Bundesliga: Hoffenheims Hübner: Jetzt fehlen nur noch die Tore

Neuzugang Benjamin Hübner hat sich bei der TSG 1899 Hoffenheim zum Stammspieler entwickelt. Zusammen mit Bald-Bayer Niklas Süle ist der Sohn von Eintracht Frankfurts Manager Bruno Hübner für die zweitbeste Abwehr der Liga verantwortlich. Dabei hat Hübner anders als Süle nicht den klassischen Karriereweg hinter sich.

Neuzugang Benjamin Hübner hat sich bei der TSG 1899 Hoffenheim zum Stammspieler entwickelt. Zusammen mit Bald-Bayer Niklas Süle ist der Sohn von Eintracht Frankfurts Manager Bruno Hübner für die zweitbeste Abwehr der Liga verantwortlich. Dabei hat Hübner anders als Süle nicht den klassischen Karriereweg hinter sich.

"Benjamin ist äußerst kopfballstark und eröffnet uns als Linksfuß im Spielaufbau außerdem mehr Möglichkeiten." So ließ sich Hoffenheims Sportdirektor Alexander Rosen im vergangenen Sommer zitieren. Anlass war die Verpflichtung von Benjamin Hübner, den man vom FC Ingolstadt 04 losgeeist hatte.

Rosens Skizzierung klingt auf den ersten Blick wie die eines Ergänzungsspielers und nicht unbedingt nach einem Transfer, von dem man sich einen wesentlichen Qualitätsschub für die erste Elf erhofft. Doch jetzt, etwas mehr als ein halbes Jahr später, ist Hübner genau das. Man könnte den 27-Jährigen gar als eine Art Personifikation der Hoffenheimer Entwicklung unter Chefcoach Julian Nagelsmann bezeichnen.

Die TSG schnuppert stark an ihrer ersten Teilnahme im Europacup, möglicherweise springt auf Anhieb die Champions League heraus. Hübner ist Teil dieses Aufstiegs, er hat sich als absoluter Stammspieler etabliert. Und das, obwohl er anfangs mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hatte - bei den ersten fünf Saisonspielen schaffte er es nicht einmal in den Kader.

"Es liegt an der regelmäßigen Spielpraxis und am enorm hohen Trainingsniveau. Da wird man stark gefordert und automatisch besser. Aber ich bin sicher, die Entwicklung geht noch weiter", sagt Hübner. Mittlerweile ist sogar von lukrativen Angeboten aus der Premier League die Rede.

Nagelsmann ist wesentlicher Faktor

Ein wesentlicher Faktor für Hübners Leistungsschub ist sicherlich Nagelsmann, mit dem Hübner viele Gespräche führte. "Er hat mir die Situation erklärt und mich nicht unter Druck gesetzt. Im Gegenteil. Für ihn war die Anpassungszeit völlig normal", so der Abwehrspieler. "Er hat mir verdeutlicht, dass ich mich eben erst an sein Training und seine Spielprinzipien gewöhnen muss. Das hat mir in dieser nicht ganz einfachen Phase geholfen."

Der Trainer zeigt sich von der Entwicklung seines Neuzugangs längst begeistert und sogar etwas überrascht: "Ich habe ihm zugetraut, dass er eine bessere Rolle spielt als zu Beginn, aber diese Entwicklung habe ich ihm nicht zugetraut. Er ist ein außergewöhnlich guter Verteidiger, spielt aggressiv und haut auch mal dazwischen.

Eine Forderung sprach Nagelsmann jedoch aus: "Er ist extrem kopfballstark - defensiv und offensiv. Da würde ich mir das ein oder andere Tor mehr wünschen."

Hübner überzeugt mit Leistung

Bei seinen Auftritten überzeugt Hübner, wie von Rosen angekündigt, vor allem durch einen starken Spielaufbau: 87 Prozent seiner Pässe fanden den Mitspieler. Eine deutliche Steigerung gegenüber den 66 Prozent aus der Vorsaison. Und auch die Quote von 63,6 Prozent gewonnener Zweikämpfe kann sich sehen lassen.

Hübners Werte gehören zu den besten der Liga und liegen nahe an denen von Nebenmann Niklas Süle, mit dem er wesentlich dafür verantwortlich ist, dass Hoffenheim nach dem FC Bayern die beste Defensive der Liga stellt.

Nicht die typische Karriere

Der Unterschied in der Entwicklung der beiden Hoffenheimer Verteidiger könnte dabei größer nicht sein. Während Süle alle Jugendnationalmannschaften seit der U16 durchlief und bereits im Alter von 17 Jahren sein erstes Spiel in der Bundesliga machte, gab Hübner sein Debüt erst mit 26 Jahren - im Vorjahr für Ingolstadt. In U-Nationalmannschaften hat man ihn nie gesehen.

"Es ist bei jedem Verein Schritt für Schritt nach oben gegangen", erklärt Hübner. "Ich konnte überall wichtige Erfahrungen für meine Entwicklung sammeln. In Ingolstadt habe ich dann die Chance bekommen, Bundesliga zu spielen. Ich konnte mich endlich dort beweisen, wo ich hin wollte und wo ich auch hin gehöre."

Die OPTA-Statistik von Benjamin Hübner in der Saison 2016/2017

Vorbild für den 26-Jährigen ist seit jeher sein Vater Bruno. Der ist aktuell als Manager bei Eintracht Frankfurt tätig und lief selbst 76 Bundesligaspiele für den 1. FC Kaiserslautern auf. Die beiden betonen ihr ausgezeichnetes Verhältnis.

Vater als Vorbild

"Als Mensch und Persönlichkeit ist er eine ganz wichtige Bezugsperson für mich. Andere haben Vorbilder, die sie persönlich gar nicht kennen. Ich schon", so Hübner junior.

Vom SV Wehen Wiesbaden wechselte Hübner über die Zwischenstation VfR Aalen zu den Schanzern und war dort in den letzten Jahren Garant beim Aufstieg 2015 und dem Klassenerhalt in der Folgesaison.

Auch vor dem Wechsel nach Sinsheim suchte Benjamin den Kontakt zu seinem Vater. "Alle wichtigen Entscheidungen werden bei uns mit der ganzen Familie diskutiert. Sie sind meine ersten Ansprechpartner. Die Meinung meiner Familie, speziell die meines Vaters, ist mir sehr wichtig, daher spreche ich mit ihr alles durch."

Zusammenarbeit ausgeschlossen

Gemeinsam bei einem Klub, das wird es bei den Hübners allerdings wohl nie geben. "Benjamin und ich wollen es vermeiden, zusammen in einem Verein zu sein. Es wäre eine Konstellation, die ihn in Schwierigkeiten bringen könnte", so der Vater. Denn: "Wenn er viermal gut spielt, dann sagen die Leute, alles in Ordnung, das ist ja zu erwarten. Wenn er aber einmal schlecht spielt, dann heißt es gleich: Der Vater wird es schon richten, dass er wieder spielen darf."

In Hoffenheim klappt es ganz ohne den Dad, seit dem 6. Spieltag hat Hübner nur ein Spiel verpasst - wegen seiner fünften Gelben Karte. Die Anzahl der persönlichen Strafen ist einer der wenigen Kritikpunkte an Hübners bisheriger Saison. Bereits acht Stück stehen auf der Habenseite, nur Frankfurts Omar Mascarell und Schalkes Nabil Bentaleb haben mehr gesehen.

"Das passiert eben im Fußball. Man kommt eben mal zu spät, oder muss das taktische Foul machen", sagte Hübner schon im SPOX-Interview Ende 2013. Wenn Hübner an seine bisherige Leistungen anknüpft, ist die eine oder andere Gelbe Karte für Nagelsmann bestimmt ähnlich zu verschmerzen wie die geringe Torausbeute.

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