Mainz-Stürmer offen: Mit Svensson "gibt es direkt auf die Socken"

Christopher Michel
·Lesedauer: 7 Min.

Die Winterpause verlief bei Mainz 05 turbulent wie nie zuvor.

Trainer Jan-Moritz Lichte wurde gegen Ex-Profi Bo Svensson ausgetauscht. Zudem löste Martin Schmidt den rückhaltlosen Rouven Schröder als Sportdirektor ab. Mit Christian Heidel kehrte zudem eine Vereinslegende als Sportvorstand zurück. Gegen den FC Bayern konnte die sportliche Krise bei der 2:5-Niederlage dennoch nicht gestoppt werden. (Tabelle der Bundesliga)

Positiv fiel Stürmer Jonathan Burkardt auf. Der 20-Jährige schoss das 1:0 gegen den FC und wird immer wichtiger.

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Vor dem Debüt von Svensson an der Seitenlinie gegen den ungeliebten Rivalen Eintracht Frankfurt spricht der Profi im SPORT1-Interview über seinen Jugendcoach, den Abstiegskampf und das Personal-Beben. (Bundesliga: Mainz 05 - Eintracht Frankfurt am Sa. ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Burkardt über Tor gegen Bayern: "Alles perfekt zusammengekommen"

SPORT1: Jonathan Burkardt, wenn Sie Tore schießen, dann passiert das gegen die Topteams. Letzte Saison in Dortmund, diese Spielzeit in München. Haben Sie dafür schon einen Grund gefunden?

Jonathan Burkardt: Ich weiß nicht, warum ich bislang nur gegen die Topteams getroffen habe. Natürlich würde ich gerne auch gegen andere Teams treffen und nicht nur gegen Dortmund und Bayern. Trotzdem waren das natürlich zwei schöne Tore.

SPORT1: Beschreiben Sie den Treffer zum 1:0 gegen Bayern doch noch einmal aus Ihrer Sicht. Es war schließlich Ihr erstes Saisontor ...

Burkardt: Da hat einfach alles gepasst. Ich kann mich gegen Jérôme Boateng im richtigen Augenblick durchsetzen. Dadurch springt er unter dem Ball durch. Benjamin Pavard hat den Raum dahinter nicht richtig abgesichert. Ich treffe den Ball mit dem eigentlich schwachen linken Fuß dann optimal, sodass er an Manuel Neuer ins Tor vorbeifliegt. Bei diesem Tor ist alles perfekt zusammengekommen.

SPORT1: Das war bestimmt ein tolles Gefühl, einen Treffer gegen Manuel Neuer erzielt zu haben, oder?

Burkardt: Das stimmt. Ich hatte in der Anfangsphase noch eine Großchance vergeben. Dass ich dann mit der nächsten Chance treffe, war natürlich perfekt.

Burkardt: "Brauchen gleiche Idee im Kopf"

SPORT1: Trotz allem stand nach starken 60 Minuten am Ende eine 2:5-Niederlage. Was nimmt die Mannschaft aus der Partie in München mit? Das Gefühl, gut mitgehalten zu haben – oder den Frust über die hohe Niederlage?

Burkardt: Wir nehmen beide Gefühle mit. Die ersten 60 Minuten waren wirklich sehr gut. Auf der anderen Seite stehen aber auch fünf Gegentore. Ein Problem ist, dass zunehmend die taktische Disziplin gefehlt hat. Die Abstände zwischen den Ketten wurden dadurch zu groß und wir sind auseinandergefallen. Das hätte nicht passieren müssen. Es war uns klar, dass wir das Tempo nicht über die gesamte Spieldauer durchhalten können. Aber wir hätten auch in der Endphase enggestaffelter stehen und es dem FC Bayern schwerer machen müssen. Die Bayern haben uns dann mit ihrer Qualität auch überrollt, aber wir hätten besser dagegenhalten müssen.

SPORT1: War der Absturz in der zweiten Halbzeit eine Kraft- oder eine Kopfsache?

Burkardt: Unser Problem war, dass was die Taktik angeht nicht mehr alle an einem Strang gezogen haben. Die einen dachten, dass wir vorne draufgehen und einen weiteren Treffer erzielen müssen. Die anderen dachten, dass wir tiefer stehen und das Ergebnis verwalten sollten. Wir müssen in Zukunft einen Weg finden, dass die Mannschaft immer die gleiche Idee im Kopf hat. (Spielplan der Bundesliga)

SPORT1: Für diese Verbesserungsarbeiten wird sich ab sofort Bo Svensson verantwortlich zeigen. Was bedeutet Ihnen seine Rückkehr nach Mainz? Er hat Sie damals in der Jugend trainiert.

Burkardt: Als ich gelesen habe, dass Bo Svensson kommt, habe ich mich wirklich sehr gefreut. Ich glaube, dass er der passende Trainer für Mainz ist. Mit ihm können wir uns unten befreien und auch langfristig eine Perspektive schaffen. Ich kenne ihn gut und weiß, wie er arbeitet. Man sieht schon in den ersten Trainingseinheiten, dass er vieles einfordert. Er erkennt Probleme und spricht diese klar an. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass uns Svensson auf den richtigen Weg bringt.

Burkardt über Svensson: "Gibt auf die Socken"

SPORT1: Haben Sie das Gefühl, dass Bo Svensson die Sprache der Spieler spricht?

Burkardt: Svensson fordert als Führungsperson viel Respekt von den Spielern ein. Die Spieler wissen dann, woran sie bei ihm sind. Es gibt keine Verständigungsprobleme. Jeder weiß, dass es direkt auf die Socken gibt, wenn einer schlecht trainiert. Das ist wirklich gut, diese Ansprache brauchen wir jetzt.

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SPORT1: Bo Svensson hat allerdings noch nicht in der Bundesliga trainiert. Trauen Sie ihm dennoch zu, gleich an den richtigen Stellschrauben zu drehen?

Burkardt: Es ist für Bo Svensson vielleicht neu, eine Profimannschaft in Deutschland zu trainieren, aber ich glaube, dass er das schafft. Svensson kann aber nicht alles alleine regeln. Am Ende sind es wir Spieler, die auf dem Platz stehen. Von uns muss die Bereitschaft kommen, seine Vorgaben konsequent umzusetzen und die nötigen Punkte zu holen. Am Ende sind es wir Spieler, die auf dem Platz stehen. Von uns muss die Bereitschaft kommen, seine Vorgaben konsequent umzusetzen und die nötigen Punkte zu holen.

Heidel, Schmidt und Svensson sorgen für "Neustart"

SPORT1: Doch nicht nur Bo Svensson kam zurück nach Mainz. Mit Martin Schmidt wurde ein neuer Sportdirektor installiert, zudem ist der Leuchtturm Christian Heidel wieder da. Wie wurde die Rückkehr von Heidel aufgenommen?

Burkardt: Das ganze Team, das neu gekommen ist, verändert bei unserer Mannschaft etwas. Es fühlt sich wie ein Neustart an. Vor allem mit Christian Heidel kommt eine große Figur nach Mainz zurück. Das löst bei den Spielern und auch im gesamten Umfeld etwas Spezielles aus. Die Rückkehr von Heidel hat Aufbruchstimmung erzeugt. Ich bin überzeugt davon, dass wir so in die richtige Richtung gehen.

SPORT1: Mit dem neuen Gespann ist der Klassenerhalt für den FSV Mainz 05 also noch möglich?

Burkardt: Definitiv ja!

SPORT1: Zum Auftakt von Bo Svensson steht gleich ein emotionales Duell auf dem Programm. Mainz empfängt den Nachbarn Eintracht Frankfurt. Wie sehen Sie die Entwicklung der Eintracht?

Burkardt: Das Spiel gegen Bayer Leverkusen war schon beeindruckend von der Eintracht. Wir müssen aber vor allem auf uns schauen. Wir haben in Heimspielen schon oft gegen die Eintracht gewonnen und sind der entscheidende Faktor für den Ausgang des Spiels.

Burkardt entschied sich gegen Frankfurt

SPORT1: Bevor Sie in der Jugendabteilung nach Mainz gewechselt sind, hatte auch die Eintracht ein Auge auf Sie geworfen. Was gab damals den Ausschlag für Mainz?

Burkardt: Ich bin in der U15 mit 14 Jahren zu Mainz 05 gewechselt. Die Entscheidung fiel damals zwischen Eintracht oder Mainz. Am Ende habe ich mich für Mainz entschieden, weil ich gespürt habe, dass sich der Verein mehr um mich bemüht hat. Ich hatte auch das Gefühl, dass ich mich hier in Ruhe entwickeln kann. Heute kann ich sagen: Das war eine gute Entscheidung.

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SPORT1: Bei den 05ern sind Sie inzwischen auf dem Weg zur festen Größe. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Entwicklung?

Burkardt: In meiner Karriere ging es bislang stetig aufwärts. Im ersten Profijahr hatte ich vier Einsätze, in der vergangenen Saison dann acht Spiele. Jetzt bin ich immer dabei und spiele regelmäßig. Ich kann mich über die persönliche Entwicklung also nicht beschweren.

SPORT1: Wo sehen Sie bei sich noch Luft nach oben?

Burkardt: Ich arbeite täglich an mir. Im Training übe ich an meinen Abschlüssen und im Kraftraum an meiner körperlichen Stärke. Ich mache Tag für Tag weiter und schaue dann, wo ich lande. Natürlich hätte ich gerne noch mehr Torbeteiligungen, aber da komme ich auch noch hin.

SPORT1: Wenn Sie zum Einsatz kamen, dann als Flügelspieler oder Mittelstürmer. Wo sehen Sie ihre Paradeposition?

Burkardt: Ich fühle mich als Mittelstürmer am wohlsten, weil ich da kurze Wege zum Tor habe und meine Tiefenläufe noch besser einbringen kann. Es ist aber auch nicht schlecht, dass ich auf die Außenbahnen ausweichen kann und in der Jugend habe ich auch schon als Spielmacher gespielt. Es ist gut, dass ich flexibel bin. Aber im Sturm fühle ich mich am wohlsten.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft 2022 aus. Gab es bereits Gespräche über eine Verlängerung?

Burkardt: Dadurch, dass es bei Mainz so viel Bewegung gab, laufen noch keine Gespräche. Ich will mich zunächst voll darauf konzentrieren mit Mainz in der Bundesliga zu bleiben. Ich beschäftige mich noch nicht mit solchen Fragen, jetzt liegt der Fokus voll auf Klassenerhalt.