Bundesliga: Kommentar zur Meisterschaft: Gefühlt ein Trostpreis

Der FC Bayern hat mit dem Gewinn der fünften Meisterschaft in Folge seine historische Serie ausgebaut. Und so selbst dafür gesorgt, dass die Schale allein in München keine Ekstase mehr auslöst. Carlo Ancelottis Premieren-Saison war gut, wird aber als unbefriedigend im bayerischen Gedächtnis bleiben. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur David Kreisl.

Der FC Bayern hat mit dem Gewinn der fünften Meisterschaft in Folge seine historische Serie ausgebaut. Und so selbst dafür gesorgt, dass die Schale allein in München keine Ekstase mehr auslöst. Carlo Ancelottis Premieren-Saison war gut, wird aber als unbefriedigend im bayerischen Gedächtnis bleiben. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur David Kreisl.

"Gut" oder "sehr gut", sagte Philipp Lahm nach dem K.o. in der Champions League gegen Real Madrid, seien die Optionen für die Saisonbewertung der Bayern, abhängig vom Abschneiden im DFB-Pokal. Drei Tage nach dem Aus im Pokal gegen Borussia Dortmund hat der FC Bayern mit einem 6:0-Sieg in Wolfsburg die 27. Meisterschaft klar gemacht. Mit der Saisonbewertung "gut" wird man sich in München dennoch schwertun.

Der FC Bayern ist in der Hinsicht ein Opfer seiner selbst geworden; seines eigenen Erfolgs der letzten Jahre, der 2013 unter Jupp Heynckes begann und auch während Pep Guardiolas Amtszeit anhielt. Vier Meisterschaften, drei Pokal-Gewinne, einmal der Henkelpott und dreimal das Halbfinale der Königsklasse waren es, bis Ancelotti übernahm - fette Jahre für das wachsende Selbstverständnis der Bayern.

Jetzt hat Ancelotti die Reihe der Meisterschaften fortgeführt. Und Karl-Heinz Rummenigge hat freilich Recht, jede Meisterschaft als "nichts Normales, sondern etwas Außergewöhnliches" zu bezeichnen. Den Münchnern ihren erneut historischen Erfolg abzusprechen oder kleinzureden, wäre Idiotie. Doch ist in der subjektiven Wahrnehmung der Bundesliga ein anderer Meister als die Roten mittlerweile so weit weg, so undenkbar, dass die Münchner nicht mehr als Favorit, sondern als designierter Meister in die Bundesliga-Spielzeiten gehen.

Weil das so ist und weil man der legendären Generation um Kapitän Philipp Lahm zutraute, noch einmal zu ganz Großem fähig zu sein, holte man Ancelotti nach München. Um diesen verflixten Henkelpott, an dem Guardiola dreimal in Folge gescheitert war, endlich zu holen. Mit all seiner Erfahrung diese Mannschaft führen, zur wichtigen Saisonphase voll da und vor allem erfolgreich sein - das war der große Auftrag des Misters.

Dass es am Ende kein Triple, ja nicht einmal das Double, sondern "nur" die Meisterschaft wurde, hat vielschichtige Gründe. Planen kann man keinen der Pokale und der FC Bayern schied gegen Real Madrid und den BVB nicht aus den Pokalwettbewerben aus, weil er die schlechtere Mannschaft war. Trotzdem bleibt am Ende der Saison ein unbefriedigendes Gefühl.

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Peps Bayern spielten womöglich den schönsten Fußball, den es je in München zu sehen gab. Unter Ancelotti blieb, mit Ausnahme einiger Wochen im Frühjahr, wenig übrig vom atemberaubenden Spiel der letzten Jahre. Das war in Ordnung für die Bosse und viele der Fans, solange die Ergebnisse stimmten und der Glaube an die Hochform zur Crunchtime da waren.

Jetzt steht eine Spielzeit, in der es nicht nur teils sportliche Magerkost gab, sondern auch abseits des Platzes Dinge wie die Sportdirektorensuche, die holprig und nicht im selbstverständlich-bayerischen Stil abliefen. Und dass es holperte in der rein nach den Ergebnissen schlechtesten Saison seit fünf Jahren, daran war man beim FCB gar nicht mehr gewohnt.

Freude ist dennoch angebracht über den wieder einmal souverän errungenen Meistertitel. Doch lassen die Zielsetzungen und der bittere Saisonverlauf die Meisterschaft am Ende wie einen gefühlten Trostpreis erscheinen.

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