Bundesliga: Götzes Bundesliga-Comeback: Spaß bei der Arbeit

Nach 202 Tagen Abstinenz feierte Mario Götze beim 3:0-Sieg beim VfL Wolfsburg sein Bundesliga-Comeback. Er lieferte einen Assist und überzeugte auf der linken Halbposition im Mittelfeld. Götze ist auf dem Weg dahin, so wichtig zu werden, wie er mal war.

Nach 202 Tagen Abstinenz feierte Mario Götze beim 3:0-Sieg beim VfL Wolfsburg sein Bundesliga-Comeback. Er lieferte einen Assist und überzeugte auf der linken Halbposition im Mittelfeld. Götze ist auf dem Weg dahin, so wichtig zu werden, wie er mal war.

"Ich sage das jetzt als Fußballliebhaber", sagte Peter Bosz im Laufe der Vorbereitung eben als Fußballliebhaber und gleichzeitig natürlich auch in seiner Funktion als Trainer von Borussia Dortmund: "Es macht großen Spaß, ihn bei der Arbeit zu sehen." Er, das ist Mario Götze. Und seine Arbeit, das ist das Fußballspielen. Götzes Arbeitsplatz sind eigentlich die Bundesliga-Stadien, doch seit dem 29. Januar hatte er wegen seiner Stoffwechselerkrankung den Rasen keines Bundesliga-Stadions mehr betreten.

Umso mehr Spaß hatte er nun an diesem 19. August. Dem Tag des Comebacks. Nach 202 Tagen Abstinenz. Man merkte, dass es nicht nur Bosz Spaß machte, Götze bei der Arbeit zuzuschauen, sondern dass es auch Götze selbst Spaß machte zu arbeiten. Kurz vor dem Anpfiff scherzte er noch am Mittelkreis mit Schiedsrichter Robert Hartmann, bei seiner Auswechslung schritt er dann lächelnd zur Dortmunder Bank. Götze ballte die Faust kurz und klatschte mit all den Betreuern und Auswechselspielern, die abklatschbereit da so herumstanden oder -saßen, ab.

Zwischen dem Scherzen und dem Abklatschen lagen 61 Spielminuten, die Hoffnung machen. Hoffnung, dass Götze wieder das wird, was er einmal war: einer der spannendsten Spieler der Bundesliga und wichtig für sein Team. Was der 25-Jährige aber nicht mehr ist - und wohl auch niemals mehr sein wird -, ist der spritzige Offensivallrounder, der er mal war. Damals, als er die Bundesliga eroberte. Schon unter Ex-Trainer Thomas Tuchel wurde Götze vornehmlich im Mittelfeld eingesetzt, nun gegen Wolfsburg agierte er als klassischer Mittelfeldspieler. Als Achter.

Götze: Außnahmespieler mit gutem Auge

Im 4-3-3 von Trainer Bosz nahm Götze die halblinke Position im Mittelfeld ein. Oft rotierte er aber auch ins Zentrum oder gar auf die rechte Seite. Das Zusammen- und Wechselspiel mit Gonzalo Castro, seinem Pendant auf der gegenüberliegenden Seite, klappte hervorragend. In der 17. Minute etwa: Götze dribbelte da rechts und schickte Christian Pulisic. Er servierte den Ball Castro in die Mitte, doch der vergab. Das Highlight des Angriffs war Götzes beschleunigender, raumöffnender Pass in die Tiefe.

Pässe wie diese meinte Bosz, als er Götze nach dem Spiel ein "sehr gutes Auge" bescheinigte. Einige Minuten nach diesem Zuspiel passte Götze erneut am gegnerischen Strafraum, wieder zu Pulisic. Diesmal landete der Ball letztlich im Tor und bescherte Götze seinen ersten Scorerpunkt im ersten Bundesligaspiel nach seiner Rückkehr.

Er hatte die Führung vorbereitet, die dem Spiel des BVB Sicherheit und Selbstverständnis gab. "Es war offenkundig, dass Mario für uns noch sehr wichtig werden wird", sagte Bosz nachher so, als hätte er es immer schon gewusst, und nannte Götze wahlweise einen "Ausnahmespieler", einen "außergewöhnlichen Spieler" oder einen "besonderen Spieler". BVB-Boss Hans Joachim Watzke schwärmte gar: "Wenn Mario spielt, dann lacht das Herz. Einen solchen Fußball kann man - oder eben nicht."

Hervorragend setzte Götze seine Mitspieler immer wieder ein, seine beiden eigenen Abschlüsse waren dagegen etwas lasch. Das Passen ist in seiner defensiveren Rolle aber auch wichtiger als das Schießen.

Götze: sehr spielfreudig, sehr leichtfüßig

Und noch viel wichtiger als das Passen und das Schießen zusammen ist das Gesundbleiben. "Mir geht es wieder gut, ich habe mich gut gefühlt, aber ich bin längst noch nicht wieder bei hundert Prozent", erklärte Götze selbst. Seinem Trainer Bosz war es vor allem wichtig, "dass er sich nicht verletzt hat".

Eine gewisse Angst vor einem neuerlichen Rückschlag war schon zu spüren. "Wir müssen vorsichtig mit ihm sein", hatte Bosz während der Vorbereitung gemahnt: "Wenn man fünf Monate lang nicht dabei ist, dann lässt sich das nicht innerhalb von nur fünf Wochen aufholen." Ein Körper, der über ein halbes Jahr lang ohne Spielpraxis auskommen musste, ist anfälliger. Ein Körper wie Götzes, dessen Muskeln ihn im Laufe seiner Karriere schon ab und an zum Pausieren zwangen, ohnehin.

Dass all die Muskeln halten würden, wünschte man ihm nun nicht nur in Dortmund. Im Laufe der vergangenen Hinrunde wurde Götze ob seiner schlappen Auftritte noch teilweise verspottet. Nachdem seine Erkrankung öffentlich gemacht wurde, solidarisierte sich Fußball-Deutschland aber mit Götze, wünschte ihm ein erfolgreiches Comeback und sagte das auch so. "Ich habe mich total für Mario Götze gefreut", erklärte Wolfsburgs Kapitän Mario Gomez nach dem Spiel stellvertretend: "Ich wünsche es ihm so sehr, dass er wieder befreit aufspielen kann."

Bei seinem Comeback machte Götze jedenfalls einen befreiten Eindruck. Einen Eindruck, den sein Kollege Nuri Sahin, der Götzes Spiel von der Sechs aus beobachtete, nach dem Abpfiff zusammenfasste: "Ich würde gerne folgende Schlagzeile lesen: 'Mario Götze: sehr spielfreudig, sehr leichtfüßig'." Götze ging es derweil nicht ums Fußballerische, sondern ums Allgemeine: "Es bleibt einfach ein positives und glückliches Gefühl."

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