Bundesliga: Das ist Hoeneß' möglicher Nachfolger

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Uli Hoeneß wird angeblich sein Amt als Bayern-Präsident aufgeben und an Herbert Hainer abtreten. Wer ist der mögliche Hoeneß-Nachfolger an der Spitze des deutschen Rekordmeisters?

Bundesliga: Das ist Hoeneß' möglicher Nachfolger

Uli Hoeneß wird angeblich sein Amt als Bayern-Präsident aufgeben und an Herbert Hainer abtreten. Wer ist der mögliche Hoeneß-Nachfolger an der Spitze des deutschen Rekordmeisters?

Uli Hoeneß wird angeblich sein Amt als Bayern-Präsident aufgeben und an Herbert Hainer abtreten. Wer ist der mögliche Hoeneß-Nachfolger an der Spitze des deutschen Rekordmeisters?

Am späten Dienstagabend wurde Fußball-Deutschland von einem medialen Beben erschüttert. Im Umkreis der bayrischen Landeshauptstadt München schlug der metaphorische Seismograph ganz besonders aus. Der Grund: Die Bild-Zeitung hatte berichtet, dass Bayern Münchens Langzeit-Boss und Erfolgsvater Uli Hoeneß bei der kommenden Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters im November dieses Jahres nicht zur Wiederwahl antreten wolle.

Hieße konkret: Hoeneß verabschiedet sich nach 40 Jahren aus der Klubführung des FCB, stellt gleichzeitig sein Amt als Präsident und Aufsichtsratchef zur Verfügung. Viel früher als erwartet, hatte der mittlerweile 67-Jährige doch bislang davon gesprochen, "in zwei oder drei Jahren" abtreten zu wollen. Einen Nachfolger präsentierte die Bild-Zeitung im Zuge ihrer überraschenden Veröffentlichung ebenfalls.

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Der frühere adidas-Leiter und langjährige Hoeneß-Kumpel Herbert Hainer, der bei den Bayern als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender fungiert und in der Allianz Arena zumeist neben Hoeneß Platz nimmt, soll die Geschicke demnach leiten. Ein Niederbayer, dessen bemerkenswerte Vita durchaus Gemeinsamkeiten zum Hoeneß'schen Werdegang aufweist.

Herbert Hainer über Freundschaft zu Hoeneß: "Ticken in vielen Dingen relativ gleich"

"Wir ticken in vielen Dingen relativ gleich", sagte Hainer mit Blick auf sich und Hoeneß in einem Doppelinterview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im September vergangenen Jahres. Eine Aussage, die Hoeneß nur bestätigen konnte: "Wir beide haben so viel gemeinsam durchgestanden, dass klar ist: Unsere Freundschaft hält, uns treibt nichts mehr auseinander."

Eine Bindung, die vor allem aufgrund von Schicksalsschlägen im Laufe der Zeit immer enger wurde. Hoeneß kümmerte sich, als Hainer 2006 den plötzlichen Tod seiner Tochter Kathrin verkraften musste, Hainer wiederum war "einer der ersten", die Hoeneß im Gefängnis besuchten.

Wie Hoeneß' Eltern betrieb auch Hainers Familie eine Metzgerei, in der der Sohn früh lernte, mit anzupacken. Als Schüler habe er dort in den Ferien geholfen und so sein erstes Geld verdient, verriet Hainer im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Meine Eltern haben versucht, uns Kindern beizubringen, dass man mehr Geld einnehmen als ausgeben muss. Das hat mich geprägt: stets auf die Kosten gucken und schauen, dass man mehr einnimmt. Im Grunde also normale kaufmännische Eigenschaften", erklärte er weiter.

Herbert Hainer träumte vom Profi-Fußball

Nebenbei begeisterte sich der gebürtige Dingolfinger für den Fußball und hegte sogar den Traum vom Profi, der allerdings nicht in Erfüllung gehen sollte. Anders, als bei seinem Bruder Walter, der für 1860 München dreimal in der Bundesliga auflief und 24 Zweitliga-Partien mit den Löwen bestritt.

An der Fachhochschule Landshut absolvierte Herbert Hainer ein BWL-Studium, das er als Diplom-Betriebswirt abschloss. Seine unternehmerischen Fähigkeiten stellte er schon während seiner Studienzeit unter Beweis, als er mit einem Freund in der Heimatstadt die Kneipe Gußofen übernahm und diese in einen typisch englischen Pub umgestaltete. Ein Jahr danach verkaufte er das Geschäft mit Gewinn. Im Anschluss zog es Hainer zum globalen Konsumgüterhersteller Procter & Gamble, bei dem er zunächst mit dem Vertrieb von Waschmitteln betraut wurde.

"Die Grundprinzipien des Verkaufens sind immer gleich", sagte er dem Handelsblatt und konkretisierte: "Man muss Wettbewerbsvorteile und einen Kundennutzen kreieren, das Produkt in die entsprechenden Vertriebskanäle bringen und mit der Kommunikation unterstützen." Ein guter Verkäufer, so Hainer, "kann jedes Produkt verkaufen - wenn er davon überzeugt ist. Wenn sie Mist in Tüten haben, dann kann auch ein guter Verkäufer nichts machen."

Dabei vermochte Hainer nicht bloß seine Kunden zu überzeugen, sondern erarbeitete sich auch bei seinen Vorgesetzten einen ausgezeichneten Ruf, sodass nach eigenen Angaben jedes Jahr eine Beförderung ins Haus stand, ehe er 1987 bei adidas anheuerte. Bei dem Sportartikel-Giganten aus Herzogenaurach knüpfte der ehrgeizige Kaufmann nahtlos an seine Erfolge bei Procter & Gamble an, stieg als Vertriebsdirektor für Taschen, Schläger und Bälle ein, bekleidete in der Folge diverse verantwortungsvolle Positionen, um 2001 in den Vorstand berufen zu werden. Eine Tätigkeit, die Hainer insgesamt 15 Jahre ausübte und adidas währenddessen neu aufstellte.

Herbert Hainer: Der "Cookie Cutter" führt adidas zum Erfolg

Hainer richtete den Fokus auf die Konzernzentrale, bündelte Werbemillionen auf wenige Top-Sportler und -Vereine, erwarb zehn Prozent an der FC Bayern München AG (mittlerweile hält adidas 8,33 Prozent, Anm. d. Red.) und erschloss neue Märkte in Russland und China. Umstrukturierungen, die offenbar nicht bei allen Mitarbeitern Anklang fanden.

"Es gibt bei solchen Entscheidungen immer Leute im Unternehmen, die dagegen sind. Aber davon habe ich mich nicht beirren lassen", sagte er. "Als ich zum Beispiel diese Kekse abgeschafft habe, die in Konferenzen auf dem Tisch stehen, hat mich der Spiegel in einem großen Artikel der 'Cookie Cutter' genannt, obwohl das nichts Dramatisches war, 100.000 Mark vielleicht. Aber ich bin der Meinung, dass man auch mit solch kleinen Dingen Beispiele setzen kann."

Der Erfolg gab ihm letztlich - zumindest aus monetärer Sicht - recht: adidas verbuchte unter seiner Ägide enorme Umsatzsteigerungen und Rekordgewinne, bevor Hainer seinen Posten an Kasper Rorsted weitergab. Seit seinem Aus bei adidas genießt der 65-Jährige sein Rentnerdasein, trifft sich regelmäßig zum Golfspielen mit Hoeneß und ist neben seinem Engagement beim FC Bayern unter anderem Aufsichtsratsmitglied der Bayrischen Versicherungsbank und Lufthansa sowie Mitglied des Kuratoriums der Bundesliga-Stiftung. Im Zuge des Rücktritts von DFB-Präsident Reinhard Grindel wurde Hainer gar als möglicher Erbe gehandelt - sagte Spiegel-Informationen zufolge aber ab.

Uli Hoeneß will Entscheidung Ende August mitteilen

Nun könnte ein weiteres, ein enorm prestigeträchtiges Amt hinzukommen, sollte er tatsächlich Hoeneß-Nachfolger beim erfolgreichsten deutschen Fußballklub werden. Hoeneß selbst wollte sich auf Anfrage des kicker nicht zu den aufsehenerregenden Meldungen äußern. "Am 29. August werde ich dem Aufsichtsrat meine Entscheidung mitteilen, vorher gibt es von mir keine offizielle Erklärung", sagte er dem Fachmagazin.

Kein Dementi, keine Bestätigung. Derzeit deutet dennoch vieles darauf hin, dass der Bayern-Macher in einigen Monaten seinen Stuhl zugunsten Hainers räumen, dem Klub nach SPOX und Goal-Informationen allerdings als Mitglied des Kontrollgremiums erhalten bleiben wird. München darf sich also auf das nächste Erdbeben einstellen. Diesmal käme es aber nicht so unvermittelt wie jenes, das die Isar-Metropole am Dienstagabend erschüttert hatte.

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