Brown und Brady: Katastrophen-Start nährt Zweifel

Stefan Schnürle
·Lesedauer: 4 Min.

Als Antonio Brown einen Pass für 15 Yards Raumgewinn fing, folgte bei ihm ein kurzer Freudenausbruch.

Was sonst völlig normal gewesen wäre, wirkte dieses Mal geradezu skurril, denn seine Tampa Bay Buccaneers lagen mit 0:31 gegen die New Orleans Saints hinten und seinen neuen Teamkollegen war alles andere als zum Feiern zumute. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse der NFL)

Doch angesichts dessen, wie desolat Browns Premierenspiel für die Buccaneers bis dahin verlaufen war, konnte er nicht anders, als sich zumindest über diese eine gelungene Aktion zu freuen.

Der Skandal-Profi wollte bei seinem Comeback unbedingt beweisen, dass er noch sehr hilfreich werden kann, wenn es in die heiße Phase der NFL-Saison geht - auch wenn sein erstes Spiel Zweifel daran aufwirft.

Brady und Brown harmonieren noch nicht

Vor allem vom erhofften starken Zusammenspiel zwischen Quarterback-Superstar Tom Brady und Brown, die im vergangenen Jahr schon einmal ein Spiel zusammen für die New England Patriots bestritten, war wenig bis nichts zu sehen.

Zum ersten Mal fand Brady seinen neuen Passempfänger Ende des ersten Viertels, aber nach einem zu kurz geratener Wurf des komplett von der Rolle agierenden Bradys konnte Brown eine Interception gerade noch verhindern.

"Ich muss sicherlich viel besser spielen. Wir haben nicht gespielt, wie wir spielen können. Jeder muss besser werden, das beginnt bei mir", sagte Brady, der sich erstmals seit der Saison 2011 wieder drei oder mehr Interceptions geleistet hatte.

Brady-Pass auf Brown führt zu Interception

Später half alles nichts mehr, als eine klare Fehlkommunikation mit Brown, der eine anderen Weg lief als Brady erwartet hatte, zu Bradys zweiter Interception des Spiels führte.

Insgesamt konnte Brown bei der 3:38-Klatsche gegen die Saints, die den Bucs die Spitzenposition in der NFC South kostete, drei der fünf Brady-Pässe fangen. Der Receiver brachte es damit auf 31 Yards.

In ihrem einzigen gemeinsamen Spiel bei den New England Patriots, bevor Brown wegen mehrerer Vergehen aus dem Team geflogen war, hatte er gegen die Miami Dolphins nach Brady-Pässen noch 56 Yards und einen Touchdown erzielen können.

"Wir sind alle sauer. Aber das ist jetzt zu spät. Wir haben ihnen dieses Spiel quasi überreicht", zeigte sich Bucs-Coach Bruce Arians nach der Partie enttäuscht von der Leistung seines Team.

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Buccaneers mit Negativrekord gegen Saints

Zwar sollte Browns enttäuschendes Comeback nach 14-monatiger Pause nicht überbewertet werden - doch dass die Buccaneers nach seiner Verpflichtung ihr offensiv schlechtestes Saisonspiel zeigen und mit nur fünf Laufversuchen einen NFL-Negativrekord aufstellen, hatte wohl niemand in Tampa Bay erwartet.

Zumal mancherorts ein Hype rund um Browns Verpflichtung entstanden war, als ob er der entscheidene Spieler für das ersehnte Ticket zum Super Bowl sei. Auch die Wettquoten auf einen möglichen Super-Bowl-Sieg Tampa Bays veränderten sich nach der Ankunft des Star-Receivers in Florida schlagartig. (SERVICE: Die Tabellen der NFL)

Doch wer Brown aus dem Spiel gegen die Saints ausklammert, wird feststellen, dass die Offense der Bucs auch anderweitig große Probleme offenbarte.

Die Leistungen ders Angriffs schwanken trotz sechs Siegen in neun Spielen enorm, was auch an der Auswahl der offensiven Spielzüge liegt. Erwischt dann auch Brady einmal einen schlechten Tag wie gegen die Saints, endet ein Spiel schnell in einem Debakel.

Brown lebt sogar bei Brady

Noch haben die Buccanneers genug Zeit bis zu den NFL-Playoffs, um diese Schwachstellen zu beheben. Die Kommunikation zwischen Brady und Brown sollte dabei das geringste Problem sein.

Damit Brown bei den Bucs zunächst nicht in einem Hotel schlafen muss - und wohl auch, damit der 32-Jährige keine Dummheiten anstellt -, darf er aktuell bei Superstar Brady wohnen. Die beiden NFL-Profis haben somit ausreichend Gelegenheit, an ihrer Abstimmung zu feilen.

Allerdings machte Bucs-Coach Bruce Arians seinem Neuzugang bei NBC auch schon mal klar, was passieren würde, wenn er nicht die gewünschte Mentalität auf das Feld bringt: "Wenn AB nicht den unbedingen Siegeswillen mitbringt, werden wir ein Problem haben."

Denn der Druck auf Brady und Brown wird nach dem Debakel gegen die Saints sicher noch größer werden. Mit den Carolina Panthers wartet als nächstes ein machbarer Gegner, den die Bucs im ersten Aufeinandertreffen mit 31:17 bezwungen haben.

Ein Sieg sollten Brady und Co. auch am Sonntag wieder einfahren, sonst könnte es in Tampa Bay sehr schnell ungemütlich werden.