Carlos Sainz widerspricht Experten: Komme nicht als Nummer 2 zu Ferrari

Christian Nimmervoll
motorsport.com

Die Meinung einer überwiegenden Mehrheit der Formel-1-Experten ist vorgefasst: Ferrari hat Carlos Sainz nicht als gleichwertigen Teamkollegen für Charles Leclerc engagiert, sondern als kontrollierbare Nummer 2 - ganz ähnlich, wie es Mercedes mit Superstar Lewis Hamilton und Valtteri Bottas erfolgreich und weitgehend reibungsfrei vorexerziert.

Sainz selbst freilich will von solchen Einschätzungen nichts wissen: "Ich habe nichts unterschrieben, was mich zur Nummer 2 macht", stellt er in einem Interview mit 'Radio Marca' klar. Sein Vertrag besage nur, "wie alle meine bisherigen Verträge, dass die Interessen des Teams über den Interessen des Fahrers stehen. Aber er besagt nichts über einen Nummer-2-Status."

Zuletzt hatte etwa der ehemalige Renault-Teamchef Flavio Briatore erklärt, dass Ferrari "voll und ganz" hinter Leclerc stehe - und dass er das auch nachvollziehen kann: "Für mich besteht das Erfolgsrezept immer darin, einen Fahrer für den Titel zu haben und einen Fahrer, der viele Punkte sammelt und sie den Gegnern wegnimmt."

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Timo Glock hingegen hat kürzlich in einem Interview mit dem Formel-1-Podcast 'Starting Grid' gesagt, dass er sich nicht vorstellen kann, dass sich Sainz, auch wegen seines politisch gut vernetzten Vaters Carlos sen., bei Ferrari ohne Aufbäumen zur Schlachtbank führen lassen wird: "Carlos Sainz ist mit der Familie Todt gut verbandelt. Die kennen sich gut", weiß der TV-Experte und DTM-Pilot.

Sainz selbst versucht, solche Einschätzungen weit von sich wegzuschieben und unbefangen in das Abenteuer Ferrari zu starten: "Ich werde für Ferrari alles geben - und ich werde versuchen zu gewinnen." Gleichzeitig stellt er klar: "Sollte es mal zu einer komplizierten Situation kommen, werde ich die richtige Entscheidung treffen."

Zunächst einmal gilt es ohnehin, die Saison 2020 für seinen Noch-Arbeitgeber McLaren erfolgreich über die Runden zu bringen. Befürchtungen, dass er wegen seines bevorstehenden Abschieds zur Konkurrenz nicht mehr in die Weiterentwicklung eingebunden werden könnte, hat der 25-Jährige nicht: "Sie werden mir alles sagen, weil ich ihnen [...] noch viel helfen kann."

"Ich habe sie gebeten, mich weiter zu informieren, denn ich bin der Erste, der McLaren so früh wie möglich auf dem Podium sehen möchte. Dabei kann ich ihnen sicher helfen - so, wie ich ihnen vergangenes Jahr geholfen habe", spielt Sainz auf deinen dritten Platz beim Grand Prix von Brasilien an, das erste McLaren-Podium in der Formel 1 seit Magnussen/Button in Australien 2014.

Darüber hinaus bestätigt er die Darstellung der McLaren-Chefs Andreas Seidl und Zak Brown, wonach die Entscheidung zur Trennung im Guten erfolgt ist: "Wir beenden unsere Beziehung in einer guten Art und Weise. Und ich denke, wir profitieren beide davon, wenn wir einander weiterhin alles erzählen, um das Auto gemeinsam weiterzuentwickeln."

Übrigens: Welcher Dienstwagen ihm von Ferrari zur Verfügung gestellt wird, hat sich Sainz nicht in den Vertrag schreiben lassen. "Wenn du so einen Vertrag unterschreibst, tust du das mit einem Lächeln im Gesicht", grinst er. Einen Wunsch für sein künftiges Fahrzeug hat er dann aber doch: Es soll eher dunkel sein - weil er nicht auf grelle Farben steht ...

Mit Bildmaterial von LAT.

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