Die Bundesliga hat ein Problem

Patrick Berger
Sport1

Die Bundesliga ist die torreichste aller Top-Ligen Europas - das und vieles mehr stellte die Deutsche Fußball Liga jetzt im Zuge ihres "DFL Sportreports" in Frankfurt vor.

Trotz vieler starken Statistiken gibt es aber ein eklatantes Problem im Nachwuchs.

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SPORT1 stellt die aktuellen Zahlen vor.


Torreichste Top-5-Liga Europas

Langeweile kommt in dieser Bundesliga-Saison kaum auf. In der Hinrunde fielen im Schnitt 3,2 Treffer pro Spiel. So einen Top-Wert hatte die Bundesliga zuletzt in der Saison 1984/1985. Damit stellt das deutsche Oberhaus die torreichsten Begegnungen der europäischen Top-5-Ligen (insgesamt 492 Treffer). Zum Vergleich: In der Serie A fielen bis Ende 2019 2,9 Tore pro Spiel, in der Premier League 2,8 Tore. In La Liga (2,6) und in der Ligue 1 (2,5) fielen im Schnitt die wenigsten Treffer.

Hinzu kommt, dass in der Bundesliga im Kalenderjahr 2019 erstmals seit 23 Jahren wieder die 1000-Tore-Marke geknackt wurde. Ansgar Schwenken, Mitglied der DFL-Geschäftsleitung und Direktor Fußballangelegenheiten und Fans: "Wir haben eine hohe Attraktivität in der Bundesliga. Die Liga ist spannend wie schon lange nicht mehr. Wir hatten vier unterschiedliche Tabellenführer und der Konkurrenzkampf setzt sich von oben bis unten durch."

Die abgezocktesten Torjäger

Einen Bestwert hat die Bundesliga auch in Sachen Chancenverwertung: 15,4 Prozent ihrer Abschlüsse brachten die Bundesliga-Spieler um Robert Lewandowski, Timo Werner und Co. im Netz unter. Dahinter kommt die Premier League mit 15,2 Prozent, gefolgt von La Liga (14,6), Serie A (13,59) und Ligue 1 (13,2).

Mit 27 Torschüssen pro Spiel wurde in der Bundesliga zudem häufiger aufs Tor geschossen als in England (25), Spanien (23) und Frankreich (25). Spitzenreiter ist hier die Serie A (29 Torschüsse).


Dank Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (schon 21 Treffer) und Leipzigs Timo Werner (20) macht sich die Bundesliga zudem berechtige Hoffnungen, am Ende des Spieljahres Europas Top-Torjäger zu stellen. Mit im Rennen: Ciro Immobile (Lazio Rom/23 Tore) und Jamie Vardy (Leicester/17).

Die wenigsten Nullnummern

In der Bundesliga gibt es die wenigsten Nullnummern. Lediglich fünf Spiele endeten in der Hinrunde mit 0:0. In der Premier League waren es bis Ende des Jahres 2019 neun Nullnummern, in der Serie A elf, in der Ligue 1 14 und in La Liga sogar 17.

Auch in Sachen "Torfestivals" liegt die Bundesliga vorne. Schon in 28 Spielen gab es jeweils mindestens fünf Treffer. Es folgen die Serie A (25 Spiele) und die LaLiga (24).

Platz drei in der Fünf-Jahreswertung

Die Bundesliga hat sich - Stand jetzt - mit 12,428 Punkten für den Länderkoeffizienten der UEFA den dritten Platz in der Fünf-Jahreswertung zurückgekämpft, steht aktuell vor Italien und Frankreich. Ganz vorne liegen unangefochten Spanien und England. Schwenken: "Nach derzeitigen Maßstäben sind beide Länder unerreichbar. Wir wollen die Rolle vor Italien und Frankreich festigen." Man sei überdies "sehr zufrieden", dass "sechs von sieben deutschen Mannschaften weiterhin im europäischen Wettbewerb dabei sind". Gladbach ist als einziges Team aus dem europäischen Wettbewerb ausgeschieden.

Zu wenig Einsatzzeit für junge Spieler

Die Bundesliga ist eine der jüngsten unter den europäischen Top-Ligen. Mit einem Altersdurchschnitt von 26,5 Jahren steht das deutsche Oberhaus im internationalen Vergleich auf Rang zwei hinter der französischen Ligue 1 (26,4). Das Hauptproblem allerdings: Nur 9,2 Prozent der eingesetzten Kicker sind U21-Spieler (Spieler unter 22 Jahren) - vor zwei Jahren waren es noch 17,1 Prozent. Die Quote eingesetzter einheimischer U21-Talente ist in diesem Zeitraum von 7,8 Prozent auf 3 Prozent gefallen. Zum Vergleich: Die Ligue 1 ist mit 16,2 Prozent eingesetzter U21-Spieler (davon 12,8 einheimisch) ganz vorne, in der Premier League sind es 9 Prozent U21-Spieler, davon 6,9 einheimische Talente.

Bestes Beispiel ist derzeit Arne Maier von Hertha BSC. Der Mittelfeldspieler gilt als eines der größten Talente Deutschlands, wird von Trainer Jürgen Klinsmann aber kaum berücksichtigt. Für Maier ist die Lage in Berlin mittlerweile so verfahren, dass er offen über einen Wechselwunsch spricht.

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Ein fataler Trend, den auch die Funktionäre erkannt haben. Schwenken schlägt deshalb zurecht Alarm: "Die jetzigen U21-Spieler erhalten in der Bundesliga aktuell zu wenig Einsatzzeiten. Wir arbeiten intensiv mit dem DFB daran. Der Fokus muss noch deutlicher auf die Themen Nachwuchsarbeit und Talenteförderung gehen."Und weiter: "Wir haben auch einen gewissen Wendepunkt bei der gesellschaftlichen Entwicklung erreicht. Der Migrationsanteil steigt. Der Ehrgeiz in nicht so begünstigten Schichten ist oft höher, sich im Fußball weiterzuentwickeln."


DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte kürzlich dazu: "Wir müssen ohne Wenn und Aber anerkennen: Wir haben massiven Nachholbedarf mit Blick auf die sportliche Ausbildung von Top-Talenten. Und da Top-Talente nicht geboren werden, sondern sich entwickeln, heißt das nichts anderes als: Nachholbedarf mit Blick auf die sportliche Ausbildung generell." Das "Projekt Zukunft" von DFL und DFB bezeichnet Seifert als "das wichtigste sportliche Projekt des deutschen Fußballs der nächsten zehn bis 15 Jahre."

Zurzeit wird über eine Senkung der Altersgrenze bei den Profis auf 16 Jahre diskutiert. Schwenken sieht das allerdings nicht als "Problemlöser". Laut Andreas Nagel, DFL-Direktor Sport und Nachwuchs, geht es hierbei eher darum, "Wettbewerbsnachteile im internationalen Vergleich" wettzumachen. Nagel abschließend: "Wir wollen weiterhin junge Spieler in der Bundesliga sehen, die vielleicht auf für die Nationalmannschaft infrage kommen. Daran arbeiten wir."

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