Bundesliga: Sancho-Poker: Karten sind neu gemischt

SPOX

Kein Thema begleitet Borussia Dortmund seit dem vergangenen Sommer mehr als das muntere Wetteifern um Jadon Sancho. Der 20-Jährige steht besonders bei den Top-Klubs aus seiner Heimat England ganz oben auf dem Zettel. Doch die Karten scheinen neu gemischt - und der BVB hat mehr als ein Ass auf der Hand.

In den englischen Medien war gefühlt kein anderes Thema heißer als die Gerüchte um Sancho und Manchester United. Den Red Devils wird seit geraumer Zeit großes Interesse am englischen Nationalspieler nachgesagt. Das englische Boulevardblatt Sun setzte neulich gar einen drauf und berichtete von einer Einigung für den kommenden Sommer. Auch nach Informationen von SPOX und hat United aktuell die besten Chancen, sollte sich Sancho für einen Wechsel entscheiden.

Allerdings scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Angesichts der anhaltenden Coronakrise und den damit verbundenen Verlusten im dreistelligen Millionenbereich muss der englische Rekordmeister im Kampf um Sancho wohl die Segel streichen.

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"Niemand sollte sich Illusionen hingeben, was die Größe der Herausforderungen angeht, vor die der Fußball gestellt wird", sagte United-Klubchef Ed Woodward gegenüber einem Fanforum und ließ die Hoffnungen der United-Anhänger auf einen Megatransfer - in naher Zukunft - endgültig platzen. Der Spielbetrieb in England ruht bereits seit dem 13. März - und eine Wiederaufnahme ist vorerst nicht in Sicht. Schätzungsweise droht den Klubs insgesamt eine Einbuße von mehr als einer Milliarde Euro.

Sancho zu Manchester United? Woodward: Ablösesumme unstemmbar

Der Transfermarkt werde für keinen Verein "business as usual", erklärte Woodward und stellte anschließend klar: Wer diese Gerüchte über Transfers in Höhe von Hunderten Millionen Euro in die Welt setze, "verkennt die Realitäten". Eine Ablösesumme, die für Sancho mit Blick auf die gewaltigen Beträge der vergangenen Transferperioden aber nötig wäre, um einen Transfer zu jener Realität werden zu lassen. Der Marktwert des schnellen Flügelspielers wird schließlich auf über 100 Millionen Euro geschätzt.

Zu viel Geld für den 20-Jährigen, wie Manchester Uniteds Legende Gary Neville findet. "Um ehrlich zu sein, Jadon Sancho im Moment ... wir übertreiben", sagte der TV-Experte bei Sky Sports und lederte: "Argentinien hat Agüero, Higuain, Messi, Di Maria - wie gut sind die im Vergleich zu Sancho? Er ist nicht mal in der Nähe dieser Spieler."

Für Neville sei Sancho zwar ein "Talent, aber wir können ihn nicht in die Kategorie der Weltstars einordnen, die Saison für Saison regelmäßig Titel gewinnen". Der ehemalige Rechtsverteidiger, der insgesamt 398 Premier-League-Spiele für Manchester absolvierte, scheint allerdings dabei Sanchos herausragende Zahlen in dieser Saison außer Acht gelassen zu haben. Der Engländer verbuchte bisher 17 Tore und 19 Assists in 35 Pflichtspielen für den BVB. Messi, der größte Star unter Nevilles Vergleichskandidaten, hat beispielsweise "nur" vier Torbeteiligungen mehr auf dem Konto.

Sancho-Verpflichtung hat bei Chelsea "definitiv" Priorität

Nur einer der Gründe, warum so viele große Vereine um die Dienste des Youngsters buhlen. In der Premier League gilt der FC Chelsea als zweitwahrscheinlichste Option auf einen Transfer. Wie der englische -Korrespondet Nizaar Kinsella zuletzt erklärte, habe eine Verpflichtung von Sancho "definitiv" Priorität. "Sie wollen ihn unbedingt haben", sagte der Chelsea-Experte. Demnach würde beispielsweise ein gestandener Spieler wie Philippe Coutinho, der beim FC Bayern keine Perspektive hat, noch hinter Sancho auf der Liste der Blues stehen.

Ein weiteres Szenario wäre eine Transferoffensive des FC Liverpool, sollte Sadio Mane das Team von Jürgen Klopp verlassen. Dabei handelt es sich aber nur um ein Gerücht, dem es aktuell an Substanz fehlt. Eine Rückkehr zu Manchester City gilt ebenfalls als undenkbar, allein wegen des Champions-League-Ausschlusses der Skyblues. Auch ein Wechsel zu den spanischen Übermächten Real Madrid und FC Barcelona erscheint aufgrund der Corona-Pandemie mehr als unrealistisch, zumal beide Klubs andere Prioritäten auf dem Transfermarkt haben.

Sancho-Verbleib? BVB hat mehr als ein Ass auf der Hand

Die Optionen für einen Abschied von den Schwarzgelben gehen Sancho also aus. Aus der Sicht des in Dortmund von Fans und Mitspielern geliebten Flügelflitzers besteht jedoch alles andere als ein Grund, den BVB bei der nächstbesten Gelegenheit zu verlassen. Die Borussia baut sich eine vielversprechende Mannschaft mit vielen hochtalentierten Spielern auf.

Erling Haaland oder das Eigengewächs Giovanni Reyna unterstreichen mit ihren guten Leistungen in jungen Jahren, welches Potenzial im Team von Trainer Lucien Favre steckt. Außerdem würde Sancho mit seinem Standing in Dortmund auch in der kommenden Spielzeit (nur Mats Hummels und Achraf Hakimi spielten 2019/20 mehr) auf jede Menge Einsatzzeit kommen und könnte mit reichlich Selbstbewusstsein zur Europameisterschaft, die auf 2021 verschoben wurde, fahren.

Auch von Dortmunder Seite aus besteht keine Not, den Leistungsträger im Sommer abzugeben. Sanchos Vertrag läuft noch bis 2022. Nach Bild-Informationen soll der BVB sogar versuchen, den Rechtsfuß mit einer außerplanmäßigen Gehaltserhöhung von einem Verbleib zu überzeugen. Demnach winke ihm ein Jahreseinkommen von zehn Millionen Euro, wenn er noch eine weitere Saison im schwarzgelben Trikot dranhängt. Es spricht also nicht viel für einen baldigen Sancho-Abschied. Während Manchester United und Co. am Pokertisch ins Straucheln geraten, hat der BVB mehr als ein Ass auf der Hand.

Jadon Sancho im Steckbrief

Geburtstag

25. März 2000

Geburtsort

Camberwell, London (England)

Starker Fuß

Rechts

Position

Linker Flügel, rechter Flügel

Vereine

FC Watford (Jugend), Manchester City (Jugend/U23), Borussia Dortmund

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