter. „Wir werden weiterhin für eine Kultur der Korruption bestraft, die von einigen Personen aus den oberen Rängen des IOC geschaffen und gepflegt wurde“, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstag.

Namentlich nannte die IBA ihren Ex-Präsidenten Wu Ching-kuo (Taiwan). Dieser hatte den Verband von 2006 bis 2017 geführt und war währenddessen auch Mitglied, Teil der Exekutive und 2013 Präsidentschaftskandidat beim Internationalen Olympischen Komitee. Im März 2020 hatte Wu den IOC-Zirkel verlassen, offiziell aus medizinischen Gründen.

Proteste vor Versammlungsgebäude

Das IOC hatte am Dienstag einen Brief vorgestellt, in dem das Exko seine Bedenken gegenüber der IBA und den nationalen Boxverbänden schilderte. "Wenn heute eine Entscheidung bezüglich der Olympischen Spiele Los Angeles 2028 getroffen werden müsste, könnte das Executive Board des IOC der IOC-Session nicht empfehlen, Boxen unter der Aufsicht der IBA aufzunehmen", hieß es in dem Schreiben.

In Lausanne hatte eine IBA-Abordnung um den früheren Superstar Roy Jones jr. vor dem Versammlungsgebäude protestiert. "Kein Boxen ohne IBA" und "Keine Olympischen Spiele ohne Boxen" stand auf Plakaten, welche die Demonstranten zeigten. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris wird Boxen noch auf dem Programm stehen, allerdings werden die Wettbewerbe wie 2021 in Tokio vom IOC selbst ausgerichtet. Die IBA (früher AIBA) ist seit 2019 suspendiert.

Die IBA erklärte, die Aufarbeitung der Ära Wu, die Verfehlungen in der Führung, bei den Finanzen und im Schiedsrichterwesen brauche Zeit. "Analysiert man die Quelle aller Probleme der Vergangenheit, wird deutlich, dass das IOC-Mitglied Wu CK diese Probleme im Dachverband des Boxsports verursacht hat." Seit zwei Jahren versuche die IBA "das Haus zu reinigen und das Boxen wieder zu der Größe zu bringen, das es verdient".

"Wir werden die künstliche 'Teile-und-Herrsche-Rhetorik nicht akzeptieren", schrieb der Weltverband weiter. Er werde nicht akzeptieren, "dass die IBA und die Athleten getrennt werden", jeder Angriff auf die IBA sei "ein direkter Angriff auf die Stakeholder unseres Sports, auf die Athleten. Sanktionen gegen die IBA sind Sanktionen gegen ihre Boxer, denn wir sind unzertrennlich."

Im September hatten die IBA-Delegierten auf dem außerordentlichen Kongress in Jerewan/Armenien gegen Neuwahlen gestimmt und damit den Russen Umar Kremlew unter chaotischen Umständen im Amt bestätigt. Zudem war der ukrainische Boxverband kurz vor dem IBA-Kongress aus umstrittenen Gründen suspendiert worden.