Britischer Meteorit könnte Geheimnisse über den Ursprung der Erde verraten

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

In Großbritannien ist Ende Februar ein Meteorit eingeschlagen. Erste Untersuchungen zeigen jetzt: Es handelt sich dabei vermutlich nicht nur um einen äußerst seltenen Chondriten, er stammt wohl auch noch aus der Geburtszeit des Sonnensystems.

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So ähnlich dürfte der Meteorit über Großbritannien Ende Februar geglüht haben. Foto: Symbolbild / gettyimages

In der Nacht des 28. Februars ist ein knapp 500 Gramm schwerer Meteorit vom Himmel gefallen und hat dabei einen spektakulären Feuerschweif hinter sich hergezogen. Aufgeschlagen ist er in einer Auffahrt im britischen Örtchen Winchcombe. Nur wenig später haben Forschende begonnen, den Stein zu untersuchen und haben dabei vielversprechende Entdeckungen gemacht.

Nur zwei Prozent aller Meteoriten gehören zu der Klasse

Es handelt sich um einen sehr seltenen Meteoriten, einen kohlenstoffhaltigen Chondriten. Von bislang über 65.000 untersuchten Meteoriten zählen gerade Mal 2.639 dazu.

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Außerdem stammt er ersten Untersuchungen zufolge aus dem Sonnennebel und ist deshalb - im wahrsten Sinne des Wortes - steinalt: rund 4,5 Milliarden Jahre. Aus dem Sonnennebel ist das gesamte Sonnensystem hervorgegangen. Der Meteorit könnte deshalb viel über die Entstehung unserer Galaxie verraten. Und auch: Wie ist das Wasser auf die Erde gekommen oder wie ist daraus Leben entstanden?

Trägt er wasserhaltige Minerale in sich?

Im Gespräch mit National Geographic erklärt Katherine Joy, eine Meteoritenexpertin der Universität von Manchester: "Das ist sozusagen eine magische Meteoritenklasse, von der viele Wissenschaftler*innen besonders fasziniert sind."

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Dabei ist die Klassifizierung noch nicht endgültig abgeschlossen, wie Luke Daly von der Universität in Glasgow erzählt: "Es könnte sich auch um einen ganz neuen Typen handeln, mit dem wir es noch noch nie zu tun hatten." Bevor das aber mit Sicherheit gesagt werden könne, müsse noch viel untersucht werden.

Dass es sich um eine neue Meteoriten-Klasse handelt, ist deshalb möglich, weil sich bei ersten Tests sowohl die chemische Zusammensetzung als auch die Oberflächenbeschaffenheit des Meteoriten nicht eindeutig zuordnen lassen. Bisher wird vermutet, das es sich einen sogenannten CM-Typ handeln könnte: Dann würde er reichlich wasserhaltige Minerale in sich tragen, aber auch organische Verbindungen wie Aminosäuren und Zucker.

Schnelle Bergung ermöglicht viele Erkenntnisse

Die Verheißung ist deshalb groß: Sowohl die Geschwindigkeit, mit der der Meteorit geborgen werden konnte - was wichtig ist, damit das Gestein nicht mit Stoffen der Erde reagiert und damit seinen chemischen Fingerabdruck ändert - aber auch seine Seltenheit lässt die astronomische Gemeinschaft auf zahlreiche Erkenntnisse hoffen. Manche sprechen sogar vom wichtigsten Fund überhaupt.

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Zwar regnen regelmäßig Meteoriten auf die Erde nieder, meistens sind sie aber nicht groß oder schwer genug, um einen Feuerschweif hinter sich herzuziehen und damit ihre genaue Position zu verraten. Sie liegen deshalb oft sehr lange auf der Erde und verfallen zu Staub oder werden nie entdeckt. Oder aber sie treffen gar nicht erst auf Land, sondern versinken im Meer und sind damit für die Wissenschaft verloren.

Wichtiger Fund für die Wissenschaft

In Großbritannien wurden in den vergangene zehn Jahren mehrere Meteoriten-Überwachungssysteme aufgebaut. Koordiniert werden sie von der "U.K. Fireball Alliance". Zahlreiche Kameras blicken seither ununterbrochen in den Himmel und suchen nach glühenden Himmelskörpern, die Kurs auf die Insel nehmen. So konnte auch Ende Februar der Meteorit sofort entdeckt und verfolgt werden. Nur wenige Tage Suche waren notwendig, um mehrere Teile des Meteorits - die sind beim Eintritt in die Erdatmosphäre entstanden - in der Grafschaft Gloucestershire zu finden. Unter anderem in einer Einfahrt in Winchcombe.

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Die ansässige Familie hatte am Morgen nach dem Einschlag sofort das Meteoriten-Netzwerk angerufen, so konnte der Brocken nach nur zwölf Stunden geborgen werden. "Es ist eine großartige Sache, dass sie sofort erkannten, wie wichtig der Fund für die Wissenschaft sein könnte", sagte Katherine Joy National Geographic.

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