WM-Held Brehme: "Das hat sich der DFB selbst zuzuschreiben"

Reinhard Franke
·Lesedauer: 2 Min.

Am vergangenen Montag feierte Andreas Brehme seinen 60. Geburtstag. An solchen Tagen muss er meistens noch ein bisschen häufiger die Geschichte erzählen, wie er bei der WM 1990 im Finale gegen Argentinien den entscheidenden Elfmeter zum 1:0-Sieg verwandelte.

Gedanken macht er sich zudem über den aktuellen Zustand der deutschen Nationalmannschaft.

"Wir sind nicht mehr Deutschlands liebstes Kind und das Lagerfeuer", hatte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Dienstag erklärt und von einem Image-Problem gesprochen.

"Die Deutschen sind alle verwöhnt"

"Das hat sich der DFB selbst zuzuschreiben", sagt Brehme, als ihn SPORT1 zu Hause besucht. "Die Ergebnisse stimmten zuletzt einfach nicht und die Deutschen sind alle von den vielen Erfolgen in der Vergangenheit verwöhnt."

Man müsse auch bedenken, "dass gerade die Bayern-Spieler viele Partien absolvieren. Fast alle drei Tage müssen sie um Punkte spielen, das geht nicht einfach so an den Spielern vorbei."

Doch nicht nur sportlich sieht Brehme Probleme. Er findet: Vor allem der Kontakt mit den Fans müsse intensiviert und verbessert werden. "Man muss wieder auf die Fans zugehen", fordert Brehme. In der Coronakrise natürlich schwierig.

Brehme legt Finger in die Wunde

Der frühere Profi, der für den 1. FC Kaiserslautern, den FC Bayern und Inter Mailand spielte, führt noch einen weiteren Grund für die DFB-Krise an und legt dabei den Finger in die Wunde: "Intern stimmt es auch nicht beim DFB. Dass da in der Chefetage nichts mehr intakt ist, merkt man in den vergangenen Jahren. Daran muss gearbeitet werden."

Man müsse kontinuierlich wieder an einem besseren Image arbeiten, da seien "Erfolge natürlich das Beste".

Brehme glaubt schon, dass die Fans sich noch nicht völlig von der Nationalmannschaft abgekehrt haben: "Ich denke, dass viele Fans weiterhin mitfiebern. Es ist ja nicht so, dass die Nationalmannschaft gehasst wird."

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Rückendeckung für Löw

Brehme selbst hält nach wie vor der Nationalmannschaft die Treue. "Ich schaue mir weiter die Länderspiele an."

Rückendeckung gibt es von ihm für Bundestrainer Joachim Löw. "Er hat Riesen-Erfolge gefeiert, und einfach so ist er nicht Weltmeister geworden", sagt Brehme und fügt hinzu: "Der Erfolg wird sich über kurz oder lang wieder einstellen." Löw sei nach wie vor der richtige Mann. "Man darf jetzt nicht alles verteufeln, Jogi hat halt einen anderen Weg mit jungen Spielern eingeschlagen."

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Ob Löw bis zur WM 2022 weitermachen soll? Da will sich Brehme nicht festlegen.

Bei einem anderen Thema findet er deutliche Worte, nämlich wenn es um die Rückkehr von Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller geht.

"Wenn es nach Leistung geht, müsste man die zurückholen. Jogi hat sich zu einem falschen Zeitpunkt entschieden, die Drei auszusortieren. Aber ich glaube er hat es inzwischen selbst eingesehen. Jogi muss dafür den Kopf hinhalten und wenn der Erfolg ausbleibt, kommt das Thema weiter auf den Tisch."