Branche im Umbruch: Kommt der Fisch der Zukunft vom Feld?

Willy FlemmerFreier Autor für Yahoo
Yahoo Finanzen

Der Trend zur veganen Ernährung und die Überfischung der Meere zwingen die Fischbranche zum Handeln. Das Ergebnis sind Fischprodukte, deren Inhaltsstoffe auf dem Feld wachsen.

Die Fischbranche tüftelt an Fischprodukten, die wie Fisch aussehen, jedoch kein Fisch sind. (Bild: Getty Images)
Die Fischbranche tüftelt an Fischprodukten, die wie Fisch aussehen, jedoch kein Fisch sind. (Bild: Getty Images)

Das wachsende Umweltbewusstsein der Verbraucher, der damit einhergehende Erfolg von Fleisch auf Gemüsebasis und nicht zuletzt die Überfischung der Meere setzen zunehmend auch die Fischbranche unter Druck. Dass diese sich in einer entscheidenden Umbruchsituation befindet, verdeutlicht auch die Fachmesse fish international, die vom 9. bis 11. Februar in Bremen stattfand. Der Trend: Auch die Fischbranche will in Zukunft verstärkt auf vegane Produkte setzen.

Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Auch wegen Trump: Fischstäbchen werden teurer

“Fisch vom Feld” – mit diesem Motto will sich auch Frosta auf dem neuen Marktsegment aufstellen. Der deutsche Tiefkühlkost-Hersteller will ein halbes Jahr Entwicklung in Fischfrikadellen und Backfisch gesteckt haben. Ziel war es, “ein weißes Produkt zu haben, das an Seelachs oder Alaska-Seelachs erinnert”, wird Burkhard Gabbe, Geschäftsführer von Frosta, von der Nordwest Zeitung zitiert. Zu den Inhaltsstoffen des veganen Fisches gehören “verschiedene helle Gemüsesorten”, wie es auf der Webseite des Unternehmens heißt, darunter Blumenkohl und Bohnen. Dazu kommen Hanf-Proteine und Leinöl als Omega-3-Träger.

Pro-Kopf-Verzehr steigt: Verbraucher in Deutschland essen mehr Fisch

Sieht aus wie Fisch, schmeckt es auch wie Fisch?

Optisch mögen die veganen Fischprodukte überzeugen, am Geschmack hapert es jedoch. Der Fisch vom Feld schmeckt nicht wie der Fisch vom Meer. Das ist die nächste Herausforderung der Branche, die das Manko durch verschiedene Aromastoffe kompensiert. Frosta setzt auf Würze aus der Panade, der Soße und der Beilage. "Wir denken, dass das eher etwas für jüngere Verbraucher ist”, sagt Gabbe. Deshalb setze Frosta auf Studentenwerke, Großküchen für Schulen und Kitas und die Systemgastronomie als Abnehmer. Später soll auch der Einzelhandel beliefert werden.

Nutriscore sei “irreführend”: Frosta-Chef ist gegen die Lebensmittelampel

Den Fischmarkt aufmischen will auch der Großhändler Sterk Seafood. Das niederländische Traditionsunternehmen liefert unter anderem pflanzliche Thunfische und Lachse der US-Firma Vegan Fine Foods nach Deutschland. Die Produkte aus Tapiokastärke und Algenglukose sehen aus wie Fisch, der Fischgeschmack entstehe jedoch durch Omega-3-Fettsäuren, wie Bertin Sterk von Sterk Seafood erklärt. Im Angebot hat der Fischhändler auch vegane Shrimps und Calamares.

Die nächste Herausforderung ist der Hering auf Pflanzenbasis. Dass auch dieser vermeintliche Fisch nicht ohne Aromen auskommen wird, darüber ist sich die Branche einig. Händler Sterk ist aber optimistisch: "Veganer Hering? Das können wir versuchen", sagt er selbstbewusst.

Lesen Sie auch