Wer in der Bundesliga über Spielabsagen entscheidet

Lukas von Hoyer
Sport1

Am Montagabend wurden die Befürchtungen um einen Gau im italienischen Fußball Realität: Die Serie A wird wegen der fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus bis Anfang April unterbrochen.

Zuvor hatte die Spielergewerkschaft einen Brief an den italienischen Sportminister Vincenzo Spadafora geschickt, in dem sie um die Aussetzung der Liga gebeten hatten. Der Politiker hatte dies unterstützt und wenig später wurde in einer Krisensitzung von Italiens Nationalen Olympischen Komitees (CONI) letztlich die drastische Maßnahme entschieden.


Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Nun stellt sich die Frage, ob auch in Deutschland ein derartiges Horrorszenario denkbar ist. Die DFL will davon bislang nichts wissen.

Es stehe "außer Frage, dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln. Nur so erhalten Clubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Spielzeit Planungssicherheit", hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert mitgeteilt.

Doch kann Seifert das überhaupt entscheiden?

DFL ist nicht allein entscheidungsbefugt

Klare Antwort: Nein.

Die DFL könnte Bundesligaspiele auf eine dringende Empfehlung hin absagen, Spielabsagen verhindern kann die Organisation allerdings nicht. Über diese können auch der Veranstalter (der jeweilige Heimverein) und vor allem die Gesundheitsämter der Bundesländer und Gemeinden entscheiden.

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIG

Der aktuelle Stand ist, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bundesländer am Montag erneut ermutigte, Großveranstaltungen abzusagen. Im Sport gilt die Linie, dass alle Spiele und Wettkämpfe, bei denen sich über 1000 Zuschauer einfinden würden, vor leeren Rängen auszutragen sind, wenn sie nicht gleich ganz abgesagt werden sollten. Die endgültige Entscheidung liegt aber bei den Bundesländern. (zum Corona-Ticker: Alles Infos zur aktuellen Situation für den Sport)

Regionale Entscheidungen sorgen für Verwirrung

Die regionale Entscheidungsmacht ist der Grund, warum nicht ganze Spieltage zu "Geisterspieltagen" erklärt werden, wie es nun in Spanien beschlossen wurde. In LaLiga finden die nächsten zwei Spieltage vor leeren Rängen statt.

Das Spitzenspiel der 2. Bundesliga zwischen dem VfB Stuttgart und Arminia Bielefeld fand hingegen vor über 50.000 Zuschauern statt. Das sorgte vielerorts für Verwunderung. 

In Nordrhein-Westfalen ist das nicht denkbar, denn NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wird Spahns Empfehlungen folgen.

Die erste sichtbare Konsequenz ist, dass das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch ohne Zuschauer stattfinden wird. Es wird als erstes "Geisterspiel" der Bundesliga in die Geschichte eingehen.

Das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke ereilt am Samstag das gleiche Schicksal.

Auch FC Bayern vor Geisterspielen

In Bayern soll die Situation genauso gehandhabt werden wie in NRW. Die bayerische Staatsregierung hat wie erwartet Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern zunächst bis Ende der Osterferien (einschließlich 19. April) untersagt.

Jetzt aktuelle Fanartikel der Bundesliga bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

Der FC Bayern wird das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in der nächsten Woche gegen den FC Chelsea entsprechend ebenfalls ohne Zuschauer bestreiten müssen. Weitere Geisterspiele sind wohl nicht abzuwenden.

Lesen Sie auch