Bundesliga: Munas Dabbur: Heimlich, still und leise ein Rekordeinkauf

SPOX

Munas Dabburs Weg in Europas Top-Ligen hatte einige aufeinander aufbauende Etappen. Mit dem Hoffenheim-Wechsel soll das erste Tal überwunden werden.

"Im Moment bin ich Spieler des FC Sevilla. Ich habe noch vier Jahre Vertrag, darum ist es nicht realistisch, über einen Wechsel zu sprechen", sagte Munas Dabbur noch Anfang Dezember im Interview mit SPOX und Goal, ehe er ergänzte, dass es "im Fußball oft schnell" gehen könne.

Knapp vier Wochen später ging es schnell und die TSG 1899 Hoffenheim gab die Verpflichtung des Israelis bekannt, der im Kraichgau helfen soll, den langfristigen Ausfall von Ishak Belfodil in der Offensive zu kompensieren.

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Die Dienste Dabburs ließ sich der Klub zwölf Millionen Euro - eine Rekordsumme für den Bundesliga-Siebten - kosten, zwei weitere Millionen können durch Bonuszahlungen noch hinzukommen.

Erst im vergangenen Sommer verließ der Angreifer nach erfolgreichen Jahren den österreichischen Serienmeister Red Bull Salzburg und heuerte bei den Andalusiern an, wo er bis auf einige wenige Einsätze in der Europa League nie richtig Fuß fassen konnte.

Noch im Dezember war Dabbur "zu hundert Prozent überzeugt, dass sich seine Situation ändern kann" und betonte, weiterhin glücklich mit seinem Wechsel zu sein. Aufgrund einer "außerordentlichen Marktchance", wie TSG-Manager Alexander Rosen im Rahmen des Transfers erklärte, geht der 27-Jährige nun jedoch ab der Rückrunde im deutschen Oberhaus auf Torejagd.

"Munas ist ein klasse Stürmer - agil, reaktionsschnell, mit präzisem Timing, guter Technik und gefährlichem Abschluss", schwärmte Rosen über den 1,82-Meter-Mann. "Darüber hinaus ist er ein starker Typ und spricht hervorragend deutsch, was eine schnelle Integration sicher erleichtern wird", fügte er hinzu.

TSG Hoffenheim: Munas Dabbur mit Vertrag bis 2024

Dabbur, der bis 2024 unterschrieb, sieht in Hoffenheim "ein spannendes Team in einer der stärksten Ligen der Welt" und betonte, dass er große Lust verspüre, seinen Teil zur Erfolgsgeschichte des Klubs beizutragen.

Sein Weg in Europas Top-Ligen war allerdings einer mit vielen Etappen. Seine Laufbahn startete er bei Maccabi Ahi Nazareth, wo die Bedingungen nicht annähernd vergleichbar mit denen in Europa gewesen sind. "In Nazareth leben rund 80.000 Menschen, aber stellen Sie sich vor: Es gibt in der ganzen Stadt nur ein einziges Fußballfeld", erzählte er SPOX und Goal 2018. "Ganze fünf Vereine absolvieren alle Trainings und Spiele auf diesem Platz."

Dass er einer arabischen Minderheit in Israel angehört, machte es zusätzlich schwieriger. Einige Steine seien ihm zu Beginn seiner Laufbahn in den Weg gelegt worden, "das ist ein offenes Geheimnis", erinnerte er sich.

Wegen Dabbur: Salzburg-Sportdirektor fährt mit dem Auto nach Zürich

Dabbur arbeitete sich dennoch nach oben und ging schließlich zu Maccabi Tel Aviv, wo er zwischen 2011 und 2014 21 Ligatore erzielte und 2013 und 2014 israelischer Meister wurde.

Die Grasshoppers aus Zürich wurden auf ihn aufmerksam und holten ihn in die Schweiz. Vor allem in seinem dritten Jahr spielte Dabbur groß auf und hatte 35 Torbeteiligungen (22 Tore, 13 Assists) vorzuweisen, was Red Bull Salzburg veranlasste, nach langem und zähem Transferpoker fünf Millionen Euro für ihn auf den Tisch zu legen.

"Die Verhandlungen gerieten ins Stocken, da fuhr Christoph Freund (Sportdirektor Red Bull Salzburg, Anm. d. Red.) kurzerhand mit dem Auto nach Zürich. Er klopfte dort unangekündigt an der Tür, um den Transfer abzuschließen und mich gleich mitzunehmen", zeigte sich Dabbur noch Jahre später beeindruckt von den damaligen Bemühungen der Salzburger.

Nach Startschwierigkeiten in der Mozartstadt ließ er sich im Winter für ein halbes Jahr noch einmal zurück zu den Grasshoppers verleihen, ehe er zur Saison 2017/18 schließlich auch in Österreich voll durchstartete. Seine Bilanz in den darauffolgenden beiden Spielzeiten? Zwei Meistertitel, zweimal Torschützenkönig, Spieler der Saison 2018/19 und 58 Scorerpunkte (42 Tore, 16 Assists) in 61 Ligapielen.

Kein Wunder, dass im vergangenen Sommer einige namhafte Klubs Interesse zeigten, den Zuschlag bekam bekanntlich Sevilla, wo Trainer Julen Lopetegui in Luuk de Jong meistens lieber auf einen großen und kopfballstarken Stoßstürmer setzte.

Unglücklich in Sevilla: Mehr als 20 Klubs wollten Munas Dabbur

Also witterte Hoffenheim seine Chance und tütete still und heimlich den Deal ein. "Es war schon außergewöhnlich, dass es bei einem Wechsel dieser Größenordnung erst wenige Stunden vor dem Transferabschluss konkrete Gerüchte durch einen Radiosender in Sevilla gegeben hat", zeigte sich Rosen beim Sportbuzzer stolz.

Die Bild will im Nachhinein herausgefunden haben, dass mehr als 20 Klubs aus Deutschland, England, Italien, Portugal, Spanien, der Türkei und Russland an einem Transfer im Winter interessiert gewesen seien.

"Es ist kein Geheimnis: Ich hatte eine harte Zeit in Sevilla mit wenig Einsatzzeiten", sagte Hoffenheims neue Numer zehn. Die letzten Monate seien die schwerste Phase seiner bisherigen Karriere gewesen, ergänzte er. Diese will er nun hinter sich lassen und die TSG-Fans und auch sich selbst mit seinen Toren wieder glücklich machen. Wie schnell es im Fußball gehen kann, hat er zuletzt am eigenen Leib erfahren.

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