Die Bryant-Tragödie - So trauern die USA um ihren Helden

Eric Böhm
Sport1

Angesichts dieser Tragödie rückt sogar der Super Bowl LIV erst einmal in den Hintergrund.

Eigentlich sollte in Miami am Montag die größte Party des Jahres starten. Traditionell beginnt die Hot Week vor dem größten Einzelsportereignis der Welt mit der bunten Media Night, aber Kobe Bryant ist allgegenwärtig. (NFL: Super Bowl zwischen Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers am 3. Februar ab 0.30 Uhr LIVE)

Zu groß ist die Leere, die der Superstar auch weit jenseits des Sports hinterlassen hat. Die NFL begann die erste große Interview-Session der Woche mit einer Schweigeminute für den mit nur 41 Jahren bei einem Hubschrauber-Absturz tödlich verunglückten Bryant.

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Aber schon vorher ist die Tragweite selbst am anderen Ende der USA zu spüren.


Auch Miami trauert um Bryant

Wenn man dem Officer bei der Einreise seinen Beruf mitteilt, kommt auch der ernste und meist nicht redselige Beamte sofort auf Kobe zu sprechen: "Man kann es gar nicht fassen."

Taxifahrer Yoenis, selbsternannter Superfan der Miami Heat, kommt gleich ins Schwärmen. "Wir hatten hier LeBron, aber Kobe war einzigartig. Ich habe ihn zweimal live spielen sehen und so bewundert. Es ist eine nationale Tragödie", erzählt der Sohn kubanischer Einwanderer und muss sichtlich schlucken.

Es weht im sonnigen Miami zwar keine Fahne auf Halbmast, aber man sieht gleich viele Bryant-Jerseys auf der Straße. Ähnlich wie Tennis-Star Nick Kyrgios bei den Australian Open wollen ihn die Leute ehren und ihm gedenken.

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Schweigeminute der NFL bei der Media Night

Auch bei der Media Night ist er unter den Spielern ein großes Thema. Star-Quarterback Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs erzählt, wie er noch heute YouTube-Videos der "Black Mamba" verschlingt: "Er hat einen großen Einfluss auf meinem Leben - auf jeden Fall."

So wie Mahomes geht es vielen jungen Amerikanern. Was die Politik - unter diesem Präsidenten wenig überraschend - nicht vermag, schafft einmal mehr der Sport: ein so unterschiedliches Land ist für kurze Zeit vereint – und sei es nur in der Trauer und Fassungslosigkeit.

So groß war der Einfluss des fünfmaligen NBA-Champions auf die US-Gesellschaft und Popkultur. Er war eine polarisierende Figur, aber jeder kannte ihn und die meisten hatten Respekt vor seinen sportlichen Leistungen. In den USA lieben sie schließlich Gewinner.


Kobe eint eine ganze Nation

Plötzlich geht es einmal nicht um liberal oder konservativ, um schwarz oder weiß, um arm oder reich, um Demokraten oder Republikaner oder auch Michael Jordan oder LeBron James.

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Aktuell sind wohl fast alle Amerikaner im Camp Kobe. Das spürt man in Miami ganz deutlich. Es wird wohl über die ganze Woche noch Respektsbekundungen für den großen Basketballer geben.

Es wird ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen sein, aber so hat Bryants tragischer Tod eine einende Wirkung auf die USA, auch wenn sie nur von kurzer Dauer sein dürfte.


"Dachte, Jungs wie er würden ewig leben"

Am besten drückte es Chiefs-Safety Tyrann Mathieu aus: "Ich dachte immer, Jungs wie er würden ewig leben."

In gewisser Weise stimmt das sogar. Kobe Bryant hat sich mit seinen Titeln, Rekorden, seinem unvergessenen 81-Punkte-Spiel in Toronto, das sich vergangene Woche zum 14. Mal jährte, und seiner schillernden Art und Persönlichkeit tatsächlich unsterblich gemacht.

Sein viel zu früher Tod wird ihn nun - speziell in den USA - zum Mythos machen. Das ist schon jetzt in dem Land, das seine Sportidole ganz besonders verehrt, überall zu spüren.

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