Bundesliga: So rechtfertigt Kalou sein Skandal-Video

SPOX

hat Salomon Kalou sich selbst, seinen Klub Hertha BSC und die Wiederaufnahme-Pläne der Bundesliga stark beschädigt. Eigentlich passt das gar nicht zu ihm.

Am vergangenen Freitag gab Salomon Kalou bei BBC Sport Africa ein Interview, das mittlerweile deutlich interessanter ist, als es bei Publikation am vergangenen Freitag noch war. Es ging natürlich um Corona und die anvisierte Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs, es ging um Hygiene- und Abstandsvorgaben. Und Kalou, das kam deutlich rüber, hatte da so seine Zweifel.

Wieder mit dem Fußballspielen anzufangen werde "ein kleines bisschen schwierig", sagte Kalou damals. "Fußball ist ein Kontaktsport. Ich bin sehr gespannt, mit welchen Regeln wir dann spielen werden." Er hoffe, dass "alle Maßnahmen" getroffen werden, um sicher spielen zu können, denn: "Die Gesundheit ist das wichtigste." Er und seine Mitspieler würden natürlich versuchen, Distanz zu halten, sagte Kalou noch: "Ich weiß aber nicht, wie lange wir das hinbekommen. Denn am Ende des Tages muss man Kontakt haben und schaffen, um Fußball zu spielen."

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Salomon Kalous Beweggründe sind schleierhaft

Bis zum Ende des Tages dauerte es dann noch genau drei Nächte. Das Ende des Tages war der Montagmittag, als Kalou rund 25 Minuten seines Lebens bei Facebook live übertrug. Man sah ihn Grimassen schneiden und lautstark "Coronavirus!" rufen. Man sah ihn aber vor allem, jegliche Hygiene- und Abstandsvorgaben ignorieren: Er begrüßte Mitspieler per Handschlag und betrat Räume, die er nicht betreten durfte.

, die DFL bezeichnete sein Verhalten als "absolut inakzeptabel" und mittlerweile hat sich sogar schon .

Kalou ist 34 Jahre alt und die Hälfte seines Lebens Profifußballer. Er musste damit rechnen, dass sein Verhalten diese Konsequenzen haben wird. Umso schleierhafter sind seine Beweggründe. War es pure Dummheit? Langeweile? Oder - gerade in Hinblick auf seine Aussagen vom Freitag - gar eine geplante Aktion, um darauf aufmerksam zu machen, wie problemlos alle Vorgaben ignoriert werden können? Ein Weckruf, bevor es zu spät ist, sozusagen.

Zumindest letztere Version schloss er mit seinem Erklärungsversuch aus. "Das Video hätte ich niemals machen dürfen. Es war respektlos und dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen", sagte Kalou am Dienstag dem Spiegel und betonte: "Aber ich bin mehr als diese fünf schlechten Minten, die man dort von mir in der Kabine sieht." Kalou verwies auf seine Stiftung, mit der er in seinem Heimatland Elfenbeinküste beim Kampf gegen das Coronavirus helfe: "Wir haben Krankenwagen finanziert, Krankenhausbetten auch. Wir haben Videos aufgenommen, in denen ich den Menschen erkläre, warum sie zu Hause bleiben müssen."

Salomon Kalous Karriereweg zu Hertha BSC

Sein verantwortungsloses Verhalten während des Videos passt tatsächlich eigentlich so gar nicht zum Typen Kalou, dessen bisherige Karriere ohne Skandale auskam. Kalou übersiedelte einst mit 17 Jahren aus der Elfenbeinküste in die Niederlande, wo er für Feyenoord Rotterdam und kurzzeitig per Leihe für den Stadtrivalen Excelsior spielte. 2005 wurde er zum größten Talent der Liga gekürt. Bondscoach Marco van Basten wollte ihn sogar für die WM 2006 nominieren, doch die Einbürgerungsversuche scheiterten.

Im selben Sommer wechselte Kalou zum FC Chelsea und obwohl der Klub in der Folge Jahr für Jahr neue Stars verpflichtete, kam er stets an seine Spielanteile. "Ich bin ein Fußsoldat und deren Arbeit nehmen die Leute kaum wahr", sagte Kalou. Er spielte also und fiel kaum auf, außer beim Champions-League-Finale 2012 gegen den FC Bayern wegen einer komischen Spinnen-Frisur. Genau wie beim verlorenen Endspiel gegen Manchester United vier Jahre zuvor stand Kalou auch beim Triumph in München in der Startelf.

Nach dem Finalsieg - und nach 254 Pflichtspielen und 104 Scorerpunkten - verließ Kalou Chelsea und wechselte zum OSC Lille, wo er in zwei Jahren eine noch bessere Quote erreichte. Weil der Klub in finanzielle Schwierigkeiten geriet, musste der damals 29-jährige Kalou jedoch gehen. Und die Hertha schlug für rund 1,8 Millionen Euro zu.

Salomon Kalou zählt zu den "reflektiertesten Profis bei Hertha"

Trotz seiner erfolgreichen Vergangenheit trat Kalou in Berlin von Beginn an bescheiden auf. "Keine Allüren, keine Hochnäsigkeit, stattdessen gab sich Kalou offenherzig und nahbar, begegnete seinen Mitmenschen freundlich und respektvoll, lebte so Werte vor, die in der Glitzerwelt des Fußballs leicht auf der Strecke bleiben", heißt es in einem Artikel der Berliner Morgenpost. Kalou zähle zu den "reflektiertesten Profis bei Hertha".

Bei den Fans ist er beliebt und auch in der Mannschaft, die er vergangenes Jahr sogar zeitweise als Kapitän auf den Platz führte. Deutlich wurde das vor allem in der laufenden Saison, als er erstmals während seiner Zeit bei der Hertha nicht zum erweiterten Stammpersonal zählte. Erst setzte ihn Ante Covic auf die Bank, dann empfahl ihm Jürgen Klinsmann einen Vereinswechsel und stellte ihn vom Mannschaftstraining frei ("zu alt und satt, kein Mehrwert"), woran sich auch unter dessen Nachfolger Alexander Nouri zunächst nichts änderte. Kalou beklagte sich nicht, forderte öffentlich nur "Respekt" ein.

Der Mannschaftsrat setzte sich für seine Rückkehr ein

Ende Februar setzte sich der Mannschaftsrat vehement für eine Rückkehr Kalous ein, woraufhin er von Nouri begnadigt wurde. "Es zahlt sich aus, wenn du immer gut zu deinen Mitspielern bist", sagte Kalou damals. Helfen wolle er zunächst vor allem mit seinem Lächeln: "Das vermissen sie in der Kabine am meisten. Ich will meinen Mitspielern positive Schwingungen geben, damit sie am Freitag in Düsseldorf gewinnen."

Das klappte damals zwar nicht, aber immerhin machte die Hertha in Düsseldorf aus einem 0:3 noch ein 3:3. Kalou selbst kam nicht zum Einsatz und auch nicht beim darauffolgenden 2:2 gegen Werder Bremen. Dann kam die Coronakrise, dann kam das Facebook-Live-Video. Kalous Vertrag bei der Hertha läuft im Sommer aus und wird nach den Vorkommnissen vom Montag wohl kaum verlängert werden. In der selbst verschuldeten Suspendierung erlebt er nun also ein unrühmliches Ende seiner Zeit in Berlin.

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