Bundestrainer Jogi Löw: "Keine Ausreden" für den Weltmeister

Bundestrainer Jogi Löw sieht im deutschen Sturm keinerlei Probleme. Im Gegenteil: Der DFB-Angriff sei variabel wie lange nicht mehr.

Beim Spaziergang am Samstag lernten die Weltmeister die "Stadt der Winde" mit Fremdenführer Tural von deren stürmischer Seite kennen, am Sonntag wollen sie in Baku einen Angriffswirbel entfachen. "Das Ziel ist klar besprochen: Wir wollen die Qualifikation zunächst bis zum Sommer ohne Punktverlust durchziehen. Wir gehen ins Spiel mit der Vorgabe, drei Punkte zu erzielen", sagte Bundestrainer Joachim Löw vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan im alten Tofik-Bachramow-Stadion.

Dort warten am Sonntag (18.00 Uhr im LIVE-TICKER) zwar nur rund 30.000 Azeris, weil das 2015 fertiggestellte Nationalstadion mit einem Fassungsvermögen von über 60.000 Zuschauern für die "Islamspiele" hergerichtet wird. Dennoch erwartet Löw eine "heiße Atmosphäre" und nach langem Flug sowie Zeitunterschied von am Spieltag zwei Stunden "widrige Umstände". Aber, betonte der äußert konzentriert wirkende Chef: "Das soll keine Ausrede sein. Wenn wir mit der nötigen Konzentration ins Spiel gehen, werden wir gewinnen."

Wie 2009 (2:0) und 2011 (3:1). Die Azeris, Nummer 89 der Weltrangliste, hätten inzwischen aber "eine ganz andere Mannschaft", sagte Löw. "Auf die Mannschaft trifft das Gleich zu wie auf das Land: Wenn man hier ankommt, sieht man unglaubliches Wachstum und eine Entwicklung im Vergleich zu damals." Eindrucksvoll vorgeführt bekam die Mannschaft das bei ihrer Ankunft am späten Freitagabend, als das luxuriöse Teamhotel am Kaspischen Meer in den Nationalfarben Aserbaidschans erleuchtet war.

Löw grübelte dort bis zuletzt über seiner Aufstellung. Hinter dem Einsatz von Mesut Özil (Rückenbeschwerden) stehe ein "Fragezeichen", sagte er, ein Test beim Abschlusstraining sollte nach zwei Tagen Pflege Gewissheit bringen. Sollte der Weltmeister ausfallen, dürfte Toni Kross nach vorne und Emre Can in die Startformation rücken.

Trio wieder fit

Ob Torhüter Marc-André ter Stegen in Abwesenheit von Kapitän Manuel Neuer, dessen Spielführerbinde Sami Khedira tragen wird, eine neue Chance bekommt, wollte Löw nicht verraten. Wohl aber, dass er im Abwehrzentrum neben Mats Hummels den Schalker Benedikt Höwedes ran lässt. Wie Khedira sind Julian Draxler und Mario Gomez wieder fit, zumindest Gomez' Einsatz bestätigte Löw. "Wir brauchen ihn als Binder für die Abwehrspieler im Sechzehner", sagte er. Die vierte offensive Planstelle geht an Thomas Müller.

Das Motto der Reise stand übrigens schon auf dem Flugzeug. "Siegen" hieß die Maschine, mit der die Nationalmannschaft den viereinhalbstündigen Flug nach Vorderasien angetreten hatte. Dort, betonte Manager Oliver Bierhoff, werden "70 Prozent nicht reichen" für den fünften Sieg im fünften Gruppenspiel und die achte Begegnung in Serie ohne Gegentor. "Wir stellen uns auf ein kompliziertes Spiel ein, in dem wir von Anfang an 100-prozentig da sein müssen", sagte Khedira, der wie Özil und Gomez bereits 2009 dabei war: "Wir nehmen den Gegner ernst."

"Spiel des Jahres" für Aserbaidschan

Wie ernst, demonstrierte Löw am Samstag bei der Pressekonferenz, die er nach rund 20 Minuten mit erhobenem Zeigefinger abbrach. "Training", sagte er, und lächelte verschmitzt.

Aserbaidschan, das alle vier Duelle mit der DFB-Elf verlor (Torverhältnis 2:15), fiebert derweil seinem "Spiel des Jahres" entgegen, wie Nationaltrainer Robert Prosinecki versicherte. "Hier wollen alle den Weltmeister sehen", sagte der Nachfolger von Berti Vogts dem kicker, und falls die Azeris nicht verlieren sollten, werde das selbsternannte "Land des Feuers" sicher "explodieren". Aber: "Normalerweise kommt Deutschland und löst die Aufgabe ganz professionell."

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