BVB siegt im Gigantenduell gegen Bayern - die Analyse

Mats Hummels (r.) traf für die Bayern zum zwischenzeitlichen 2:1. Am Ende siegte Dortmund mit Pierre-Emerick Aubameyang (l.) 3:2.

Die Taktik:

Dortmund verzichtete zu Beginn auf die defensive Dreierkette und verstärkte im flachen 4 – 4 – 2 lieber die Außen, um Robben und Ribéry einzudämmen. Reus sowie Aubameyang liefen die Münchner Innenverteidiger oft mit Tempo an. Im Offensivspiel schoben die Außenverteidiger situativ mit nach vorne, um Überzahlsituationen zu schaffen. Die Devise lautete: Von Real lernen, heißt siegen lernen.

Die Bayern hingegen im traditionellen 4 – 2 – 3 – 1 mit starkem Außenbahn-Fokus,  Alaba und Lahm schoben weit nach vorne und versuchten zusätzlichen Druck auf Pisczek und Schmelzer auszuüben. Robben und Ribéry zogen dafür öfter schon im Aufbauspiel ins Zentrum. Um das Offensivpressing des BVB zu umgehen und die Innenverteidiger sowie Alonso zu entlasten, ließ sich Vidal im Spielaufbau früh bis auf die letzte Linie zurückfallen.

Der Spielverlauf:

Dortmund mit starkem, konzentrierten Beginn und mehr Spielanteilen – und dem frühen 1:0! (13.) Nach Horrorpass von Martinez am Strafraumeck schloss  Guerreiro alleine vor Ulreich ab, der Ball hüpfte an den Pfosten und sprang dabei so blöd weg, dass Lahm nicht klären konnte. Marco Reus war der Nutznießer und schoss aus kürzester Distanz ein.

Die Bayern in der Folge mit mehr Druck – und Martinez machte seinen Riesenfehler wett und traf nach Ecke von Alonso aus 10 Metern per Kopf zum Ausgleich. (28.) Ein Weckruf aller erster Güte für die Münchner, die danach weiter drückten.

Und in der 41. Minute klingelte es dann endgültig: Nach schöner Kombination über links tauchte auf einmal Mats Hummels im 16er auf und traf flach ins kurze Eck gegen seinen alten Club. Die Bayern hatten auch danach die volle Kontrolle über das Spiel. Dachte man.

Aber dann drehte sich alles – auch weil sich die Bayern auf einmal defensiv im kollektiven Tiefschlaf befanden. Dembélé flankte von rechts butterweich ins Zentrum, wo der bis dahin nahezu unsichtbare Aubameyang völlig freistehend zum Ausgleich einköpfen konnte. (69.) Ein Schlag in die Magengrube für die Bayern, und es kam noch schlimmer: In der 74. Minute schloss Dembélé einen Konter wunderschön mit links ins Kreuzeck ab. Das Spiel ist nun zum zweiten Mal gedreht!

Und bei den Bayern wollte der Ball nicht mehr rein. Zweimal scheiterte Robben nach Riesengelegenheiten.  (82. und 86.). Ende, aus, vorbei. Der Rest war Jubel in Gelb-Schwarz.

Die Szene des Spiels:

Klingt jetzt blöd, aber an dieser Stelle muss man fast die Einwechslung von Erik Durm zu Beginn der zweiten Halbzeit nennen. Warum? Weil sie als Basis für die grundlegende taktische Umstellung von Thomas Tuchel war. Die Umstellung auf das deutlich riskantere, aber kraftvollere 3 – 5 – 2 brachte dem BVB letztlich die nötige Durchschlagskraft für mehr Chancen. Tuchels Coaching hat das Spiel gedreht, so einfach ist das.

Der Aufreger des Spiels:

Es hätte alles so schön für die Bayern sein können nach der 63. Spielminute. Bürkis Horrorpass, Thiagos Querpass, Lewandowskis Querpass, Robbens Benderpfostenlattentreffer! Es war eine absolut irre Szene, die im Torerfolg der Münchner enden MUSS! Damit wäre das Spiel wohl entschieden gewesen. Der Bruch im Spiel der Bayern in der Folge war unübersehbar.

Der Star des Spiels:

Ousmane Dembélé. In der ersten Halbzeit noch nahezu unsichtbar, war er der größte Nutznießer der Systemumstellung von Thomas Tuchel. Hatte deutlich mehr Freiheiten im Spiel nach vorne, machte Betrieb, bereitete den Ausgleich wunderschön vor und erzielte dann den Führungstreffer – und zwar einfach nur sahnig, weltklasse, traumhaft. Großes Spiel des 19-Jährigen in der zweiten Hälfte.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe

Extrem schwierige Partie für den Unparteiischen – und extrem starke Leistung von ihm und seinem Gespann. Lag bei jeder, aber wirklich jeder, strittigen Entscheidung in einem hochspannenden, feurigen Spiel voller Nickligkeiten und knapper Szenen richtig. Besser kann man ein solches Spiel eigentlich nicht pfeifen, großer Respekt.

Der Flop des Spiels:

Carlo Ancelotti. Das klingt jetzt hart, aber der Italiener hat durch seine mangelnde taktische Anpassungsfähigkeit zum zweiten Mal nach den Real-Spielen ein zweites entscheidendes Aufeinandertreffen für die Bayern in den Sand gesetzt. Fand keine Antwort auf Tuchels Systemumstellung und schaffte es nicht, der Mannschaft nach den fünf Horrorminuten, die das Spiel drehten, den erhofften Offensivimpuls zu geben. Die Niederlage muss auch er sich ankreiden, auch wenn das Spiel durchaus im Vorfeld hätte entschieden sein können – zugunsten der Bayern.

Von Johannes Kallenbach

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen