Carlos Sainz: McLaren hat im Kampf um P3 nicht das beste Auto

Maria Reyer
·Lesedauer: 4 Min.

"Das oberste Ziel des Teams ist, Dritter in der Konstrukteurs-WM zu sein." Das betont Carlos Sainz vor dem Grand Prix der Türkei mit Nachdruck. Sein McLaren-Team liegt derzeit einen Zähler hinter Renault und gleichauf mit Racing Point. "Wir haben nicht das schnellste Auto", muss der Spanier auch feststellen.

Sainz betont, dass er gemeinsam mit Teamkollege Lando Norris alles versuchen werde, um dem Team zum großen Ziel zu verhelfen. In weiterer Folge könne das auch entscheiden, wie es für die beiden in der Fahrer-Wertung ausgeht: Aktuell liegt der Brite vier Zähler vor Sainz auf Platz sieben.

"Ehrlich gesagt ist es für mich schon ein Erfolg, nach all dem Pech, das ich hatte und den Punkten, die ich verloren habe, dass ich nicht sehr weit von Lando entfernt liege. Das bedeutet, dass ich es zumindest geschafft habe, wieder zurückzuschlagen." Dieses Momentum möchte er bis zum letzten Rennen mitnehmen.

Renault hat sich mehr gesteigert als McLaren

Generell bezeichnet der zukünftige Ferrari-Fahrer die Saison 2020 als "ein schwieriges Jahr". Manchmal würden gar unvorhersehbare Faktoren eine Rolle spielen. "Wüssten wir immer Bescheid, würden wir es lösen können." McLaren versucht im Kampf um Rang drei mit aller Kraft den Anschluss zu halten.

"Das Team bringt bei jedem Rennen Updates, nur manchmal reagiert das Auto besser darauf, [manchmal schlechter]", weiß Sainz aus Erfahrung. Er konnte beobachten, dass Renault mit den Updates in dieser Saison ein "sehr starkes Auto" zusammenstellen konnte.

Ein so großer Schritt sei in Woking ausgeblieben, gibt er zu. "Obwohl das Auto besser ist als im ersten Rennen, haben wir uns nicht so sehr gesteigert wie Renault, die haben derzeit einen Vorteil. Das macht es für uns schwieriger, vor ihnen abzuschließen."

<span class="copyright">Glenn Dunbar / Motorsport Images</span>
Glenn Dunbar / Motorsport Images

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Teamchef Andreas Seidl stimmt dieser Einschätzung im 'Sky'-Interview zu: "Wir müssen realistisch bleiben. Wir haben im Moment ganz klar nicht das drittschnellste Auto im Feld, hatten wir auch nie. Wir haben zwei gute Fahrer und haben eine gute Teamleistung gezeigt."

Besonders in der ersten Saisonhälfte konnte McLaren viele Punkte holen, danach stagnierte der Fortschritt der Mannschaft ein wenig. Auch der Teamchef glaubt, dass es schwierig wird, den dritten WM-Rang noch einzufahren. Denn: "Das Paket von Racing Point ist nach wie vor mit Abstand das schnellste."

Und: "Renault hat einen guten Schritt nach vorne gemacht. Bezüglich Performance konnten wir diesen Schritt noch nicht machen bisher nach einem guten Start. Am Ende kommt es darauf an, die Rennwochenenden zu maximieren", weiß der Deutsche.

Seidl: "Konnten nicht erwarten, um P3 zu kämpfen"

Noch ein Aspekt darf bei der Debatte um WM-Rang drei nicht außer Acht gelassen werden: Finanziell wäre der dritte Platz lukrativer als der fünfte Rang. Laut einer Hochrechnung von 'Sky' - basierend auf Daten des Vorjahres - würde Renault auf P3 aktuell 81 Millionen US-Dollar von Liberty Media kassieren.

McLaren auf Platz vier käme grundsätzlich auf 73 Millionen US-Dollar, wobei das Team einen CCB-Bonus erhält, was insgesamt ein Preisgeld von 106 Millionen US-Dollar ausmachen würde. Racing Point auf Rang fünf müsste sich laut der Berechnung mit 70 Millionen zufriedengeben.

"Auf der finanziellen Seite haben wir für das nächste Jahr einen guten Businessplan, der berücksichtigt nicht, dass wir in diesem Jahr den dritten Platz einfahren. Es ist keine Voraussetzung oder Bedingung für den Businessplan im nächsten Jahr, da wir nicht erwarten konnten, dass wir um diesen Platz kämpfen werden", erklärt Seidl diesbezüglich.

Generell habe McLaren im Kampf gegen Renault und Racing Point zwei Trümpfe in der Hand: "Wir haben zwei Fahrer, die immer ins Q3 kommen und die immer gut sind für gute Punkte, was ganz klar ein Vorteil ist. Wir haben ein gutes Team und treffen oft gute Entscheidungen auch am Sonntag, wenn es um die Strategie geht."

Damit möchte Seidl den Kampf bis zum Schluss offenhalten. Er hofft außerdem, dass seine Mannschaft "noch ein bisschen mehr aus dem Auto herauskitzeln" kann. Seit das Team in Deutschland und Russland ein wenig strauchelte, verstehe man das neue Paket nun ein wenig besser, fügt Sainz hinzu.

"Wir wissen, dass es Strecken gibt, auf denen wir ein paar Zehntel langsamer sind als Renault und Racing Point, aber auf anderen, wie etwa Portimao, waren wir ein wenig vorn. Im Durchschnitt waren wir in den letzten drei oder vier Rennen ein klein wenig hinten, was die Pace im Qualifying und Rennen angeht."

Imola: Quali-Ergebnis hat mehr Punkte verhindert

Norris wirft außerdem ein, dass die schlechteren Qualifying-Ergebnisse das Team am Sonntag gehindert hat daran, mehr Punkte zu holen. "In Imola war das der Fall, weil es so schwierig war zu überholen. Ich denke, wir hatten ein wenig mehr Pace, als wir schlussendlich am Sonntag zeigen konnten."

Das habe McLaren am Sonntag daran gehindert, mehr Punkte zu sammeln. "Dort hat es einen Unterschied ausgemacht. In anderen Rennen konnten wir am Sonntag besser überholen und zurückschlagen, wenn wir ein wenig weiter hinten gestartet waren."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.