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Brisantes Problem: "Macht mir fast mehr Angst als Doping"

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Die Tour de France und die moderne Medizin: Seit vielen Jahrzehnten ist das eine oft unheilvolle Verknüpfung.

Die Geschichte der „Tour der Leiden“ ist geprägt von Doping-Eklats und Tragödien: Lance Armstrong und Jan Ullrich, die Tode von Tom Simpson und Marco Pantani sind die bekanntesten Stichwörter.

Von Skandalen dieser Größenordnung ist die Tour in den vergangenen Jahren verschont geblieben, moderne Testmethoden, Langzeit-Analysen und hohe Kontrolldichte nähren die Hoffnung, dass das Systemproblem nicht mehr so groß ist wie früher.

Um die Gesundheit der Fahrer von heute machen sich Experten dennoch Sorgen, nicht nur wegen der ewigen Gefahr verhängnisvoller Stürze: In den Fokus der Aufmerksamkeit rückte zuletzt die Nutzung legaler Mittel und wie diese oftmals bis zur Grenze ausgereizt werden - mit teils unabsehbaren Folgen.

„Macht mir fast noch mehr Angst als Doping“

„Diese medizinische Unterstützung macht mir fast noch mehr Angst als Doping“, sagte Ex-Radprofi Christophe Bassons zu Tour-Beginn der Süddeutschen Zeitung.

Der 48 Jahre alte Franzose, der sich in der dunklen Doping-Ära des Radsports offen gegen das System stellte, sorgt sich heute um die Gesundheit der Fahrer im Peloton: „Wenn Sie die Wahl haben zwischen einer kleinen therapeutischen Dosis Epo oder 20 bis 30 Tabletten pro Tag, um eine Tour de France zu fahren, dann können Sie mal kurz nachdenken, was davon gefährlicher ist.“

Ob es sich wirklich um die von Bassons kolportierte Anzahl an Tabletten handelt, sei dahingestellt - er trifft aber einen Punkt: Die Tour de France ist in diesem Jahr so anspruchsvoll und intensiv wie selten, die Fahrer geraten fast täglich an ihre Leistungsgrenze.

Viele Athleten nehmen deshalb routinemäßig Schmerzmittel und andere Substanzen ein, um den Belastungen zu trotzen - und ihre Leistung zu steigern.

Bora-Hansgrohe-Profi: „Jeder macht damit, was er will“

„Jeder macht damit, was er will“, sagte der Belgier Cian Uijtdebroeks, selbst kein Tour-Teilnehmer, vor Kurzem in einem Interview mit dem Radsportmagazin Bahamontes: „Wenn ich im Finale einer Etappe von einem Fahrer geschlagen werde, der drei Gramm Paracetamol eingenommen hat, dann bin ich frustriert.“

Die Einnahme derartiger Mittel sei zwar nicht verboten, für den Fahrer aus dem deutschen Bora-hansgrohe-Rennstall aber dennoch keine Option: „Ich habe nicht vor, meine langfristige Gesundheit für kurzfristige Leistungsfähigkeit aufs Spiel zu setzen.“

Andere Radprofis scheinen da weniger Hemmungen zu haben.

Ketone sind legal - aber die gesundheitlichen Folgen ungewiss

Beim niederländischen Topteam Jumbo-Visma beispielsweise, dem auch Spitzenfahrer Jonas Vingegaard angehört, ist unter anderem die Einnahme sogenannter Ketone Gang und Gäbe.

Dabei handelt es sich um eigentlich körpereigene Stoffe, die bei einem Kohlehydrat-Mangel freigesetzt werden. Von ihrer künstlichen Zufuhr erhofft man sich eine Erhöhung der Belastbarkeit.

Ketone stehen zwar nicht auf der Dopingliste, doch sogar der Weltverband UCI rät offiziell von ihrer Einnahme ab - wegen derzeit nicht absehbarer gesundheitlicher Auswirkungen. „Ich würde keine Ketone nehmen“, sagt auch der deutsche Sprinter Max Walscheid in der SZ.

Der Medizinstudent weiß, woher die medizinischen Vorbehalte kommen und hält sich an die Leitlinien der Experten, betont aber: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“

Das mag durchaus stimmen - und der nicht regulierte Medikamenteneinsatz ist gewiss auch kein exklusives Problem des Radsports: Es macht die aktuelle Situation jedoch nicht weniger problematisch.

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