Bundesliga: Davies-Gala gegen den BVB: Die "Maschine" macht Dampf

Alphonso Davies wurde in Bayerns Hintermannschaft vor dem Duell mit Borussia Dortmund zur Schwachstelle erklärt. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte.
Alphonso Davies wurde in Bayerns Hintermannschaft vor dem Duell mit Borussia Dortmund zur Schwachstelle erklärt. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte.

Alphonso Davies wurde in Bayerns Hintermannschaft vor dem Duell mit Borussia Dortmund zur Schwachstelle erklärt. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte.

Mit schwarzem Kapuzenpulli und extravaganten Gucci-Sneakern an den Füßen schlenderte ein ganz besonderer Gast am Samstagabend durch die Mixed-Zone der Allianz Arena. Franck Ribery, der aktuell in der Serie A eine Rotsperre absitzt, war anlässlich des Top-Spiels zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund in der alten Heimat aufgeschlagen.

Nein, er wolle nicht sprechen, gab der Franzose den Reportern schnell zu verstehen. Für eine Frage nahm er sich dann allerdings doch Zeit: "Wie bewerten Sie die Leistung von Alphonso Davies?" Der 19-Jährige habe seine "Sache sehr gut gemacht", lobte der Routinier. "Er ist noch sehr jung und unerfahren, aber er hat viel Potenzial." Mit dieser Meinung stand Ribery nicht alleine da, im Anschluss an das 4:0 der Münchner gegen die Schwarz-Gelben war man sich weitestgehend einig, dass der Youngster aus Kanada ein vortreffliches Spiel abgeliefert hatte.

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Ausgerechnet Davies, der noch im Vorfeld der Begegnung - auch medial - als Schwachstelle in der Viererkette des Rekordmeisters ausgemacht worden war. Der Tenor: BVB-Wirbelwind Jadon Sancho werde seinem Altersgenossen das Leben richtig schwermachen. Tatsächlich versuchten die Gäste ihr Offensivglück in den ersten Minuten vornehmlich über die rechte Seite, auf der Achraf Hakimi und eben Sancho positioniert waren. Eine taktische Marschroute, die nicht sonderlich überraschte.

Was hingegen sehr wohl überraschte, war die Art und Weise, wie souverän Davies seinen namhaften Kontrahenten begegnete. Aggressiv im Zweikampf, enorm aufmerksam, stets einen Schritt schneller. Der Aushilfs-Linksverteidiger brachte Sancho dermaßen zur Verzweiflung, dass Dortmunds Trainer Lucien Favre sich nach nur 36 Minuten gezwungen sah, den schwachen Rechtsaußen vom Feld zu nehmen. Bei der Pressekonferenz bestätigte der Coach, dass nicht die Muskelverletzung, an der der Engländer unter der Woche laboriert hatte, den Ausschlag gab: "Er war einfach nicht gut genug."

Alphonso Davies: Bester Zweikämpfer auf dem Platz

Daran hatte Davies einen erheblichen Anteil. Mit 84 Prozent gewonnener Zweikämpfe nach 90 Minuten verbuchte er die mit Abstand beste Quote aller Akteure auf dem Rasen, zudem brachte der Linksfuß rund 94 Prozent seiner Zuspiele an den Mann. Dementsprechend schwärmten die Verantwortlichen nach der Partie von der Leistung des Rohdiamanten. "Er wird weltklasse", gab beispielsweise Präsident Uli Hoeneß bei Sport1 zu Protokoll, Neu-Trainer Hansi Flick attestierte Davies "enormen Speed" und eine geschickte Zweikampfführung.

Auch die Teamkollegen zeigten sich angetan vom Auftritt ihres Jüngsten. "Das ist absolutes Top-Niveau. Er hat dank seiner Athletik und Schnelligkeit die körperlichen Voraussetzungen, um jeden Spieler einzuholen. Da ist es völlig egal, ob seine Gegenspieler Hakimi oder Sancho heißen", sagte Joshua Kimmich auf Nachfrage von SPOX und Goal. Der Nationalspieler schob nach: "Aber auch mit dem Ball agiert er gut. Er hat die nötige Ruhe und findet immer wieder Lösungen. Auf Dauer wird er sich sicherlich mehr trauen, auch in der Offensive Akzente zu setzen."

Leon Goretzka: Davies ist "eine absolute Maschine"

Kapitän Manuel Neuer hob hervor, dass Davies, der in den vergangenen fünf Spielen jeweils über die volle Distanz die Linksverteidiger-Position bekleidete, selbst beim Debakel in Frankfurt (1:5 aus Bayern-Sicht) noch zu den wenigen Lichtblicken des FCB zählte: "Er war noch einer derjenigen, die sich okay verhalten haben", sagte der Keeper, ehe Leon Goretzka die Lobeshymnen vervollständigte: "Er hat ein super Spiel gemacht. Dass das Potenzial da ist, wussten wir alle. Er ist eine absolute Maschine." Eine Maschine, die mächtig Dampf machte.

Dass Davies seine Qualitäten zuletzt vermehrt unter Beweis stellen durfte, hängt sicherlich mit der prekären Personalsituation in Bayerns Defensive zusammen. Mit Lucas Hernandez, der aktuell an einem Innenbandriss am Sprunggelenk laboriert und den am Kreuzband verletzten Niklas Süle fallen gleich zwei potenzielle Stammspieler langfristig aus, zudem holte sich mit Jerome Boateng ein weiterer gelernter Innenverteidiger in Frankfurt eine Rote Karte.

Gezwungenermaßen war also vor allem in den vergangenen beiden Spielen gegen Olympiakos und Dortmund das Improvisationstalent von Flick gefragt. Der ehemalige Co von Bundestrainer Joachim Löw zog David Alaba in die Mitte, an die Seite von Javi Martinez. Benjamin Pavard rückte für den im Mittelfeld eingesetzten Kimmich auf die rechte Defensivseite. Davies, eigentlich ausgebildeter Offensivmann, komplettierte die Not-Kette auf links.

Niko Kovac setzte im Sommer bereits auf Davies als Linksverteidiger

Allzu fremd war Davies die Aufgabe jedoch nicht. Bereits im Sommer-Trainingslager in den USA hatte Niko Kovac das Top-Talent ebenda ausprobiert und im Nachgang für linksverteidigertauglich befunden. In der Bundesliga durfte er unter dem Kroaten, der vor etwas mehr als einer Woche seinen Posten räumte, ebenfalls immer mal wieder für einige Minuten als Linksverteidiger ran.

Über einen einigermaßen langen Zeitraum als Stammkraft eingesetzt zu werden, ist für Davies jedoch ein Novum. Klar also, dass in München schon gemutmaßt wird, dass die Bayern nach vielen Jahren des Alaba-Monopols auf jener Position endlich einen adäquaten Kandidaten formen. Der Österreicher, der Davies noch jüngst Karrieretipps in der Sauna gab, erklärte mit Blick auf die gute Entwicklung des Juwels. "Das ist durchweg positiv. Phonzie hat das richtig gut gemacht."

Klar liegen Vergleiche zwischen Davies und Alaba alleine aufgrund der Position und der spielerischen Veranlagung auf der Hand. Damit wurde auch Ehrengast Ribery konfrontiert. Ob Davies ihn an den jungen David Alaba erinnere, wurde die Bayern-Ikone gefragt. Ein Lachen und ein Schulterzucken, mehr war diesbezüglich nicht aus dem 36-Jährigen herauszuholen, ehe er mit seinem schwarzen Kapuzenpulli in die Dunkelheit entschwand.

Alphonso Davies im Steckbrief

Geburtstag

2. November 2000

Geburtsort

Buduburam, Ghana

Position

Mittelfeld, Linksverteidiger

Starker Fuß

Links

Profivereine

Vancouver Whitecaps, FC Bayern

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