"Buchmörder" spaltet die Twitter-Gemeinde

Johannes GieslerFreier Autor
Yahoo Nachrichten Deutschland
Manche Bücher sind zu schwer, um sie zu schleppen und unterwegs zu lesen. Ein Twitter-Nutzer hat dafür eine ungewöhnliche Lösung. Foto: Symbolbild / gettyimages / Sergey Tinyakov
Manche Bücher sind zu schwer, um sie zu schleppen und unterwegs zu lesen. Ein Twitter-Nutzer hat dafür eine ungewöhnliche Lösung. Foto: Symbolbild / gettyimages / Sergey Tinyakov

Einem Twitter-Nutzer sind lange Bücher zu schwer, um sie jeden Tag zur Arbeit mitzunehmen. Deshalb, weil er sie auf dem Weg sonst gar nicht lesen würde, schneidet er die Wälzer in der Mitte durch. So muss er nur das halbe Gewicht schleppen. Twitter fragt sich nun: Ist das genial oder schrecklich?

Der Twitter-Nutzer Alex Christofi hat das Wörtchen „Lifehack“, also ein nützlicher Alltagskniff, wohl etwas zu wörtlich genommen. In einem Tweet vom Dienstag hat der Autor und Verlagsmitarbeiter aus London eine ganz eigene Lösung präsentiert, wie er dicke und schwere Bücher „transportabel“ macht, um sie beim täglichen Pendeln zu lesen: Er schneidet sie einfach in der Mitte durch. Dafür haben ihn seine Kolleginnen und Kollegen als „Buchmörder“ bezeichnet. Wohl überrascht von dieser Reaktion, fragte er deshalb Twitter: „Handhabt das sonst noch jemand so wie ich? Oder bin ich damit allein?“

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Dazu hat Christofi ein Bild dreier Bücher veröffentlicht, die alle sauber entlang des Buchrückens durchtrennt sind. Als „Deckblätter“ für die nun offene Buchmitte hat er zwei Kartonseiten zurechtgeschnitten und mit Klebeband befestigt.

Von der Selbstüberschätzung, zu lange und schwere Bücher zu schreiben

Sein Tweet wurde innerhalb weniger Stunden viral. Mittlerweile stehen darunter über 15.000 Antworten, er gefällt zudem knapp 50.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Dabei lassen sich die Reaktionen grob in zwei Lager einteilen: Die eine Twitter-Hemisphäre findet den Lifehack großartig und kann das zugrundeliegende Problem schwerer Bücher nachvollziehen. Eine Nutzerin etwa schreibt, dass sie „absolut einverstanden damit ist“, ein Buch zu teilen. Das würde außerdem die Hybris der Autorinnen und Autoren, die viel zu lange Werke verfassten, zurechtstutzen.

„Das Ganze kam mir erst wie eine schlechte Idee vor. Dann habe ich the ‚Book of Dust‘ neben meinem Bett auf dem Nachttisch gesehen, das dort seit zwei Monaten unberührt liegt, weil es zu dick ist, um es mitzuschleppen“, stimmt eine andere Nutzerin zu.

Ein weiterer Nutzer hat sogar einen Verbesserungsvorschlag für Christofis Praxis: Anstatt leere und graue Kartonseiten als provisorischen Einband zu nutzen, sollte er stattdessen „Autowerbung aus Magazinen“ ausschneiden und aufkleben. Dann könne er anderen erzählen, dass die Geschichte gerade eine Werbepause mache.

Viele halten das Zerschneiden aber auch für grauenvoll

Die andere Twitter-Hemisphäre hingegen sieht darin vielmehr ein Verbrechen an der Kunst des Schreibens. Eine Nutzerin, die beim gleichen Verlag wie Christofi arbeitet, schreibt: „Ich hasse alles daran.“

Eine andere Nutzerin vergleicht das Zerschneiden eines Buches mit Terrorismus.

Andere haben mehr oder wenige praktische Fragen. Wie diese hier: „Wieso schneidest du das Buch der Länge nach und nicht horizontal auf?“ Oder: „Wie machst du das mit den Fußnoten in ‚Infinite Jest‘?“ Der Roman, im Deutschen unter „Unendlicher Spaß“ erschienen, hat knapp 400 Fußnoten – die die zahlreichen Figuren und Handlungsstränge erklären. Sie stehen allerdings am Ende des Werkes. Doch auch dafür hat Christofi eine (selbstgebastelte) Lösung:

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, aber...

Christofi hat die große Twitter-Aufmerksamkeit zudem für einen Aufruf genutzt. Er schreibt: „Ich will nicht euer Geld, stattdessen möchte ich das Rampenlicht nutzen, um zu sagen: Der Roman ‚Middlesex‘ ist großartig. Und lest mehr diverse Bücher. Die Welt ist groß und spannend.“

Die ganze Aufregung fasst zuletzt noch folgender Tweet recht passend zusammen: „Wieso hängen alle Menschen so sehr an den Büchern, die sie kaufen? Reißt doch den Einband auf, kleckert Zeug drauf, knickt Eselsohren rein, wen kümmert das, solange ihr nur lest? Den meisten Menschen ist es doch wichtiger, dass ihre Bücher im Schrank stehen und gesehen werden, anstatt sie einfach nur zu lesen.“

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