Casino Abenteuer in London

Casino Abenteuer in London
Casino Abenteuer in London

Man mag die Variante lieben oder man mag sie hassen. Fakt ist auf jeden Fall, dass Pot Limit Omaha – kurz PLO genannt – hinter No Limit Holdem die weltweit populärste Pokervariante ist. Und eigentlich funktioniert auch fast alles genauso wie beim No Limit Holdem. Small Blind, Big Blind, etc. Auch das Handranking ist identisch. Und es gewinnt derjenige den Pott mit der besten Hand. Oder wer am besten blufft und nicht dabei erwischt wird. Es gibt jedoch zwei kleine, aber doch feine Unterschiede. 1.) Es wird mit 4 anstatt 2 Karten gespielt. Wichtig dabei ist, dass zur Ermittlung der besten Hand immer 2 Karten der eigenen Hand in die Wertung kommen müssen.

Umdenken erforderlich

Ein einzelnes Pik Ass auf der Hand und 4 Piken auf dem Board macht beim PLO eben keinen Flush. Man benötigt eine eigene zweite Pik Karte in der Hand. 2.) Wie es der Name schon andeutet, gibt es beim Setzen Unterschiede zur No Limit Variante. Es darf nämlich immer nur so viel maximal gesetzt werden wie viel sich im Pot befindet. Liegen 10 Chips im Pot, kann ich auch nur maximal 10 Chips setzen und eben nicht All-In gehen.

Wie sich diese beiden Unterschiede zum bekannten No Limit Holdem auf die strategische Vorgehensweise auswirken, darauf gehe ich in einem meiner nächsten Artikel ein. Ich kann auf jeden Fall versichern, dass PLO eine Menge Spaß macht. Wer Action mag, der ist hier richtig. Es ist die Variante, die mir persönlich am besten gefällt und mit der ich viele Jahre lang meinen Lebensunterhalt verdient habe. Nun war ich letzte Woche für einen Kurzurlaub in London. Und da PLO bei unseren britischen Nachbarn quasi das Main-Game ist, war es für mich natürlich mehr oder weniger Pflicht ein wenig LIVE zu spielen.

Zocken gegen Stammgäste

Also ging es am Freitagabend in eines der Londoner Live-Casinos. Ich entschied mich für das EMPIRE Casino am Leicester Square. Ich war nicht davon ausgegangen sofort einen freien Platz zu bekommen, da ich nicht vorreserviert hatte. Ich konnte jedoch kaum glauben, was ich vor Ort erlebte. Freitagabend, 20 Uhr und in einer Millionenmetropole wie London liefen lediglich 4 der 10 verfügbaren Pokertische. Die zweite Überraschung dann gleich hinterher. Darunter kein einziger PLO-Table! An den laufenden Tischen wurden lediglich NLH mit kleinen Blinds gespielt. Ich ging zum Registration Desk und ließ mich auf die PLO-Liste setzen. Man teilte mir mit, dass wohl zeitnah ein Tisch eröffnet würde. Und in der Tat dauerte es keine 5 Minuten, bis es losging. Offenkundig hatten einige der Stammgäste gewittert, dass da ein ahnungsloser Tourist wie ich – dessen Gesicht sie eben noch nie gesehen haben, zudem noch mit weiblicher Begleitung – bereit war schnell mal ein paar Hundert Pfund los zu werden. Die heimischen Geier sollten sich täuschen.

Pot-Limit-Omaha mit wie viel Karten?

Die nächste Überraschung dann direkt am Tisch. Die Kartengeberin fragte jeden der Teilnehmer, welche PLO-Variante er/sie bevorzugte und tippte dies dann in ihren Tischcomputer ein. Es war Dealers-Choice angesagt. Das bedeutet, dass jeder mitteilen konnte, ob man PLO mit 4, 5 oder 6 Karten wünschte. Meine Konkurrenten entschieden sich ausnahmslos für die Variante mit 6 Karten! Oh je, dachte ich mir. Bin ich doch in der 4-Kartenvariante firm. PLO5 habe ich zwar ebenfalls schon zur Genüge gespielt, aber mit 6 Karten? Da hatte ich nur wenige Hundert Hände Erfahrung. Und dies auch nur Online. Ich kaufte mich sicherheitshalber klein ein mit 150 Pfund. Die Blinds waren 1 & 2 Pfund. Dass meine Gegner zum Zocken erschienen, bemerkte ich dann gleich in der allerersten Hand. Straddle auf 4 und der Spieler dahinter raiste auf 15. Der nächste callte ohne zu zögern.

Jede Menge Action

Ich saß am Cut-Off und hatte eine durchaus spielbare Hand. AKJ984 mit 3 potentiellen Flushdraws, also jeweils 2 Karten unterschiedlicher suits. Zudem gute Position. Call. Der Spieler am Button callte ebenfalls und die Blinds füllten auch auf. Familien Pot gleich zu Beginn. 7 x 15 Pfund = 105 Pfund in der Mitte. Der Flop kam T84 mit 2 Karos. Small Blind annoncierte Pot und der Spieler UTG+1 ging direkt All-In mit seinen 400 Pfund. Holla die Waldfee … wo war ich hier gelandet? Ich wollte doch nur ein wenig Pokern um eine Sightseeing-Ausgaben vom Wochenende reinzuholen. Eigentlich war der Flop gar nicht so schlecht für mich. J high Flushdraw, open ended straight draw und dazu noch 2 Paar. Wenn auch die beiden kleinsten Paar. Rein mathematisch hätte ich hier vermutlich callen müssen, aber ich entschied mich zum FOLD. Der Flush, sofern er kommen würde, war wahrscheinlich nicht gut und wenn sich meine 2 Paar zum Full House entwickeln würden, könnte es gut sein, dass es auch nicht reicht. Bei einer möglichen Straight hätte ich unter Umständen noch teilen müssen. Es würden bessere Spots kommen. Meine Entscheidung - nicht mitzugehen - stellte sich im Nachhinein auch als korrekt raus. Ein Ace high Flush gewann den ersten 700 Pfund großen Pot gegen Top Set.

So actionreich wie es begann, ging es auch weiter. Fast in jedem einzelnen Spiel ging die Munition von mindestens 2 Spielern nach dem Flop in die Mitte und mehrere Hundert Pfund wechselten trotz der recht kleinen Blinds im Minutentakt den Besitzer. Ich entschied mich dazu, in den ersten 20-30 Minuten sehr vorsichtig zu spielen. Zum einen um mich ein wenig an die LIVE-Version von PLO6 zu gewöhnen. Zum anderen um zu schauen, wer mir am Tisch gefährlich erschien und gegen wen ich direkte Duelle eher suchen sollte um den Kurzurlaub nicht noch teurer werden zu lassen.

Am Ende mit Gewinn

Nach knapp 3 Spielstunden konnte ich die Session dann mit knapp 200 Pfund Gewinn abschließen. Und reichlich Erfahrung. Denn PLO6 LIVE zu spielen ist dann doch schon anders als Online. Gewöhnungsbedürftig alle Male. Einerseits Action pur und andererseits sollte man sich auch wirklich sehr konzentrieren, denn 6 Karten mit all den möglichen Kombinationen im Gedächtnis zu behalten um die korrekten Entscheidungen zu treffen, verlangt doch allerhöchste Aufmerksamkeit. Und ein wenig Glück beim Flippen gehört definitiv auch dazu. Wenn ihr also mal zufällig in London sein und PLO spielen möchtet, dann verabschiedet euch von der konservativen 4-Card Variante. PLO6 ist der neueste Schrei. Und was auf der Insel gerade Hip ist, das wird mit ein wenig Zeitverzug vermutlich auch in Deutschland in Mode kommen. Ab jetzt trainiere ich nur noch PLO6. Good game, wir sehen uns an den Tischen.

Martin Pott ist ehemaliger Poker-Profi, der etliche Jahre in Las Vegas gelebt & dort professionell gepokert hat. Erfahrene Spieler kennen die Stimme von Martin Pott zudem aus vielen Pokersendungen im TV, wo er seit Jahren von großen Turnieren aus der ganzen Welt berichtet. Weitere Infos zu unserem Autor findest du auch auf www.plus-ev.eu