Bundesliga: Danso, Tawatha & Co.: Das sind die Verteidiger der Zukunft

Die Saison biegt auf die Zielgerade und so manch frisches Gesicht hat die Bundesliga bereichert. Vor allem in der Defensive durften sich zuletzt eine Hand voll vielversprechender Youngster beweisen. SPOX wirft einen Blick auf die Verteidiger der Zukunft und checkt die Perspektiven.

Die Saison biegt auf die Zielgerade und so manch frisches Gesicht hat die Bundesliga bereichert. Vor allem in der Defensive durften sich zuletzt eine Hand voll vielversprechender Youngster beweisen. SPOX wirft einen Blick auf die Verteidiger der Zukunft und checkt die Perspektiven.

Tawatha: Auf Kurs nach Horrorstart

Taleb Tawatha: 24 Jahre, Frankfurt, Linksverteidiger

Die aktuelle Lage: In den letzten sieben Spielen der Eintracht stand Tawatha auf dem Platz, fünfmal sogar in der Startelf - nach seinem Horror-Start in Hessen scheint der Israeli angekommen zu sein. Denn der 1,2 Millionen Euro teure Sommerneuzugang war abgesehen von drei Mini-Einsätzen bis Mitte Februar außer Gefecht. Wenige Tage nach seiner Ankunft erlitt er einen leichten Leistenbruch, Im November riss er sich bei der Nationalmannschaft das Außenband im Knie.

"Ganz ehrlich: Am Anfang habe ich manchmal gedacht, ich schaffe das nicht", sagt Tawatha rückblickend, der mittlerweile aber seine Position gefunden hat. Für Coach Niko Kovac ist der 24-Jährige im präferierten System mit Dreier- bzw. Fünferkette auf der linken Außenseite aktuell gesetzt. Auch als Außenverteidiger in der Viererkette ist Tawatha die erste Alterative hinter Bastian Oczipka.

Im Pokal schaffte es der ehemalige Haifa-Spieler sogar schon zweimal auf den Spielberichtsbogen: Gegen Hannover traf er eingewechselt beim 2:1-Auswärtssieg im Achtelfinale, eine Runde später legte er den 1:0-Siegtreffer gegen Bielefeld auf.

Die Perspektive: Eine schwere Eingewöhnungsphase, verschlimmert durch zwei Verletzungen, liegen hinter Tawatha. Doch nach sehr wackeligen ersten Einsätzen geht es beim Verteidiger nicht nur in Sachen Spielzeit, sondern auch fußballerisch bergauf.

Nach der Vorgeschichte zu erwarten, Tawatha werde sofort zum Leitstern der kriselnden Eintracht, ist freilich fehl am Platz. Doch ist bei Tawatha durchaus das Potenzial vorhanden, sich bis Saisonende nochmals zu steigern und das Jahr als Stammspieler zu beenden.

Danso: Wunderkind fährt Achterbahn

Kevin Danso: 18 Jahre, FC Augsburg, Innenverteidiger

Die aktuelle Lage: Ein unfassbar turbulenter Monat liegt hinter Danso. Bis Anfang März kickte der 18-jährige Sohn ghanaischer Eltern noch in der U19 der Fuggerstädter, beim 2:2 gegen RB Leipzig gab er schließlich sein Bundesliga-Comeback: 90 Minuten als einer der besten Augsburger, direkt gefolgt von der Unterzeichnung eines Profivertrags.

"Schon was Besonderes" sei dieses Arbeitspapier, so Danso, der seit 2014 für die Augsburger die Stiefel schnürt und das Kicken bei Reading und Milton Keynes Dons lernte. Dort kam der Österreicher übrigens noch als Stürmer zum Einsatz, ehe Danso bei den bayerischen Schwaben zum zentralen Verteidiger umgeschult wurde.

Doch setzte es für den 18-Jährigen bei seinen bislang vier Bundesligaeinsätzen - alle von Anfang an, wohlgemerkt - zuletzt zwei Dämpfer. Beim 0:6 gegen die Bayern war Danso mit Gegenspielern wie Robert Lewandowski heillos überfordert, bei der 2:3-Pleite im Abstiegsduell gegen Ingolstadt an zwei Gegentoren mitbeteiligt und unter dem Strich der schlechteste Mann auf dem Platz.

Die Perspektive: Danso wird beim FCA als eines der größten Talente der eigenen Nachwuchsabteilung gehandelt. Dass er schon mit 18 Jahren auf hohem Niveau mithalten kann, haben seine beiden ersten Auftritte gegen Leipzig und Freiburg gezeigt. Dass er ein 18-jähriger Youngster ist, von dem noch nicht die große Konstanz zu erwarten ist, haben seine letzten Auftritte gezeigt.

Solange Jeffrey Gouweleeuw und Jan-Ingwer Callsen-Bracker noch verletzt fehlen, wird Danso zu seinen Spielen kommen. Dass er bis Saisonende weiterhin jedes Spiel in der Startelf steht, scheint auch aufgrund der Tatsache, dass der FCA tief im Abstiegskampf steckt, eher unwahrscheinlich.

Torunarigha: Auf der Suche nach Platz

Jordan Torunarigha: 19 Jahre, Hertha BSC, Innenverteidiger

Die aktuelle Lage: Kurz vor Weihnachten stattete die Hertha Torunarigha mit einem Profivertrag aus, zu seinen ersten ernsthaften Bundesligaeinsätzen - abgesehen von seinem Ein-Minuten-Debüt gegen Ingolstadt - verhalf ihm allerdings eine doppelte Unpässlichkeit in der Profimannschaft: Mit Marvin Plattenhardt fehlt die Stammkraft auf der linken Defensivaußenbahn seit Wochen mit einer Mittelohrentzündung, vor einer Woche flog dann Ersatzmann Maxi Mittelstädt gegen Hoffenheim mit Gelb-Rot vom Platz und Torunarigha durfte eine halbe Stunde ran.

Vor der Partie gegen Gladbach kündigte Hertha-Coach Pal Dardai das Startelf-Debüt des 1,89-Meter-Schlackses an, der erst in der U15 vom Stürmer zum Innenverteidiger umgeschult worden war und auch auf der linken Seite eingesetzt werden kann: "Jordan wird den Raum wunderbar dichtmachen und mit seiner Schnelligkeit kann er auch nach vorne umschalten."

Ersteres gelang Torunarigha bei seinem soliden Debüt auf jeden Fall, am Ende standen mit 30 Zweikämpfen sogar die meisten aller Spieler zu Buche. Nach vorne gab's allerdings keine einzige Aktion des Verteidigers.

Die Perspektive: Dass Torunarigha das Potenzial zum Bundesligaspieler mitbringt, steht außer Frage. Die langfristige Perspektive des gebürtigen Chemnitzers, der über zehn Jahre in Herthas Jugendakademie ausgebildete wurde, sieht deshalb nicht schlecht aus.

Was den Rest der laufenden Saison und auch die nahe Zukunft angeht, wird Torunarigha wohl eher eine Alternative für die Mitte sein. Denn auch wenn der Youngster dreimal als linker Verteidiger ran durfte: Plattenhardt ist als Linksverteidiger quasi unantastbar und mit 25 Jahren selbst gerade erst auf dem Weg zum besten Fußballeralter. Und auch trotz seines unglücklichen Platzverweises gilt der mit 20 Jahren nur ein Jahr ältere Linksverteidiger Mittelstädt als Vorzeigefall der guten Herthaner Nachwuchsarbeit.

Banggaard: Spielwiese Bundesliga

Patrick Banggaard: 23 Jahre, SV Darmstadt, Innenverteidiger

Die aktuelle Lage: Für 600.000 Euro kam der Däne im Winter vom FC Midtjylland, fand sich aber in Darmstadt angekommen schnell auf der Bank wieder - als Innenverteidiger Nummer vier hinter den beiden Stammspielern Aytac Sulu und Peter Niemeyer sowie dem "ersten Ersatz" Alexander Milosevic.

Und vorerst sollte das auch so bleiben, Lilien-Coach Thorsten Frings kommunizierte recht klar, sich nicht ins eigene Fleisch schneiden zu wollen und "die Besten" im Defensivzentrum auflaufen zu lassen, solange der Klassenerhalt noch möglich ist.

Die Hoffnung auf den Verbleib in der Eliteklasse hat man bei den Hessen angesichts von 14 Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz bei sieben ausstehenden Spielen aber wohl aufgegeben. "Irgendwann wird die Zeit kommen, jemand ins kalte Wasser zu schmeißen, damit zum Beispiel Patrick Banggaard die Möglichkeit bekommt, Bundesliga zu spielen", kündigte Frings Anfang März an - um ihm eine gute Woche später tatsächlich zu seinem Debüt zu verhelfen.

In den letzten drei Bundesligapartien der 98er durfte Banggaard über die volle Distanz ran, auch wenn sich die Ausbeute für den Innenverteidiger gruselig liest: In den Spielen gegen Wolfsburg, Leipzig und Leverkusen setzte es drei Pleiten bei 0:7 Toren.

Die Perspektive: Schon bei der Vorstellung des 23-Jährigen verwies Frings auf den perspektivischen Aspekt des Transfers. Banggaard, der sich bereits dänischer Meister nennen darf und im halben Jahr vor seinem Wechsel zu Darmstadt für Midtjylland 20 Spiele in der Superligaen und sogar acht Partien in der Europa-League-Qualifikation bestritten hatte, soll die Zukunft bei den Lilien im Abwehrzentrum gehören.

Sein Vertrag läuft bis 2020 und ist freilich für die zweite Liga gültig. Gut möglich, dass die Hessen die Situation mit dem quasi feststehenden Abstieg weiter für sich nutzen und Banggaard in den verbleibenden Spielen zu ordentlich Praxis verhelfen, um ihn für die kommende Saison an das Team und den Klub zu gewöhnen. Auch, wenn es dann eine Spielklasse tiefer geht.

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