Reus-Ansage an Bayern: „Glaube fest an den Meister-Titel!“

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Am Samstag ist Marco Reus vorzeitig von der Nationalmannschaft abgereist.

Reus-Ansage an Bayern: „Glaube fest an den Meister-Titel!“
Reus-Ansage an Bayern: „Glaube fest an den Meister-Titel!“

Der DFB-Star, der eine wichtige Rolle in den Plänen von Hansi Flick spielt, wird am Sonntag im letzten WM-Quali-Spiel in Armenien geschont. 

„Marco hat sehr viele Spiele gemacht“, sagte der Bundestrainer vor dem Flug nach Jerewan auf SPORT1-Nachfrage. „Daher geben wir ihm aufgrund der Belastungssteuerung für dieses Spiel frei, damit er durchschnaufen kann.“

Vor seiner Abreise hat sich Reus viel Zeit für das exklusive Interview mit SPORT1 genommen.

Der 32 Jahre alte BVB-Kapitän spricht erstmals offen über Rücktrittsgedanken aus der Nationalmannschaft, seine Ziele mit dem DFB-Team in Katar, die Zusammenarbeit mit Hansi Flick und er stellt sich nach seinen jüngsten Taktik-Aussagen, die für viel Wirbel rund um den BVB gesorgt haben, schützend vor Klub-Trainer Marco Rose: „Zwischen mir und Marco passt kein Blatt Papier!“

Reus schmunzelt über Zorc-Zoff mit Salihamidzic

SPORT1: Sie sind vorzeitig vom Nationalteam abgereist. Genauso wie Manuel Neuer, Leon Goretzka und Antonio Rüdiger sind Sie am Samstag nicht mit zum letzten WM-Quali-Spiel nach Armenien geflogen. Warum?

Marco Reus: Ich habe ein sehr offenes Gespräch mit Hansi Flick geführt. Für uns war es wichtig, dass wir auf die Belastung achten, sie richtig dosieren. In Dortmund haben wir aktuell sehr viele Verletzte, weshalb ich fast alle Spiele gespielt habe. Ich kenne meinen Körper nach all den Verletzungen mittlerweile sehr gut und weiß, wann eine Pause nötig ist.

SPORT1: Stellen Sie sich auf den nächsten Spruch aus München ein?

Reus: (lacht) Ich bin gespannt, ob diesmal etwas kommt. Nein, im Ernst: Es war zum Schmunzeln.

SPORT1: Bayern-Boss Hasan Salihamidzic hatte Ihre vorzeitige Abreise vom DFB-Team vor ein paar Monaten stark kritisiert, BVB-Manager Michael Zorc entgegnete, dass Salihamidzic „die Klappe halten“ soll. Wie haben Sie den Zoff wahrgenommen?

Reus: Das Thema wurde ja überall viel diskutiert. Wie gesagt: Ich habe geschmunzelt.

Reus: „Wir wollen wieder nach ganz oben“

SPORT1: Beim 9:0-Sieg am Donnerstag gegen Liechtenstein haben Sie ein Tor selbst erzielt und drei vorbereitet. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Leistung?

Reus: Die war in Ordnung. Ich hätte noch ein, zwei Tore mehr machen können. Liechtenstein hat nicht unbedingt Hurra-Pressing gespielt, sondern sich wie erwartet hinten reingestellt. Mit der frühen Roten Karte war das Spiel ja fast schon entschieden. Es war gut, dass wir über das gesamte Spiel drangeblieben sind und Tore geschossen haben. Das hat der Bundestrainer auch von uns gefordert. Wir sollten uns in diesem Spiel Selbstvertrauen holen. Das hat geklappt. Mit guten Kombinationen haben wir den Fans viel Freude bereitet. Wir wissen aber, dass Liechtenstein nicht der Maßstab für die WM sein kann.

SPORT1: Im Hinspiel in St. Gallen gab es nur ein mageres 2:0. Wieso lief es jetzt besser?

Reus: Im Hinspiel war vieles noch neu. Es war das erste Spiel unter Hansi Flick. Wir standen ganz am Anfang des Weges. Wir haben unter Hansi Flick jetzt einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wir treten wieder giftiger und galliger auf.

SPORT1: Sind Sie mit der Nationalmannschaft auf dem Weg zurück in die Weltspitze?

Reus: Die Weltspitze ist unser großes Ziel. Wir wollen wieder nach ganz oben. Das ist allerdings ein langer Weg, der sich nicht innerhalb von ein paar Monaten bewältigen lässt. Die Top-Teams als Gegner kommen erst noch. In diesen Spielen müssen wir da sein. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, wo wir wirklich stehen.

Reus registriert Entwicklung in der Mannschaft

SPORT1: Sie haben anfangs die Kommunikation mit Flick angesprochen. Wie laufen die Gespräche mit dem Bundestrainer?

Reus: Sehr gut. Wir hatten vor meiner ersten Nominierung schon gute und offene Gespräche. Er hat mir seine Ansichten geschildert, ich ihm meine. Das war total ehrlich und wichtig. Er erwartet 100 Prozent – von jedem! Das fordert er in jedem Training und auch darüber hinaus ein. Daran wirst du von ihm gemessen.

SPORT1: Hat er dem DFB-Team wieder das Sieger-Gen, das er aus seiner Zeit in München in sich trägt, eingeimpft?

Reus: Ich sehe schon eine Entwicklung in der Mannschaft. Wir wollen in jedem Spiel Tore schießen und draufgehen. Gegen Liechtenstein haben wir hoch gewonnen, normal lässt man nach einer 4:0- oder 5:0-Führung schon mal nach, aber wir haben weiter aufs Gaspedal gedrückt. Die Jungs, die reinkamen, haben nahtlos an die Leistung angeknüpft. Dass wir als Team nicht zurückschalten, sondern sogar das zehnte Tore machen wollen, finde ich gut. Wir wollen das Maximum, in jedem Spiel.

SPORT1: Es hieß bislang immer: Thomas Müller oder Reus – jetzt haben Sie zusammen gespielt. Wie sehen Sie den Konkurrenzkampf?

Reus: Für mich spricht nichts dagegen, dass wir beide zusammen auflaufen. Wir ergänzen uns sehr gut. Ich würde uns als Freiraumspieler bezeichnen. Wir rotieren gerne, halten uns in verschiedenen Räumen auf, gehen in die Tiefe und laufen viel. Es passt auch zu zweit gut zusammen. Ich spiele sehr gerne mit Thomas zusammen, mir macht das unheimlich Spaß. Ich glaube, dass es auch für die Gegner schwierig ist, gegen uns beide zu verteidigen. Klar ist aber: Am Ende stellt der Trainer auf.

Reus sieht sich auf der Zehner-Position

SPORT1: Auf welcher Position sehen Sie sich im DFB-Team?

Reus: Ich persönlich sehe mich auf der Zehn, weil ich dort freier bin. Ich bin auf der Zehn defensiv wie offensiv eingebunden. Das brauche ich für mein Spiel. Der Bundestrainer und ich haben aber auch andere Möglichkeiten besprochen, die eventuell noch kommen könnten. Das ist abhängig von der Personallage. Am Ende spielt es für mich aber keine Rolle, ob ich rechts, links oder in der Mitte spiele. Ich will mit dem Team Erfolg erfolgreich sein und spiele dort, wo ich gebraucht werde. 

SPORT1: Sie sind körperlich fit und strahlen in unserem Gespräch. Für Verein und Nationalmannschaft haben Sie in dieser Saison schon 19 Pflichtspiele bestritten und 19 Torbeteiligungen (7 Treffer, 12 Assists) auf dem Konto. Sie profitieren sicherlich auch von Ihrer EM-Absage im Sommer. War das rückblickend die schwerste Entscheidung ihrer Karriere?

Reus: Es war definitiv keine leichte Entscheidung. Sie war für meinen Körper und meinen weiteren Karriereverlauf aber wichtig. Ich kam aus einer langen Verletzung, die sehr schwierig zu therapieren war. Ich kam immer besser in Tritt, habe mit dem BVB den Pokal gewonnen und mir dann die Frage gestellt: Was ist dir wichtig? Wie lange wirst du noch spielen? Die Belastung wird nämlich sicher nicht weniger. Ich habe lange mit mir gerungen, weil ich sehr gerne bei dieser EM dabei gewesen wäre. Wir hatten schließlich drei Spiele zuhause. Ich habe dann gemeinsam mit Jogi Löw besprochen, dass ich nicht mitfahren werde.

SPORT1: Viele Experten haben Sie für den EM-Verzicht kritisiert. Wie denken Sie darüber?

Reus: Wichtig ist für mich, dass ich hinter meiner Entscheidung stehe. Das tue ich bis heute. Ich bin immer noch überzeugt, dass es richtig war. Ich bin erstmals seit langem in der Vorbereitung gesund geblieben. Ich bin topfit. So kann ich der Nationalmannschaft doch viel besser helfen. 

Reus über Löw: „Menschlich ist er eine glatte Eins“

SPORT1: Sie haben Joachim Löw angesprochen. Am Donnerstag hat er in Wolfsburg seinen gebührenden Abschied bekommen. Was glauben Sie, wo er beruflich landen wird?

Reus: Viele hier im Kreise der Nationalmannschaft haben Jogi viel zu verdanken. Er hat uns zu Nationalspielern gemacht. Menschlich ist er eine glatte Eins. Er hat nie ein schlechtes Wort verloren, war immer ehrlich, geradeaus und loyal. Das haben wir alle an ihm geschätzt. Er hat den deutschen Fußball entscheidend mitgeprägt. Ich bin stolz, dass ich unter ihm spielen durfte. Man kennt ihn nur als Bundestrainer. Die Arbeit in einem Verein ist sicher nochmal eine andere. Ich traue ihm das aber absolut zu und bin sicher, dass er auch eine Vereinsmannschaft führen kann. Ich bin gespannt, wohin es ihn verschlägt. 

SPORT1: Wird die deutsche Mannschaft bei der WM in Katar um den Titel mitspielen?

Reus: Es wird auch darauf ankommen, wie wir in das Turnier reinkommen. Vielleicht spielen wir uns ja in einen Rausch wie 2014. Wir haben das Potenzial und die Spieler, etwas Großes zu erreichen. Aber es muss natürlich vieles zusammenkommen. Der Bundestrainer hat vieles verändert, was mit Blick auf das Turnier wichtig sein kann.

SPORT1: Wird Katar Ihr letztes Turnier sein?

Reus: Katar ist mein Ziel. Danach werde ich schauen, ob ich überhaupt noch gewünscht bin, ob ich fit bin und dem Team eine Hilfe sein kann. Ich mache mir darüber erst Gedanken, wenn das Turnier vorbei ist. Hoffentlich nach dem Finale am 18. Dezember.

„Ich spiele Fußball, um Titel zu holen“

SPORT1: Sie müssen doch richtig motiviert sein, schließlich haben Sie aufgrund von vielen Verletzungen erst zwei große Turniere gespielt. Beim WM-Triumph 2014 waren Sie nicht dabei. Sie gelten als Unvollendeter. Wollen Sie es den Fans nochmal zeigen?

Reus: Ich will mich immer noch weiterentwickeln und das Maximum erreichen. Ich spiele Fußball, um Titel zu holen, im Verein und mit der Nationalmannschaft. Ich selbst setze mich nicht unter Druck.

SPORT1: Hatten Sie ernsthafte Rücktrittsgedanken?

Reus: Bei der Nationalmannschaft, meinen Sie? 

SPORT1: Ja.

Reus: Es gab viele Spieler, die unter anderem wegen Verletzungen zurückgetreten sind. Darüber habe ich mir verständlicherweise auch Gedanken gemacht. Ich hatte im Sommer ein offenes Gespräch mit Hansi Flick, das sehr wichtig für mich war. Es ist eine Ehre für mich, dass er weiterhin auf mich setzen will. Mit dem Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, habe ich momentan großen Spaß.

SPORT1: Haben die vielen Verletzungen Sie stärker gemacht?

Reus: Zwangsläufig. Aufgeben ist nicht! Das habe ich im Leben gelernt. Rückschläge gehören dazu, das heißt aber nicht, dass man gescheitert ist. Ich habe viel an meinem Mindset gearbeitet. Gewisse Dinge lasse ich nicht mehr an mich ran. Ich bin cooler geworden, bleibe bei mir und habe ein gutes Umfeld. Das Leben ist zu schön, um traurig zu sein.

Reus stellt sich vor Rose

SPORT1: Kommen wir zum BVB. Nach der 1:2-Pleite gegen Leipzig haben Sie deutlich gemacht, dass Ihre Mannschaft mit der Fünferkette nicht klarkommt. Das wurde vielerseits als Kritik am Trainer interpretiert. Wie haben Sie das gemeint?

Reus: Zunächst einmal muss ich sagen: Ich stehe zu 100 Prozent zu den Aussagen, die ich nach dem Spiel in Leipzig getätigt habe. Natürlich macht sich der Trainer Gedanken darüber, wie wir spielen können. Und das mache ich als Spieler selbstverständlich ebenfalls. Ich weiß, dass wir zurzeit sehr viele Verletzte haben und dass es die Lage nicht zugelassen hat, dass wir von Beginn an mit einer Viererkette spielen. Ich habe in diesem Interview gesagt, dass wir mit der Fünferkette während des Spiels nicht klarkamen – und zwar aus verschiedenen Gründen. Nach unserer Umstellung auf die Viererkette wurde es besser. Aus diesem Satz, der leider völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden ist, wurde viel zu viel gemacht. Wenn ein Kapitän nach einem Spiel gar nichts mehr sagen darf, dann wird es schwierig. Es wird medial häufig gefordert, dass wir Spieler offen und ehrlich sprechen, dass das, was wir sagen, nicht nur aus Plattitüden besteht, aber dann geben wir bezogen auf den Spielverlauf unsere Eindrücke wieder, und es wird uns prompt tagelang eine Trainer-Kritik angehängt. Ganz ehrlich: Zwischen mich und Marco Rose passt kein Blatt Papier! Wir hatten von Anfang an ein sehr offenes, gutes und enges Vertrauensverhältnis. Marco Rose hat bis hierhin hervorragende Arbeit geleistet, und das wird er auch in Zukunft tun.

SPORT1: Sind die Aussagen also der Emotion nach dem Spiel geschuldet?

Reus: Du verlierst ein wichtiges Spiel, du weißt, dass die Konkurrenz am Nachmittag gewonnen hat, dein Puls ist auf 180 – dann ärgerst du dich. Das ist doch völlig normal. Wir sind am Ende die, die das umsetzen, was der Trainer vorgibt. Und das hätten wir auch in dieser Konstellation in Leipzig viel besser lösen müssen. Mein persönliches Empfinden auf dem Platz war, dass wir in einer Fünferkette anfangs zu passiv waren. Wir waren über 90 Minuten schlechter als Leipzig. Und das hat mich geärgert. Ich stehe aber voll zu meinen Aussagen! Nochmal: Zwischen mir und dem Trainer gibt es nicht im Ansatz ein Problem. Wir haben nach dem Spiel, wie wir es im Übrigen immer tun, gesprochen – auch darüber. 

Reus glaubt an Meisterschaft

SPORT1: Sie wurden zwei Mal mit dem BVB Pokalsieger, auf einen Meistertitel warten Sie allerdings vergeblich. Sie sind jetzt 32, werden Sie Ihre Karriere nochmal mit einer Meisterschaft krönen?

Reus: Ich glaube fest daran! Dazu müssen wir unheimlich konstant sein. Die Bayern sind seit neun Jahren ununterbrochen Meister. Das ist Konstanz pur und die große Kunst. Wir müssen da sein, wenn sie schwächeln. Aber sie schwächeln eben nur sehr selten. Es ist schwierig, das muss man einfach zugeben. Aber ich glaube bis zum Schluss dran. Bei uns ist eine Entwicklung zu erkennen. Wir haben in dieser Saison nur selten die Sterne vom Himmel gespielt, aber auch mal knappe Spiele gewonnen, die auf der Kippe standen. Das ist gut. Mein Ziel ist es, das große Ding mit dem BVB zu holen. Solange ich das BVB-Trikot trage und Kapitän dieser Mannschaft bin, werde ich alles daran setzen, dass wir die Schale nach Dortmund holen!

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