Bundesliga: BVB-Erkenntnisse: Akanji zeigt Formanstieg

SPOX

Nachdem die Konkurrenten RB Leipzig, Gladbach und Bayer Leverkusen allesamt nicht gewannen, ist Borussia Dortmund am 30. Spieltag der Bundesliga ein Big Point im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation gelungen. Die fünf BVB-Erkenntnisse des 1:0-Heimsiegs gegen Hertha BSC.

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BVB mit zweitbester Rückrunde der Vereinsgeschichte

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Wenn da nicht die Bayern wären... Borussia Dortmund ist nach den verpassten Erfolgen der Konkurrenten aus Leipzig, Gladbach und Leverkusen nicht nur ein Big Point im Kampf um die direkte CL-Qualifikation gelungen - der BVB bestätigte auch seine starke Form im Jahr 2020.

Dortmund gewann nun acht der vergangenen neun Spiele und elf der bislang 13 Rückrundenpartien. In der Tabelle dieser Spiele belegen lediglich die unaufhaltsamen Bayern mit 37 Punkten einen besseren Platz. Die 33 Zähler der Schwarzgelben sind fünf mehr als die drittplatzierte Werkself in diesem Zeitraum eingesammelt hat. Eben gegen diese beiden Mannschaften hat der BVB in der Rückrunde verloren.

Insgesamt spielt die Borussia zum jetzigen Zeitpunkt somit die zusammen mit der Saison 2015/16 zweitbeste Rückrunde der Vereinsgeschichte und hat damit auch schon drei Punkte mehr geholt als in der gesamten Hinrunde. Einzig in der Meistersaison 2011/12 war man nach 13 Rückrundenspielen mit 35 Punkten noch besser. Am Ende kam Dortmund vor acht Jahren auf 47 Zähler in 17 Spieltagen - diese Bestmarke wird also bestehen bleiben.

BVB mit 81 Saisontoren nach 30 Partien - neuer Vereinsrekord

Ein Rekord fiel jedoch beim 1:0 gegen Hertha BSC: Siegtorschütze Emre Can erzielte das 81. Saisontor der Westfalen. So viele waren es nach 30 Bundesligaspieltagen noch nie in der Vereinsgeschichte. 55 Buden davon markierte man übrigens in Halbzeit zwei - Ligahöchstwert.

Alles besser als im Vorjahr also? Diese Frage muss für den Moment verneint werden. 2018/19 hatte der BVB am 30. Spieltag sechs Punkte mehr auf dem Konto, auch dank der vorzüglichen ersten 17 Spiele. Insgesamt kam Dortmund im Vorjahr auf 76 Zähler. Gewinnt das Team von Lucien Favre die letzten vier Begegnungen, liefe man bei 75 Punkten ein.

Die wichtigste aller Nachrichten war am Samstagabend jedoch freilich der Heimerfolg und die nun sieben Zähler Vorsprung auf Gladbach sowie das Fünftplatzierte Leverkusen. Gerade nach den beiden kommenden Partien in Düsseldorf und gegen Mainz sollte der Borussia die direkte Teilnahme an der Königsklasse nicht mehr zu nehmen sein.

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BVB stellt sich trotz erneuter Verfehlungen hinter Jadon Sancho

Michael Zorc sprach auf der Pressekonferenz vor dem Hertha-Spiel das aus, was wohl viele Beobachter denken, die nicht der aktuellen Generation Bundesligaspieler entspringen. Der Sportdirektor sagter, er werde es nie verstehen, wieso man Bilder von einem Friseurbesuch im Internet postet.

Jadon Sancho jedoch tat dies in der Vergangenheit wie viele seiner Kollegen und er tat es auch in der vergangenen Woche wieder. Das Problem: Auf den Bildern trugen weder sein Barbier noch er selbst einen Mund-Nase-Schutz. Das ist laut der für die Spieler geltenden DFL-Hygieneregeln genauso nicht erlaubt wie die Tatsache, dass Sancho den Friseur im Eigenheim empfing.

Die folgerichtige Geldstrafe, die ihm die Liga anschließend aufbrummte, kommentierte der Engländer schließlich uneinsichtig bei Twitter: "Absoluter Witz DFL". Dass er wenig später zur Einsicht kam und diesen Witz wieder löschte, wird dann wohl nicht seine eigene Idee gewesen sein...

Ein paar Stunden zuvor hatte Zorc noch demütig versucht, die Wogen zu glätten und auf ein klärendes Gespräch mit Sancho sowie ein paar seiner ebenfalls frisch geschorenen Mitspieler verwiesen. Dass dies, wie Sanchos Tweet belegte, nicht ganz gefruchtet hat, ist die eine Sache. Bemerkenswerter war vielmehr der Schulterschluss, den die Dortmunder Verantwortlichen mit ihrem Topscorer übten.

Emre Can findet für Sanchos Verhalten deutlichere Worte

"Ich stehe zu 100 Prozent hinter Jadon", versicherte am Donnerstag bereits Trainer Favre. Auch Zorc hielt ein Plädoyer dafür, Sancho für sein Verhalten nicht zu sehr an den Pranger zu stellen: "Ich kann nur davor warnen, das permanent an nur einem Spieler festzumachen. Es haben sich auch andere Spieler die Haare schneiden lassen. Jadon ist nicht nur ein außergewöhnlicher Fußballer, der auf dem Platz auffällig ist, sondern ab und zu auch außerhalb des Platzes. Das ist manchmal auch nicht einfach für uns. Aber wir versuchen, das zu handhaben. Wir arbeiten mit ihm und seinem Management daran. Aufzugeben ist für uns keine Option."

Diese Rückendeckung seitens der Vereinsführung gab es für Sancho bei seinen früheren Verfehlungen noch nicht. Der mit 17 Treffern beste Torschütze des BVB wurde Ende Oktober sanktioniert und aus der Startelf beim Auswärtsspiel in Barcelona gestrichen, weil er unpünktlich zur Mannschaftssitzung kam. Nur einen Monat später strich ihn Favre aus dem Kader, weil Sancho einen Tag zu spät von einer Länderspielreise zurückkam.

Einzig Mitspieler Can fand deutlichere Worte, weshalb es dem 20-Jährigen in offenbar regelmäßigen Abständen an der nötigen Disziplin mangelt. "Bei solchen Dingen muss er einfach schlauer sein und erwachsener werden. Solche Fehler darf er sich in Zukunft nicht mehr leisten", sagte Can. "Man muss Jadon führen. Er ist ein super Junge, auch außerhalb des Platzes. Er macht das nicht extra, um für einen Skandal zu sorgen. Vielleicht vertraut er in manchen Dingen zu viel anderen Menschen."

Seite 3: BVB-Innenverteidiger Manuel Akanji zeigt deutlichen Formanstieg

 

BVB-Innenverteidiger Akanji zeigt deutlichen Formanstieg

"Manchmal sind die Spieler ab August schon in Topform, andere Spieler erst im Oktober", beschwichtigte Favre Mitte der Hinrunde noch. Angesprochen wurde der Coach damals auf die Leistungsdellen vieler seiner Spieler.

Besonders hervor tat sich Manuel Akanji, dem SPOX damals einen Artikel mit der Überschrift "" widmete. Der Innenverteidiger wurde von Favre zwar ständig eingesetzt und auch von einem Bänder-Teilriss im linken Sprunggelenk nicht ausgebremst, doch er leistete sich Aussetzer in erstaunlicher Regelmäßigkeit.

Akanji gewinnt gegen Hertha jeden seiner Zweikämpfe

Der Schweizer, der in der Vorwoche ebenfalls für ein unmaskiertes Friseurbild blechen musste, agierte in der Hinrunde häufig leichtsinnig, schwach in der Antizipation und beging teils spielentscheidende Fehler. Von Stabilität war nichts zu sehen. Vor der Corona-Pause kam er schließlich dreimal nur von der Bank.

Das hat sich nun geändert. Gerade seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs hat sich Akanji stabilisiert und lieferte fünf sehr ordentliche Partien ab. Am Samstagnachmittag gegen Hertha wurde er von SPOX zum Star des Spiels gewählt.

Der 24-Jährige gewann gegen die Berliner nicht nur jeden seiner acht Zweikämpfe und wies damit die beste Quote aller Dortmunder auf, er bewies vor allem Sicherheit in seinen Aktionen und spielte dazu einige gute Verlagerungen nach vorne. Seine gesamte Körpersprache wirkt mittlerweile deutlich selbstbewusster.

Vielleicht hat das auch etwas mit Aayden Malik Adebayo zu tun. Vor rund einem Monat wurde Akanjis erster Sohn geboren.

Seite 4: Dortmund sollte einen Stürmer hinter Erling Haaland holen

 

Der BVB sollte einen Stürmer hinter Erling Haaland holen

Trainer Favre ist garantiert nicht für Übertreibungen bekannt. Vor der Partie gegen die Hauptstädter gab er jedoch an, am vergangenen Sonntag gegen Paderborn fünf BVB-Torchancen in der ersten Halbzeit gezählt zu haben.

Das wird wohl Definitionssache sein, die torlosen ersten 45 Minuten in Ostwestfalen waren offensiv jedenfalls keine Glanzleistung der Favre-Elf. Zwar fielen im zweiten Durchgang dann sechs Treffer - so viele schaffte noch kein Dortmunder Team in einer Halbzeit -, eine Grundproblematik bleibt dennoch bestehen.

Und sie zeigte sich in Großteilen auch gegen Hertha: Dem BVB fehlt ein echter zweiter Stürmer. Nachdem Erling Haaland im Spitzenspiel gegen die Bayern mit dem Schiedsrichter zusammenprallte und in diesen beiden vergangenen Partien ausfiel, agierten vor allem Thorgan Hazard und Julian Brandt in vorderster Front. Gegen tief stehende Gegner wie den SCP oder die Hertha keine Ideallösung, um einer dichten Abwehrformation mit Wucht und Durchschlagskraft zu begegnen.

Stürmer-Backup: Dieser Spielertyp wäre für den BVB ideal

Brandt verlor dazu wie von ihm gewohnt offene Worte: "Natürlich leide ich. Es war schon gegen Paderborn ähnlich. Wenn Gegner tief stehen und sehr gut verteidigen, beißt man sich ab und zu die Zähne aus. Mir ist es lieb, wenn einem mehr Räume geboten werden." Auch Favre merkte an: "Es ist schwer für ihn. Er lernt, er ist noch sehr jung. Man vergisst das."

Laut einem Bericht der Bild ist man beim BVB auch gewillt, dieses schon längere Zeit bestehende Loch im Kader in der nächsten Saison zu füllen. Ideal wäre dabei ein Spieler, der zwar physisch stark ist und seinen Torriecher auch schon nachgewiesen hat, aber keinen Haaland-Clon darstellt.

Vielmehr bräuchte Dortmund jemanden, der im mittlerweile bewährten System auf allen drei Offensivpositionen einsetzbar wäre. Dies wurde helfen, dem Spieler regelmäßige Einsatzzeit geben zu können und auch die Erwartungshaltung zu drosseln, sollte er einmal als Eins-zu-eins-Ersatz für Haaland in der Sturmspitze auflaufen.

Auf die Lösung mit Brandt und Hazard muss Favre aller Voraussicht nach zumindest am nächsten Wochenende nicht mehr zurückgreifen. Haalands Vater Alfie gab im norwegischen Fernsehen bekannt, dass sein Sohn gegen Düsseldorf wohl wieder eingreifen kann.

Seite 5: Mateu Morey ist zurück - deutet sein Potential an

 

Mateu Morey ist zurück - und deutet erneut sein Potential an

Der Neuzugang, dessen Name im vergangenen Sommer angesichts der hochkarätigen Konkurrenten etwas unterging, ist Mateu Morey. Der Spanier kam aus der Jugend des FC Barcelona nach Dortmund und hatte anschließend recht viel Pech.

Morey absolvierte eine blitzsaubere Vorbereitung, gehörte zu den auffälligsten Spielern und hätte beim Duell um den Supercup gegen den FC Bayern sein Pflichtspieldebüt für den BVB gefeiert. Doch bei einem Testspiel in St. Gallen fiel der Rechtsverteidiger in der Schlussphase ohne Fremdeinwirkung so unglücklich hin, dass er sich die Schulter ausrenkte.

Zwei Monate später kam es in der U23 zu seinem Comeback, aufgrund eines in Katalonien zugezogenen Meniskusrisses war es sein erstes Pflichtspiel seit 15 Monaten. Insgesamt riss er für die BVB-Amateure elf Partien ab und stand schon vor der Corona-Pause zwölf Mal im Kader der Profis.

Die Unterbrechung der Liga kam daher zur Unzeit für den gebürtigen Mallorquiner. Doch seitdem nahm ihn Favre immer ins Aufgebot und belohnte seine Bemühungen der letzten Monate gegen Paderborn. "Ein Traum wird wahr", sagte Morey nach seinem Bundesligadebüt, in dem er erstaunlich effektiv war.

Der 20-Jährige gewann jeden seiner drei Zweikämpfe, brachte alle drei Pässe an den Mann und bereitete das 6:1 durch Sancho vor. Auch vor Marcel Schmelzers 5:1 half er mit einem erfolgreichen Dribbling mit - in lediglich drei Spielminuten trotz des sich ergebenden Gegners eine durchaus bemerkenswerte Bilanz.

Morey-Perspektive beim BVB hängt auch von Meunier ab

"Der Auftritt von Mateu war die wohlverdiente Belohnung für seine harte Arbeit. Und auch wenn es nur ein kurzer Einsatz war und wir schon geführt haben, als er eingewechselt wurde, hat er seine Arbeit gut gemacht. Er wurde nicht nervös und setzte seine Ballfähigkeiten gut ein", lobte Zorc.

Wächst da etwa ein möglicher Nachfolger für Achraf Hakimi heran, der laut mehrerer Medienberichte wohl zu Real Madrid zurückkehren wird? In Moreys Spiel fehlt zwar die Schnelligkeit seines Landsmanns, doch er zeigte sich bislang dynamisch, griffig und ziemlich spielstark und -intelligent.

Wie Moreys Perspektiven in der kommenden Spielzeit aussehen, lässt sich jedoch noch nicht final sagen. Sie werden neben Hakimis Zukunft auch vom potentiellen Neuzugang Thomas Meunier abhängen, dessen Transfer die Dortmunder vor der Liga-Pause auf den Weg gebracht haben. Und Lukasz Piszczek hat auch noch einmal um ein weiteres Jahr verlängert.

Nach dem wenig erbaulichen Jahr 2019 geht es für Morey allerdings deutlich nach oben. Er hat sich erfolgreich zurückgemeldet. Gegen Hertha ließ ihn Favre bereits elf Minuten an. Schon vor Monaten sagte der Trainer über ihn: "Für die Zukunft ist er sicher ein Spieler mit Potenzial und Perspektive."

Mateu Morey im Steckbrief

geboren

2. März 2000

Größe

1,73 Meter

Gewicht

69 kg

Position

rechter Verteidiger

starker Fuß

rechts

Stationen

RCD Mallorca (Jugend), FC Barcelona (Jugend), Borussia Dortmund

Mehr bei SPOX: Teamkollege rüffelt Sancho: "Das darf er sich nicht mehr leisten"

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