Bundesliga: Kommentar zum VfB: Gestank ist unerträglich

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Die Krise des VfB Stuttgart hat nach der desaströsen Pleite bei Fortuna Düsseldorf einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Für den Moment haben sich die Verantwortlichen dennoch dafür entschieden, an Markus Weinzierl festzuhalten.

Bundesliga: Kommentar zum VfB: Gestank ist unerträglich

Die Krise des VfB Stuttgart hat nach der desaströsen Pleite bei Fortuna Düsseldorf einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Für den Moment haben sich die Verantwortlichen dennoch dafür entschieden, an Markus Weinzierl festzuhalten.

Die Krise des VfB Stuttgart hat nach der desaströsen Pleite bei Fortuna Düsseldorf einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Für den Moment haben sich die Verantwortlichen dennoch dafür entschieden, an Markus Weinzierl festzuhalten.

Eine Trainerdiskussion ist auch eine komplette Themaverfehlung. Die Probleme des VfB gehen weitaus tiefer. Ein Kommentar von SPOX-Chefreporter Florian Regelmann.

Wer sich in die Gefühlslage eines VfB-Fans hineinversetzen will, muss Folgendes wissen: Bevor es 2016 tatsächlich in Liga 2 ging, hatte der Verein schon jahrelang um den Abstieg gebettelt. Der Verein war klinisch tot. Die letzte Meisterschaft aus dem Jahr 2007 wirkte gefühlt Jahrzehnte her.

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Es war , der als Sportvorstand einen Klub in Trümmern vorfand und ihm wieder eine Identität gab. Schindelmeiser traute sich, den jungen Hannes Wolf als Trainer zu installieren und baute mit ihm gemeinsam eine junge Mannschaft auf, die die VfB-Fans begeisterte. Im Schnitt über 50.000 Zuschauer pilgerten in die Mercedes-Benz Arena, in gewisser Weise war die Stimmung rund um den VfB nie so gut wie ausgerechnet in der Zweitliga-Saison.

Der Ursprung: Die Entlassung Schindelmeisers

Rückschläge wie beispielsweise ein blamables 0:5 in Dresden wurden weggesteckt, weil ein klarer Plan erkennbar war, wie Schindelmeiser den VfB Schritt für Schritt wieder nach oben führen will. Es herrschte Aufbruchsstimmung.

Es war auch vor allem dem Vertrauen in Schindelmeiser geschuldet, dass die Mitglieder für die Ausgliederung stimmten. Es war sicher nicht das Vertrauen in Präsident Wolfgang Dietrich, der bei seiner Wahl 2016 ohnehin nur 57 Prozent der Stimmen bekommen hatte.

Das alles hielt Dietrich aber nicht davon ab, Schindelmeiser im August 2017 mit einem großen Knall vor die Tür zu setzen. Bis heute hat Dietrich die Gründe dafür nicht klar benannt, spricht aber gerne davon, dass es natürlich alle verstehen würden, wenn er es denn sagen würde, was vorgefallen sei. Wer sich in Stuttgart umhört, hört eher, dass Schindelmeiser für den eitlen Dietrich schlicht und ergreifend zu stark gewesen ist und sich in die Kaderplanung nicht reinreden lassen wollte. Zurecht.

Wie allergisch Dietrich immer noch auf Schindelmeiser reagiert, zeigte sich erst in der vergangenen Woche bei einer Fan-Veranstaltung in Biberach. "Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß." Rumms.

Dietrichs schlechter Stil

Dietrichs Aussage ist nicht nur zum wiederholten Male ("Maffeo ist ein Flop") schlechter Stil von jemandem, der gleich nach Amtsamtritt einen Verhaltenskodex einführte, sie ist vor allem inhaltlich Schwachsinn. Jeder, der Schindelmeiser ein bisschen kennt, weiß, dass es für ihn mehr im Leben gibt, als von einem Job im Fußballgeschäft zum nächsten zu hecheln. Dass ihn der VfB überzeugen musste, überhaupt wieder als Sportdirektor zu arbeiten. Auch familiäre Aspekte spielten und spielen eine Rolle.

Dass Schindelmeisers Nachfolger Michael Reschke jüngst bei Sky90 auf den schweren Stand Dietrichs bei den Fans angesprochen erklärt, dass die Fans die Ausgliederung eben kritisch gesehen hätten, passt ins Bild und könnte nicht weiter von der Wahrheit entfernt liegen.

Fakt ist, dass die Fans in Stuttgart ein gutes Gespür haben und genau wissen, dass Dietrich mit der Entlassung Schindelmeisers den VfB ins Verderben geführt hat.

Alles, was seitdem passiert ist, sogar die aberwitzige und nicht repräsentative Rückrunde unter Tayfun Korkut, bei der die Siege teilweise mit mehr Glück als Verstand eingefahren wurden, ist nur eine Folge dessen.

Dem VfB Stuttgart fehlt eine Kultur

Ein Verein ohne jegliche Identität (die A-Jugend ist übrigens Tabellenführer, aber who cares) mit einer - dank der Kohle aus der Ausgliederung - für 45 Millionen Euro "verstärkten" Mannschaft wird vom Aufsteiger und mit Ex-VfB-Reservisten gespickten Düsseldorf hergespielt. Im Endeffekt sogar zum zweiten Mal in der Saison. Und das Schlimme: Für jeden VfB-Fan wäre alles andere eine große Überraschung gewesen.

Vielleicht bleibt der VfB am Ende der Saison drin, weil er sich dank der Auswärtstorregel in der Relegation in Heidenheim durchsetzt. Vielleicht holt er nach Niederlagen gegen Leipzig und in Bremen dann doch Markus Gisdol und steigt ab.

Es spielt alles keine Rolle, solange dieser Verein von der Spitze angefangen nicht wieder eine Kultur entwickelt. Eine Kultur, die die Leute ernst und vor allem mitnimmt.

Neben einer Erklärung für die Redewendung "Der Fisch stinkt vom Kopf" müsste auf jeden Fall ein Logo des VfB Stuttgart abgebildet werden. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu. Sie ist aber immer noch richtig. Und der Gestank wird immer unerträglicher.

Mehr bei SPOX: VfB-Bekenntnis zu Weinzierl: "Wird gegen Leipzig auf der Bank sitzen"

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