Bundesliga: Das ist die Saison-Lehre für den BVB

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Borussia Dortmund hat sich mit dem nicht nur die Vizemeisterschaft gesichert, sondern auch demonstriert, nach dem FC Bayern die beste deutsche Mannschaft zu sein. Eine Mannschaft, die (noch) nicht mental gefestigt genug für den großen Coup ist. Oder um es mit den Worten eines BVB-Spielers auszudrücken: Die "menschlich" ist.

Als der BVB am Mittwoch im heimischen Signal Iduna Park dem mittlerweile vor dem Abstieg geretteten Underdog Mainz 05 überraschend mit 0:2 unterlag, gab Trainer Lucien Favre zu, dass man den Gegner "unterschätzt" habe.

Fußballerisch, das offenbarte die Reaktion beim Tabellendritten in Leipzig drei Tage später, spricht nichts dagegen, an dem immer mal wieder zur Diskussion stehenden Favre festzuhalten. Denn wenn seine Mannschaft wirklich will, wenn sie wirklich mit voller Konzentration und Hingabe spielt, ist sie imstande, 16 der 17 Gegner in der Bundesliga problemlos zu schlagen.

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Gegen RB, allen voran in den ersten 45 Minuten, kam das ganze spielerische Potenzial der Favre-Elf zur Geltung. Bissig im Spiel gegen, dynamisch im Spiel mit Ball: Die "erschreckend schwache" Leistung der Hausherren, wie Coach Julian Nagelsmann sie bezeichnete, war vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Gäste gehörig aufs Gaspedal drückten und gerade im Umschaltspiel eine Klasse besser waren. Mit einer effizienteren Chancenverwertung "hätte es am Ende noch höher ausfallen können", befand Mats Hummels nach dem Schlusspfiff.

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Hummels: "Der Titel muss immer das Ziel sein"

Der Dortmunder Abwehrchef sprach daher mit Fug und Recht von "einem der besten Auftritte" des BVB in dieser Saison. Einer Saison, in der wohl mehr drin gewesen wäre, hätte die Favre-Elf kein Mentalitätsproblem. Hätte sie auch vermeintliche Pflichtaufgaben wie gegen Paderborn, Freiburg oder Hoffenheim pflichtbewusst gelöst und eines der beiden Spitzenduelle mit den Bayern für sich entschieden oder zumindest mit einem Remis beendet.

So ist am Ende erneut nicht mehr drin als Platz zwei - auch weil die fußballerische Qualität und Erfahrung der Münchner ein Stückchen höher und gefestigter ist, aber auch weil sie tatsächlich die Punkte holen, die auf dem Papier schon im vornherein als "fest eingeplant" abgetan werden.

"Natürlich sind wir nicht mit Platz zwei zufrieden", sagte Erling Haaland, der gegen Leipzig seine Bundesliga-Tore 15 und 16 beisteuerte. Hummels kündigte an, man wolle in der neuen Spielzeit "noch einen Platz nach oben rutschen". Warum er das so selbstbewusst und deutlich sagte? "Der Titel muss immer das Ziel sein, wenn man so eine Mannschaft hat."

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Der BVB ist menschlich, der FC Bayern nicht

Gerade die Rückrunde dürfte Hummels und Co. zuversichtlich stimmen. Eine Rückrunde, in der der ohnehin hochklassig bestückte Kader mit Haaland und auch Emre Can einen deutlichen Qualitätsschub bekommen hat.

Eine Rückrunde, in der sich einige neue verheißungsvolle Talente wie die gegen Leipzig auffälligen Giovanni Reyna oder Mateu Morey als echte Alternativen zu Stammkräften wie Jadon Sancho erweisen. Eine Rückrunde, in der die Schwarz-Gelben mehr Tore auf ihrem Konto haben (aktuell 84) als jemals zuvor in ihrer Bundesliga-Historie.

"Ich glaube, dass wir eine Mannschaft haben, die Kritik ertragen kann", sagte Julian Brandt nach dem Leipzig-Spiel. "Wir sind sehr selbstkritisch und hinterfragen uns. Auf der anderen Seite haben wir so viele Spiele gewonnen, dass man auch mal ein Spiel verlieren kann."

Das sei "am Ende auch irgendwo menschlich", befand der Nationalspieler. Das Ärgernis aus BVB-Sicht: Es gibt offensichtlich eine Mannschaft in Deutschland, die nicht menschlich ist.

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