Bundesliga: "Quasi-Quarantäne": DFL konkretisiert Konzept

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Die DFL hat ihr Konzept für die Durchführung von Geisterspielen auf Nachfrage von Staatssekretär Björn Böhning (SPD) offenbar noch einmal konkretisiert. Das geht aus einer schriftlichen Antwort an den SPD-Politiker hervor, die die Bild-Zeitung am Mittwoch veröffentlichte.

Darin betonen DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und Ansgar Schwenken, Mitglied der Geschäftsleitung, dass bereits vor Beginn des Mannschaftstrainings "zwei Abstriche in enger zeitlichen Abfolge vorgenommen" würden. Hintergrund ist, dass Böhning bezüglich möglicher "falsch negativer Abstriche" nachgefragt hatte, wodurch trotz eines negativen Corona-Tests eine Ansteckungsgefahr herrschen würde.

Die DFL wolle dieser reellen Möglichkeit jedoch mit einem "engmaschigen klinischen Monitoring von Spielern und Betreuern" entgegenwirken. So gebe es für die Bundesligaspieler mehr Tests als bei "durchschnittlichen Arbeitnehmern". Während des Spielbetriebs soll demnach zweimal pro Woche getestet werden. Eine "Voll-Quarantäne" während der neun Spieltage, wie es in dem ursprünglichen Konzept der medizinischen Task Force angedacht war, soll es für Spieler, Betreuer und Schiedsrichter jedoch nicht geben.

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Stattdessen spricht die DFL nun von einer "Quasi-Quarantäne" und einer "Zone", in der sich die Spieler "zwischen zwei quarantäneartigen Welten" bewegen: die Privatwohnung auf der einen Seite und der Trainngsplatz, der Spielbereich des Stadions, die Mannschaftshotels und der Mannschaftsbus auf der anderen Seite. Der Weg zwischen beiden "Welten" solle "allein im eigenen PKW ohne Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Kontakt zur Außenwelt absolviert" werden.

"Während der laufenden Saison erlaubt der eng getaktete Spielplan bis voraussichtlich Ende Juni ohnehin kaum anderweitige Aufenthaltsorte", heißt es in der Antwort weiter.

DFL-Konzept: Maskenpflicht auf der Bank und Corona-Tagebuch

Wie aber sollen Infektionen im privaten Haushalt vermieden werden? Neben den Profis und Betreuern soll sich nach Angaben der DFL auch das private Umfeld (Kinder, Lebenspartner) testen lassen. Das Ganze soll jedoch auf freiwilliger Basis und einmal zu Beginn der Zeit und einmal "nach etwa der Hälfte der Zeit bis zum Saisonende" geschehen. Sollte die freiwillige Kontrolle verweigert werden, so muss jeder Kontakt mit der Außenwelt der betreffenden Person schriftlich dokumentiert werden.

Sollten zusätzlich Personen im gleichen Haushalt des Spielers leben, die ungeschützten Kontakt mit der Außenwelt hatten, sollen sie in die Haus-Quarantäne aufgenommen werden, falls sie den Tests zustimmen.

Die Idee des Arbeitsministeriums, wonach Spieler während des Spiels und im Training einen Mund-Nasen-Schutz tragen könnten, sei zwar nicht durchführbar, allerdings will die DFL das Tragen jener Masken "auf weitere Situationen ausweiten". Dazu zählen:

  • Die An- und Abfahrten zum/vom Stadion

  • ggf. die Situation in der Umkleidekabine

  • ggf. die Situation auf der Auswechselbank, "sofern ausreichende Distanzen nicht erreicht werden"

Bundesligisten sollen Trainingslager vor Neustart abhalten

Vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sollen die Bundesligisten außerdem "eine Quarantäne-Situation in Form eines Trainingslagers herstellen", um die Sicherheit zu erhöhen, "dass der Spielbetrieb ohne Infektionsfall beginnt".

Bereits am Dienstag hatte das Bundesarbeitsministerium in Sachen Arbeitsschutz seine Zustimmung zum Gesundheitskonzept der DFL gegeben und eine entsprechende Empfehlung an das Kanzerlamt, das Bundesinnenministerium und das Gesundheitsministerium weitergeleitet. Auch die Innenminister der Länder haben einem Bundesliga-Comeback zugestimmt.

Der Spielbetrieb ruht seit Mitte März, die Entscheidung über einen Saison-Neustart im deutschen Profifußball wird voraussichtlich aber nicht am Donnerstag fallen, obwohl die Sportministerkonferenz (SMK) den Wiederbeginn trotz der Coronakrise für Mitte/Ende Mai empfiehlt und diese Position die Grundlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder sein soll. "Wir rechnen derzeit nicht mit einer Entscheidung über Öffnungen nach dem Gespräch der Kanzlerin mit den MinisterpräsidentInnen morgen", teilte ein Sprecher des SMK-Vorsitzenden Anja Stahmann am Mittwoch auf SID-Anfrage mit.

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