Britischer Anti-Doping-Prozess erhitzt die Gemüter

Sportinformationsdienst
Sport1

Shane Sutton geriet in Rage und stürmte wütend aus dem Saal. Als "wiederholter Lügner" und "Doper" war der einstige Sportdirektor des britischen Radsport-Verbandes und Trainer des Teams Sky vor Gericht tituliert worden.

Doch spätestens, als seine Manneskraft in Zweifel gezogen wurde, reichte es dem Australier.

Sutton: "Meine Frau will bezeugen, dass sie eine verdammte Lügnerin sind"

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"Sie erzählen der Presse, dass ich keinen hochkriege. Meine Frau will bezeugen, dass Sie eine verdammte Lügnerin sind!", wütete Sutton in Richtung Mary O'Rourke.


Die Anwältin vertritt vor einem unabhängigen Gericht der britischen Ärztekammer (GMC) Richard Freeman, als Sportarzt einst Weggefährte Suttons bei British Cycling und dem Erfolgsteam Sky.

Im Zentrum des Verfahrens steht die Frage, zu welchem Zweck Freeman im Mai 2011 30 Pakete eines mit Testosteron versetzten Gels bestellte und ans National Cycling Centre in Manchester schicken ließ. 


Die Antwort darauf könnte nicht nur für Freeman juristische Folgen haben. Auch auf die Strukturen, mit denen Sky und die Briten auf der Straße und der Bahn im vergangenen Jahrzehnt zu Schwergewichten des Radsports aufstiegen, könnte Licht geworfen werden.

Freemann hat Präparat "im Glauben bestellt, dass es zur Leistungsförderung bestimmt war"

Der brisanteste von 22 Anklagepunkten gegen Freeman ist einer von nur vier, zu denen sich der Mediziner nicht schuldig bekannt hat: In Anklagepunkt 12b heißt es, Freeman habe das Präparat "in dem Wissen oder Glauben bestellt, dass es zur Leistungsförderung eines Athleten bestimmt war". Geplant gewesen sein soll der Einsatz von Mikrodosierungen.

Freeman bestreitet all das. Er hatte zunächst angegeben, die Bestellung sei fälschlicherweise getätigt, später zurückgeschickt und zerstört worden, was sich als Falschaussage herausstellte und Freemans Glaubwürdigkeit untergräbt. 

Seine Erklärung für die ominöse Testosteron-Bestellung wird wohl auch deshalb von der Anklage angezweifelt.

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Sutton, der 2016 im Vorfeld der Sommerspiele in Rio de Janeiro nach schweren Anschuldigungen aus dem Frauen- und Behindertenradsport zurückgetreten war und nicht den besten Ruf genießt, habe ihn zu der Order gedrängt, um seinem Liebesleben auf die Sprünge zu helfen, so Freeman.

Sutton sieht sich als Sündenbock und bot einen Lügendetektortest an, ehe er den Saal verließ. "Ich ziehe mich jetzt in mein kleines Loch in Spanien zurück und genieße meinen Ruhestand. Ich kann nachts gut schlafen in dem Wissen, dass ich keine Medikamenten-Pakete bestellt habe", sagte Sutton.

Freeman tat dies. Zu welchem Zweck, muss sich noch herausstellen.

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