Bräuchte HWA eine Aston-Martin-Lizenz? Welche Rolle "Schieb ihn raus!" spielt

Sport1


HWA-Boss Hans Werner Aufrecht hat DTM-Boss Gerhard Berger nach dem R-Motorsport-Ausstieg das Angebot gemacht, den Vantage 2020 in der DTM einzusetzen, wenn die Finanzierung gewährleistet ist. Doch DTM-Boss Gerhard Berger sieht im finanziellen Bereich und bei der Teilebeschaffung zu viele Hürden: "Realistisch ist so ein Einsatz aktuell leider nicht."

Aber dürfte HWA die Autos ohne der exklusiven DTM-Lizenz von Aston Martin Lagonda, die R-Motorsport hat, überhaupt einsetzen? "AF Racing (Dachfirma von Rennteam R-Motorsport; Anm. d. Red.) behauptet zwar, ihre Lizenz stünde dem Einsatz entgegen, aber ich denke, dafür braucht man keine Lizenz", sagt Berger im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Wenn HWA die Autos einsetzen will, dann kann er sie einsetzen."

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Schließlich sei das Unternehmen aus Affalterbach der rechtmäßige Eigentümer der fünf Boliden. Das wirft die Frage auf: Braucht man für den Einsatz von Boliden in der DTM eine Herstellerlizenz oder doch nicht? Wir haben uns die Angelegenheit genauer angesehen und sind auf interessante Hintergründe gestoßen.

Was die "Schieb ihn raus"-Affäre mit der Nennung zu tun hat

Während früher tatsächlich die Rennställe ihre Boliden nannten, muss das "seit 2016 über einen Hersteller durchgeführt werden, will man in der Herstellerwertung punkteberechtigt sein", sagt ein Sprecher des Deutschen Motor Sport Bund (DMSB). Da es sich bei der DTM um keine FIA-Serie handelt, ist der DMSB für die Nennungen verantwortlich.

Auslöser für diese Änderung im Jahr 2016 war die "Schieb-ihn-raus"-Affäre rund um Ex-Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich, der seinem Piloten Timo Scheider per Funk den Auftrag gegeben hatte, beim DTM-Rennen in Spielberg 2015 Pascal Wehrlein abzuschießen.

Ulrich konnte sportrechtlich nicht belang werden, weil die damaligen DMSB-Lizenzverträge nur mit den Teams, aber nicht mit dem Hersteller abgeschlossen waren. Die Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro wurde damals tatsächlich Scheiders Werksteam Abt-Audi aufgebrummt, zudem musste die Truppe aus Kempten dafür sorgen, dass Ulrich kein Funkgerät mehr bekommt.

Warum ein Einsatz ohne Lizenz wenig Sinn ergibt

Damit sich auch die Hersteller dem Sportrecht unterwerfen, wurde das 2016 geändert. Seitdem muss man für das Antreten in der Herstellerwertung eine Herstellernennung durchführen - oder einen Herstellervertreter nominieren, was bei Aston Martin durch die exklusive Lizenz R-Motorsport war.

Eine Nennung ist aber - wie von Berger angedeutet - auch über ein Team möglich, das hätte aber abgesehen von der Nicht-Berücksichtigung in der Herstellerwertung zahlreiche Nachteile: Die Mannschaft hätte politisch keinerlei Mitspracherecht, da man an den technischen und sportlichen Arbeitsgruppen nicht teilnehmen dürfte. Das gilt auch für die DTM-Kommission und den ITR-Beirat, wo wichtige Richtungsentscheidungen getroffen werden.

Das heißt: Theoretisch wäre es möglich, die Autos auch ohne die Lizenz einzusetzen, praktisch wäre es aber kaum vorstellbar. Denn Aufrecht würde es vermutlich nicht riskieren, die Autos gegen den Willen des Herstellers Aston Martin einzusetzen und es sich somit mit den Briten zu verscherzen.

© Motorsport-Total.com

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